Im Osten Venedigs leuchtet es rot

Ganz im Einklang mit den Abstandsregeln (Foto R.W.)

 

Man kann es mit den Abstandsregeln auch zu gut meinen. Andrerseits schadet es ja nicht. Denn unter den Pinien, Platanen und Ginkgobäumen ist genug Platz für diesen Luxus, den man sich im östlichsten Wohnbezirk Venedigs leistet. Mehr als hundert frisch gestrichene Bänke sind rings um das Wohngebiet und auf den Plätzen zwischen den Wohnblocks von S. Elena verteilt. Damit ist S. Elena trotz der großzügigen Abstände zwischen den leuchtend roten Bänken der Bezirk mit der größten Bank-Dichte Venedigs.

Und das ist gut so. Denn hier, im Schatten der Bäume auf grünem Rasen mit Blick auf die Lagune ist der ideale Ort, wo man die Seele baumeln lassen kann, ganz so, wie Tucholsky es in seiner Erzählung Schloss Gripsholm beschrieben hat. Das heißt, wenn man sich die Zeit dafür gönnt. Für gehetzte Tagestouristen ist das hier eher nichts. Wie sollen sie die zweit Stunden oder mehr, die man es hier ohne weiteres aushält, herbeizaubern, wenn es anderswo doch noch so viel zu sehen und zu fotografieren gibt?

Außer Wohngebäuden, die meisten erst während der zwanziger Jahre im letzten Jahrhundert entstanden, gibt es hier eine Kirche, die der Heiligen Elisabeth geweiht ist, eine Kadettenschule, ein Fußballstadion (immerhin das älteste Italiens) und einen Hafen für Segelboote, dazu einige Speiselokale und keinen Supermarkt.

Dabei konnte man in den vergangenen Jahren fast den Eindruck bekommen, dass die knapp zweitausend Einwohner des Stadtbezirks es gar nicht zu schätzen wußten, wie privilegiert sie hier lebten. Bei einem Rundgang auf der Insel konnte ich vor drei Jahren kaum eine Bank entdecken, die nicht heruntergekommen und beschädigt war. Nur die großen Abstände waren schon damals – vorausschauend? – die Regel. Es bekümmerte mich, dass man sich um das Ambiente vor der eigenen Haustür so wenig kümmerte. Nun aber ist es eine wahre Freude, die reparierten und ausgetauschten Bänke in ihrem weithin leuchtenden Rot zu bewundern und einen Ort zu erleben, der so anders ist als alles, was man sonst von der Lagunenstadt zu wissen glaubt.

So sahen viele Bänke noch im Jahre 2017  aus (Bild links), inzwischen gibt es keine Bänke, die so heruntergekommen sind. So wie die rechts im Bild sind nun alle Bänke der Insel S. Elena.