Florian feiert auf San Marco

Florian feiert Geburtstag und hat dazu 500 Gäste auf den Markusplatz eingeladen. Florian? Ist das nicht der, wo der Espresso so unverschämt teuer ist? Ja der, oder besser das Caffè Florian, so genannt nach dem Gründer Florian Francesconi, der am 29. Dezember 1720 eine Bottega für den Ausschank des Türkentranks eröffnet, der die Geister wachhält und der in Venedig schon seit 1687 bekannt ist. So ist Francesconi auch keineswegs der Erste, der die Venezianer mit dem belebenden Heißgetränk erfreut. Um 1750 werden zwischen San Marco und Rialto knapp hundert Caffès gezählt. Das Florian hat überlebt, das Quadri gegenüber auch.

Die anläßlich des 290jährigen Bestehens des sagenhaften Caffès geladenen Gäste dürfen sich auf dem Markusplatz unter den Augen der Zaungäste laben und brauchen sich um den Preis für den Espresso nicht den Kopf zu zerbrechen, während die Zaungäste, nur durch eine rote Kordel von ihnen getrennt, neidvoll zusehen dürfen, was da alles von flinken Obern durch die Tischreihen getragen wird. Zur Feier des Tages hat der venezianische Künstler Plessi eine Lichtinstallation eingerichtet, die auf der gegenüberliegenden Seite des Lokals in Glitzerbuchstaben den berühmten Namen leuchten läßt: Florian.

Man mag sich fragen, warum eine solche Party ausgerechnet nach 290 Jahren steigt. Ist ja nicht gerade ein runder Geburtstag. Vielleicht, weil die neuen Betreiber nicht so lange warten mochten, bis es 300 schlägt. Man weiß ja nie, was im Verlauf von zehn Jahren noch passiert. In der Zeitung ist zu lesen, dass das Florian mehrfach geklont werden soll, unter anderem in London, Florenz, Rom, Dubai, Abu Dhabi, Paris und New York. Was man da erst zu feiern haben wird…