Aria fritta

Fast will es einem scheinen, als verginge kein Tag, an dem nicht irgendwo ein neues Buch über Venedig vorgestellt wird. Im ehrwürdigen Vortragssaal des Ateneo Veneto geschah dies in kurzer Folge schon zum zweiten Mal. Der Titel des zweiten Buches, das hier vorgestellt wurde, läßt schon ahnen, woher der Wind weht: “Quando c´erano i Veneziani” (Als es noch Venezianer gab). Und man wird nicht enttäuscht. Es geht um die Erinnerungen von einem Dutzend prominenten Venezianern reinsten Wassers (DOC, wie man hier gerne sagt), die mit ihrer Sorge um das Venedig von heute der Zustimmung aller Anwesenden – in der Mehrzahl ebenfalls Venezianer DOC in vorgerücktem Alter – sicher sein können.

Außer der üblichen Selbstbeweinräucherung und der Klage, dass man ihre einst so wunderbare Stadt immer wieder und immer nur dem Moloch Tourismus zum Fraß vorgeworfen habe, gab es weder in den vorgetragenen Passagen aus dem Büchlein noch in den anschließenden Redebeiträgen aus dem Publikum einen konkreten Vorschlag, wie der Stadt zu helfen wäre.

Angesichts der erdrückenden Mehrheit von 20 Millionen Besuchern jährlich kann man wohl nachfühlen, dass die 60 000 registrierten Einwohner sich als vernachlässigte Minderheit empfinden und gelegentlich ein Ventil brauchen. Wie sagte unsere Freundin, ebenfalls Venezianerin DOC, nach der Veranstaltung? “Aria fritta” (heiße Luft). Sei´s drum. Die Tage werden kürzer und die Abende kühler. Da ist man doch dankbar für jeden Lufthauch, der einem Herz und Haut zu wärmen verspricht.