OVOVIA? Ei, weg damit!

Calatravas Brücke zwischen Bahnhof und Piazzale Roma  ohne Raumkapsel (Foto R.W.)

Venedig war in früheren Zeiten nur mit schwimmenden Fahrzeugen zu erreichen. Das ist lange her. Heute kommen die Leute entweder mit der Bahn oder mit Pkw und Bus und sind dann schon an der belebtesten Verkehrsstraße Venedigs, am Canal Grande angekommen. Bahnreisende auf einer Seite des Kanals, Autoreisende auf der anderen. Da war es doch eine gute Idee, den Ankömmlingen eine Brücke zu bauen, damit sie nach Belieben auf beiden Seiten des Kanals zwischen Bahnhof und Piazzale Roma unterwegs sein konnten.

So beauftragte man den bekannten Architekten Santiago Calatrava, der schon an anderen berühmten Orten der Welt gezeigt hatte, wie man in heutiger Zeit spektakuläre Brücken bauen läßt. So weit, so gut. Wie nicht anders zu erwarten, handelte es sich um eine Fußgängerbrücke, die vierte und zudem auch die längste über den Canal Grande. Doch nicht alle Anreisenden sind so gut zu Fuß, dass sie die hundert Meter ohne Schwierigkeiten meistern. Wer auch immer bei der Planung und Auftragsvergabe für den Brückenbau zuständig war, hatte wohl die Rechnung ohne die Abteilung gemacht, die für den barrierefreien Zugang zu möglichst vielen Orten zu sorgen hatte. Diese Abteilung bestand darauf, für die Besucher Venedigs, die gehbehindert oder im Rollstuhl unterwegs waren, eine Möglichkeit zu schaffen, die sie auf die jeweils andere Seite des Kanals beförderte.

Was tun? Man einigte sich auf eine Art Raumkapsel mit Platz für zwei Personen einschließlich Rollstuhl und Haltestellen zu beiden Seiten des Kanals, um Passagiere für die Beförderung über die Bücke aufzunehmen. Für die Raumkapsel sollte am Geländer der Brücke eine Schiene angebracht werden.

Leichter gesagt als getan. Das Projekt mit dem schönen Namen Ovovia (frei übersetzt Ei-Weg), im Jahr 2013 in Angriff genommen, eierte und eierte und war weit davon entfernt, als eine Art Ei des Columbus in die Geschichte Venedigs einzugehen. Nach sieben Jahren ist es nun endlich so weit. Das Projekt Ovovia, das bisher zwei Millionen Euro gekostet hat, wurde beendet, ohne jemals einen Fahrgast von einem Ufer zum anderen befördert zu haben. Die Raumkapsel und die Aufbauten neben der Brücke wurden demontiert und verschrottet.

Da stehen wir immer wieder voller Bewunderung vor den Kulturschätzen und Bauwerken der Serenissima und erleben zugleich, wie das Projekt Ovovia kläglich scheitert und nur noch als „ei weg“ in Erinnerung bleiben dürfte. Nicht auszudenken, was uns Heutigen alles entgangen wäre, hätte man in Venedig schon damals so gehandelt.