Zu spät, du rettest den Ruf nicht mehr…

Zu spät, du rettest den Ruf nicht mehr, um mit Schiller zu sprechen

Ach, dieser Bürgermeister von Venedig. Da lässt er zu, dass seine Ordnungskräfte den weltbekannten und öffentlichkeitsscheuen Künstler von der Uferpromenade vertreiben, wo seit undenklichen Zeiten viele venezianische Künstler mit ihren Staffeleien herumstehen und ihre Werke feilbieten, unter die sich auch dieser unbekannte Künstler gemischt hat, um einige seiner Werke zu präsentieren. Was geschieht? I vigili lo cacciano. Doch kaum haben die Ordnungskräfte ihre Pflicht erfüllt und Banksy fortgeschickt, da fällt dem Bürgermeister ein, ihn nach Venedig einzuladen. Zu spät.

In einer Stadt wie Venedig sollte man von einem Amtsträger in dieser Position erwarten, dass er mehr Herz für die Kunst und mehr Sensibilität für die Marotten mancher Künstler hätte und sich darauf einstellen würde, dass auch dieser ominöse Banksy in Venedig auftauchen könnte. Schließlich gab es Vorzeichen. Gut eine Woche vor der offiziellen Eröffnung der Biennale entdeckte man ein Stück Straßenkunst (so called streetart) an der Mauer eines Kanals im Stadtteil Dorsoduro. Da ist ein Junge mit Schwimmweste zu sehen, den man mühelos in die Gruppe der Flüchtlinge einordnen kann, die der amtierende Innenminister Italiens mit allen Mitteln von seinem Land fernhalten will. Dieses Bild wurde von den Medien sogleich als Banksys Werk „erkannt“ (was bisher noch nicht bestätigt wurde).

Schade. Nun ist auch Banksy selbst unerkannt verschwunden. Herr Brugnaro kann sich damit trösten, dass er Banksys Vertreibung in Venedig über dessen offiziellen und über jeden Zweifel erhabenen Instagram-Account erleben kann, wann und wie oft er will. Da bekommt er sein Fett weg, denn der Titel dieses Instagram-Beitrags lautet „Venice in Oil“. Man sieht da große über mehrere Bilder verteilte Kreuzfahrtschiffe und braucht kein Kunststudium absolviert zu haben, um diese Anspielung zu verstehen.