Spanische Armada zu Besuch

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In der ersten Februarwoche hat ein spanisches Segelschulschiff im Bacino von Venedig angelegt. Da liegt es nun an der Promenade von Zattere, direkt gegenüber der Hafenbehörde, weiß und mit vier Masten. Größer als die Gorch Fock. Von herabfallenden Kadettinnen keine Spur.

Die Spaziergänger auf Zattere, ältere Leute, die ihrem Hund freien Lauf lassen, Mütter, die ihre Kinder von der Schule nach Hause bringen – sie alle genießen hier den sonnigen Nachmittag und den seltenen Anblick der vier Mastbäume mit der in der Sonne glitzernden Takelage. Da werden Erinnerungen wach an die glorreichen Zeiten Venedigs, als solche Schiffe die Regel und nicht die Ausnahme waren. Dabei verließ man sich auch damals schon nicht ausschließlich auf die Windenergie.. So war das prächtige Schiff des Dogen – Bucintoro genannt – mit 168 Ruderern bemannt. Man kannte und nutzte also schon damals die Möglichkeiten des Hybridandtriebs.

Heute ist der Hybridandtrieb bei Segelschiffen nicht mehr auf die Muskelkraft von Ruderern angewiesen. Auch der Viermaster ist nicht mit vollen Segeln in das Hafenbecken gerauscht, sondern ganz still und unauffällig mit der feindosierten Energie, die im Bauch des Schiffes die Verbrennungsmotoren erzeugen. Nur die Gondolieri trotzen als Ein-Mann-Version des Muskelanstriebs bis heute erfolgreich dem technischen Wandel.

In wenigen Wochen werden hier wieder die monströsen Kreuzfahrtschiffe von mehreren hundert Metern Länge das Bild beherrschen. Sie sehen nicht so elegant aus wie ein Viermaster, sondern eher wie eine gigantische Plastikwanne, die zu ihrer Anlegestelle geschleppt wird. Wie schön, dass man sich dabei noch andere Bilder in Erinnerung rufen kann. Als subversive Vorratsdatenspeicherung.