Mit Drohnen unterwegs? Gern, aber nicht heute

So sahen die Giardini Reali im Sommer 2020 aus. Nun werden wir sehen, was sich geändert hat

Nun sind schon mehr als sechs Monate vergangen, seitdem wir Venedig sich selbst überlassen haben und nur aus der Ferne beobachten, was sich in unserer zweiten Heimat so tut. Und das ist eine ganze Menge. Man hat dort das Träumen nicht verlernt. So will man künftig den Waren- und Personenverkehr in dem auf diverse Inseln verteilten Stadtgebiet nicht nur auf dem Wasserweg abwickeln, wie man das seit Jahrhunderten gewöhnt ist, sondern auch durch die Luft. Die Stadt hat Verbindung zu Volocopter, einem Startup-Unternehmen aus Deutschland aufgenommen, das auf den Einsatz von Drohnen spezialisiert ist und sich wohl zutraut, auch Personen auf dem Luftweg von A nach B zu befördern. Das wird wohl noch eine Weile dauern. Wir haben uns deswegen entschieden, es auf dem Schienenweg zu versuchen.

Wie das mit dem Träumen so ist, kann man unversehens auch mit Alpträumen konfrontiert sein. Das trifft viele Menschen, die in Venedig von Venedig leben und nicht begreifen wollen, dass der dabei entstanden Massentourismus alles andere als ein Segen war und auch die Kreuzfahrtschiffe so gar nicht zu den Vorstellungen der UNESCO passen, die die Lagunenstadt als Weltkulturerbe gelistet hat. Dabei braucht es doch gar nicht die Besucher, das aus allen Teilen der Welt über die Stadt herfallen; auch auf dem nicht so fernen Festland wissen die Menschen Venedig zu schätzen. So haben sich zum Muttertag die Familien vom benachbarten Festland aufgemacht und die Parkplätze erkämpft, um danach im Vaporetto das Inselhüpfen auf der Lagune zu üben. Aus den geöffneten Lokalen wurden sie freundlich begrüßt und bedient und fanden so bestätigt, dass die Venezianer ihre Gastfreundschaft nicht verlernt hatten. In den Zeitungen war zu lesen, dass sie an diesem Wochenende über dreißigtausend Besucher willkommen heißen durften, und das in ihrer Muttersprache.

Dahin zieht es auch uns wieder. Nach so langer Zeit werden wir wieder den Espresso Macchiato unter den Augen der steinernen Löwen vor dem Arsenale genießen. Und wir werden in den Giardini Reali Gelegenheit haben, die Inszenierung der Natur vor historischer Kulisse zu bestaunen. Das erleichtert den Abschied von den Blumen in unserem Frankfurter Garten, die nun auch ohne uns ihr Blütendasein beschließen werden.

Wir sind wieder auf alles gefasst, nur nicht auf Langeweile. Es gibt ja die Architekturbiennale, die schon im Vorjahr hätte stattfinden sollen und nun bis in den November für Besucher geöffnet ist. Im Juni findet zum zweiten Mal der Salone Nautico auf dem Arsenalgelände statt, um nur einige Ereignisse zu nennen, die unser Interesse verdienen. Nicht zu vergessen das Mittelmeer, das sich vor den Stränden der über mehrere dutzend Kilometer langen Dünen vom Lido bis Pellestrina erstreckt. Da hat man bei der Heimkehr nach Castello genug Zeit zum Schauen, Nachdenken und einem kühlen Prosecco.

Arrividerci Venezia!