Frag nach bei Yöti

Die Eröffnung der diesjährigen Kunstbiennale in Venedig lässt noch auf sich warten. Da kommt ein Vorspiel gerade recht, um die Zeit bis zum Mai zu überbrücken. Im Angebot ist eine Ausstellung im Arsenale mit einer Auswahl von Beispielen der Gegenwartskunst in diversen Disziplinen von Malerei bis Landart. Die Auswahl verdanken wir den Initiatoren eines internationalen Künstlerwettbewerbs, der in den dreizehn Jahren seines Bestehens viel Zuspruch gefunden hat. In der aktuellen Ausstellung sind 120 Künstler aus den verschiedenen Weltregionen vertreten, mehrheitlich aus Europa. Der Eintritt ist frei inklusive Veranstaltungen für Kinder und Gesprächsrunden mit eingeladenen Gastrednern zu ausgewählten Themen des Kunstmarktes.

Die Arbeiten sind in der hergerichteten Halle im Arsenale von Venedig locker verteilt, die Preisträger der zehn Disziplinen sind ermittelt. Ging es ursprünglich nur um Malerei und Fotografie, so gibt es heute auch Skulpturen und Installationen, Videos und Kurzfilme, Performance, Virtuelle Kunst, digitale Graphik, Land Art, Urban Art und Design zu sehen.

Neben sechs Geldpreisen von je 7000 € wurden auch Einladungen für Künstler-Residenzen in diversen europäischen Städten und Ausstellungen in namhaften Galerien Europas vergeben, nicht zu vergessen die Darstellung im Katalog und die Präsenz des eigenen Werkes in einem wahrlich spektakulären Ambiente. In den Hallen, wo vor langer langer Zeit die Serenissima ihre Kriegs- und Handelsflotte erbauen ließ, erleben nun die Besucher wie vor ihnen schon die anwesenden Künstler Erbauliches ganz anderer Art und wundern sich kaum, wie hier das Alte und das Neue sich vertragen und zu einem Gesamtkunstwerk der besonderen Art verschmelzen.

All das lässt sich bis zum 25. April besichtigen und genießen, wobei man sich auch immer überlegen kann, aus welchen Gründen die Jury gerade das eine Bild für preiswürdig hielt und das andere nicht. Oder warum gerade eine Installation den Preis erhielt, die so gar nicht in die heutige Zeit passt, weil sie mit quasi prä-digitalen Geräten bestückt ist, um am Ende Porträts zu erzeugen, die so gar nichts mit den Fotos zu tun haben, die man heute bei Instagram hochlädt. Was ist der Jury dazu eingefallen? Die Besinnung auf zurückliegende Epochen der Porträtmalerei, die schon einmal von den Neuerungen der Technologie eingeholt und schließlich überholt wurde. Damals machte die Fotografie die Porträtmalerei alten Stils überflüssig. Zur Zeit erlebt auch sie ein eher unrühmliches Ende auf öffentlich zugänglichen Plätzen, wo man sich von Automaten ablichten lässt. Heute sind die Akteure beides in einer Person: Modelle und Künstler, nur fuchteln sie nicht mehr mit Pinseln, dafür mit Selfie-Sticks oder ausgestreckten Armen herum.

Also gut, lassen wir uns auf Jean-Philippe Coté, den Künstler aus Kanada und glücklichen Gewinner des Arte Laguna Preises von 2019 ein. Sein Ausstellungsbeitrag ist ein Gerät, das auf den Namen Yöti hört und dunkle, sehr dunkle Porträts von uns erzeugen kann, die an Bilder vom Mann im Mond erinnern. Fühlen wir uns provoziert oder ermuntert, darüber nachzudenken, in welche digitalen und virtuellen Welten uns die Kunst noch entführen kann, wenn wir es zulassen? Wo immer uns Yöti, the Algorithmic Portrait Artist, dunkel erleuchten wird.

 

So sieht man auf einem Bild von Yöti aus; die Signatur wurde anschließend von Yötis Schöpfer hinzugefügt.

Ausstellung Arte Laguna Prize  *  Nappe Arsenale Venedig  *  31. März bis 25. April 2019

Öffnungszeiten 10.00 h – 18.00 h   *  Eintritt frei   *   artelagunaprize.com