Immer mal wieder

Immer mal wieder melden sich prominente Venedig-Liebhaber aus aller Welt zu Wort, um zum Ausdruck zu bringen, wie sehr sie unter der “Verschandelung” der historischen Fassaden Venedigs leiden, wenn diese zwecks Renovierung hinter Baugerüsten und – schlimmer noch – hinter Großplakaten verschwinden. Darauf gibt es dann regelmäßig die Entgegnung der Kommunalverwaltung, dass mit ebendiesen Großplakaten ein wichtiger Beitrag für die Erhaltung bzw. Wiederherstellung ebendieser Fassaden in die klammen Kassen der Kommune kommt. Dabei bleibt es dann auch.

Dabei hätten die besagten Venedig-Liebhaber oft genug noch Gründe, auch über die “Verschandelung” innerhalb der historischen Gebäude bekümmert zu sein. Jüngstes Beispiel: Museo Correr gegenüber der teilverhüllten Basilika S. Marco. Da schreitet man über eine prunkvolle Treppe in die erste Etage und kommt in den ehemaligen Empfangsraum des napoleonischen Flügels. Ein hoher säulengeschmückter Saal. Hier hat der italienische Energiekonzern (ja der mit dem sechsbeinigen Köter) zur Zeit einige Schautafeln mit Bild- und Informationsmüll zur Firmengeschichte herumstehen. Die Schautafeln und Exponate sind so lieb- wie stillos an den Wänden und in der Mitte des Saales verteilt. Links vom Eingang stehen einsam drei ältere Zapfsäulen, elfenbeinweiß, mit Preisangaben aus der guten alten Lire-Zeit. Traumhaft günstig. An der nächsten Agip-Tankstelle auf dem Festland hat sich der Traum schnell verflüchtigt.