Die Wahrheit über Leonardos Unterseeboot

In der Galleria der Accademia delle Belle Arti ist der Homo Vitruvianus zu sehen (Foto R.W.)

Zum 500. Todestag von Leonardo da Vinci hat man die nur selten gebotene Gelegenheit, die Federzeichnung des Homo Vitruvianus im Original zu sehen. Sie wird im Archiv der Accademia delle Belle Arti aufbewahrt und kann dort noch bis zum 14. Juli 2019 zusammen mit einigen Dutzend anderen Autografen Leonardos bewundert werden. Doch die Vorlage für ein U-Boot, mit dessen Hilfe die Serenissima Anfang des 16. Jahrhunderts im Krieg mit den Türken die osmanische Flotte hätte abwehren oder gar vernichten können, ist wohl nicht dabei.

Wenn wir dem Video-Beitrag „Leonardo´s Submarine“ trauen können, der im Hauptpavillon der Giardini während der Biennale 2019 gezeigt wird (Leonardos Todesjahr), war der Künstler selbst gar nicht daran interessiert, dass seine Kriegsmaschinen mehr sein sollten als zu Papier gebrachte Spielereien. Erst seit Mussolinis Zeiten geistert in den Erzählungen das „Universalgenie“ Leonardo durch die Welt, ausgelöst von einer 1939 initiierten Ausstellung in Italien, die später auch in den USA und Japan gezeigt wurde und sich für die imperialen Ansprüche Italiens verwerten ließ. Diese Vorstellungen hat man bis heute wohl noch nicht ganz hinter sich gelassen.Das zeigt sich daran, dass der italienische Staats- und Rüstungskonzern Finmeccanica nach der Übernahme mehrerer Rüstungsbetriebe 2017 in Leonardo S.p.A. umbenannt wurde, obwohl der Konzern mit dem künstlerischen Schaffen Leonardo da Vincis wenig, sehr wenig zu schaffen hat.

In dem Video-Beitrag erleben wir, was die Lagune auch ohne U-Boote alles über sich ergehen lassen muss, was nicht so funktioniert, wie es sollte (zum Beispiel das Flutwehrsystem Mo.S.E. und der Kreuzfahrttourismus), und werden mit einer tröstliche Botschaft entlassen. Der vorausschauende Algorithmus, der wohl schon während der zurückliegenden 500 Jahre dafür gesorgt hat, dass die U-Boot-Skizzen in dem schier unendlichen Nachlass des Künstlers unentdeckt blieben, wird dies auch für die nächsten 500 Jahren schaffen , und als Zuschauer in heutiger Zeit (interesting times, wohlgemerkt) werden wir aufgefordert, statt nach Skizzen für Kriegsgerät zu forschen, lieber auf das Bildnis einer Frau zu achten, in dem sich möglicherweise ein Lächeln zeigt. Wessen Lächeln dürfte das wohl sein?

Leonardo´s Submarine ist Hito Steyerls Beitrag, der auf Einladung des Kurators Ralph Rugoff im Hauptpavillon der Biennale gezeigt wird. Die Künstlerin, 1966 in München geboren , lebt und arbeitet in Berlin.