Migranten und Nomaden

Mit Grüßen von Banksy (Foto R.W.)

Der bekannte Streetart-Künstler, den man nur unter seinem Pseudonym Banksy kennt, hat sich vor der Eröffnung der Kunstbiennale 2019 in Venedig aufgehalten und Spuren hinterlassen. Zum Beispiel dieses Bild an der Mauer eines verfallenden Hauses am Rio Nuovo. Bei diesem Bild erleben wir den Begriff Streetart in einer neuen Dimension. Der Junge mit Schwimmweste und Fackel, der in der Lagunenstadt gestrandet ist, namenlos und stellvertretend für viele Namen, hat den Weg zu uns sicher nicht als Hitch-hiker hinter sich gebracht. Und der Künstler, der mit diesem Bild daran erinnern will, dass wir hier ein Problem haben, das mit den Mitteln der Kunst allein nicht zu lösen ist, hat wohl nicht viel Zeit gehabt, auf einem Boot stehend an einer der belebtesten Wasserstraßen Venedigs sein Werk zu vollenden. Wie dem auch sei, Venedig hat jetzt auch ein Bild von Banksy, der es fertiggebracht hat, ohne festen Boden unter den Füßen seine Arbeit zu machen. Besucher, die vom Campo Santa Margherita kommend die Brücke zum Campo S. Pantalon überqueren, entdecken den Jungen gleich links neben der Brücke.

Weiter abwärts am Canal Grande auf dem Campo San Vidal beherbergt die Anglikanische Kirche Saint George einen anderen Künstler, der den Betrachter ebenfalls mit dem Thema Migration konfrontiert. Im Unterschied zu Banksy gibt es bei ihm keine Zweifel an seiner Identität. Und auch die Arbeitsbedingungen, unter denen seine Werke entstehen, sind keineswegs prekär. Zorikto Dorzhiev ist im fernen Russland aufgewachsen und hat in Ulan Ude und Krasnojarsk die dort eingerichteten staatlichen Kunstschulen besucht. Die in Venedig gezeigten Bilder haben Migration und das Leben der Nomaden in Sibirien zum Thema. Zu den wiederkehrenden Motiven in seinen Bildern gehören mongolische Reiter und Menschen, die unterwegs sind. Sie scheinen genau so wenig zu wissen wie wir Betrachter, wann und wo die Reise enden wird. Auch die Ausstellung, die den bezeichnenden Titel „New Steppe“ trägt, hat schon eine längere Reise hinter sich. Sie war bereits in Moskau, London und St. Petersburg zu sehen.