Sie sind wieder geheilt

Richard Wagner und Giuseppe Verdi hätten sich viel zu erzählen gehabt. Aber es ist nie dazu gekommen. Als Verdi in der Karnevalszeit des Jahres 1883 endlich den Entschluss gefasst hatte, nach Venedig zu reisen und mit dem großen Meister der modernen Oper ins Gespräch zu kommen, war es zu spät. Am Tag seiner Ankunft in Venedig erfuhr er, dass Wagner im Palazzo Vendramin gerade gestorben war.

Erst nach ihrem Tod kamen sich die beiden endlich näher. Alledings nur als Statuen, die man heute in den Giardini von Venedig bewundern kann. Dort stehen ihre leuchtend weiß leuchtenden Büsten, die kurz nach Verdis Tod im Jahre 1901 entstanden. Gerolamo Bortotti war der Schöpfer der Verdi-Büste, Hermann Schaper wird als Urheber für die Wagner-Büste genannt. Das Zusammensein auf Distanz begann Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Jahr 2013 traf die beiden das gleiche Unglück, der Verlust ihrer Nasen.

Da hatte doch irgendein Tunichtgut sich den Spaß erlaubt und den Skulpturen die Nasen abgeschlagen. So standen sie also acht Jahre lang mit Leidensmiene im Grünen. Es musste erst die Zeit der Corona-Epidemie kommen, bis man sich erbarmte und die entstellten Statuen heilte. Nun leuchten sie heute so jungfräulich weiß aus dem sommerlichen Grün hervor, wie man es sich nur wünschen kann, in versöhnlicher Distanz, die Infektionen aller Art ausschließen dürfte.