Der Garten der Jungfrauen im Arsenale

Gepflegter Wildwuchs im Arsenale (Foto R.W.)

Venedig als Stein gewordene Geschichte? Das stimmt schon, ist aber nicht die ganze Geschichte. Es gibt in dieser Stadt auch Orte, die uns etwas ganz anderes erzählen können, wenn wir sie nur entdecken und hinhören.

So gibt es auf dem Arsenal-Gelände, wo man seit Jahren die Besucher der diversen Biennale-Veranstaltungen durch die Hallen schleust, um sie am Ende des Parcours durch eine Art Gartenzaun zu entlassen, auch eine gepflegte Grünfläche mit Blumenbeeten und uralten Bäumen. Diese Grünfläche hat den schönen Namen Giardino delle Vergini und wurde vor einigen Jahren von dem bekannten Landschaftsgärtner Piet Outdolf aus Holland gestaltet. Wer sich in der Gegend auskennt, kann den Garten auch ohne Biennale-Ticket besuchen – oder konnte; denn in diesem Jahr ist die Biennale abgesagt, und der Zugang zum Arsenal-Gelände außerhalb der Öffnungszeiten der Ausstellung geschlossen. Doch siehe da, wer sich dem Arsenale zaghaft von der Kirche S. Pietro aus nähert und über die Salizzada Streta bis zur Brücke mit dem Namen „Ponte dei Pensieri“ kommt, findet in der Mauer ein offenes Tor.

Da gibt es kein Halten. Il Ponte dei Pensieri ist ja nicht il Ponte dei Sospiri. Die Stadt zeigt sich hier von der fürsorglichen Seite und bietet ihren Bürgern einen Ort der Muße und der Erholung. Besucher können hier durch eine gepflegte Anlage schlendern und sehen am Ende ihres Spaziergangs auf der anderen Seite eines Kanals noch ein Kunstwerk, das dort für die Biennale des letzten Jahres errichtet wurde und auf kryptisch-konfuse Art dem Betrachter vermitteln will, wieviele Hände es braucht, um Brücken zu bauen. So jedenfalls wurde das handgreifliche und ausladende Werk von Lorenzo Quinn zur Eröffnung der Biennale 2019 von dem Künstler selbst gedeutet. Und wenn sich die Deutung auch bis heute nícht jedem erschließt, das Werk selbst hat es wahrscheinlich als einziges geschafft, uns noch ein Jahr später an den Titel der letzten Biennale zu erinnern: May You Live In Interesting Times.

Brücken bauen mit hoch gereckten Händen (Foto R.W.)