Wozu Heilige gut sind

Da kommen nicht Touristen, sondern Soldaten (Fotos R.W.)

Der Heilige Markus ist den Christen als einer der vier Evangelisten im Neuen Testament bekannt. Er hat wohl in frühchristlicher Zeit auch in der Gegend missioniert, die heute als Veneto bezeichnet wird. Allerdings gab es zu seinen Lebzeiten die Stadt Venedig noch nicht, die sich erst viele Jahrhunderte später die Reliquie des inzwischen heiligen Märtyrers sicherte, die beherzte Fischer von Malamocco aus Alexandrien vor den Muselmanen in Sicherheit und nach Venedig brachten. So geht die Legende.

Als Heiliger selbst tritt San Marco kaum in Erscheinung. Dafür ist sein Begleiter, der geflügelte Löwe, in Venedig omnipräsent. Doch manchmal ließ er sich wohl hinreißen und griff vom Himmel aus ein. Zum Beispiel in dem Bild von Tintoretto, das in diesen Tagen anlässlich des 500. Geburtstag des Malers wieder viel Aufmerksamkeit fand. Da sieht man den Heiligen mit wehendem Gewand vom Himmel stürmen, um einen armen Sünder von seinen Peinigern zu erlösen, die vor Schreck ihre Folterwerkzeuge fallen lassen.

In diesen Tagen haben die Venezianer wieder Gelegenheit, sich mit ihrem Heiligen zu beschäftigen. Diesmal kommt San Marco nicht aus den Wolken, sondern auf den Wellen der Lagune als tonnenschweres Ungetüm. Ein Kriegsschiff mit Namen S. Marco liegt seit einigen Tagen im Bacino vor Anker. Doch keiner der Vorübergehenden zeigt sich beunruhigt. In Venedig ist man eben hart im Nehmen. Man ist hier auch gar nicht verwundert oder gar erschüttert, dass im Namen des Heiligen an den Ersten Weltkrieg gedacht wird, den man in Italien auch noch den „großen Krieg“ nennt. Als dieser Krieg schon zu Ende war und Italien sich zu den Siegern zählen durfte, wurden vier Bataillone Italiens, die sich heldenhaft gegen Kriegsende dem Vormarsch der österreichisch-ungarischen Truppen auf dem Festland in Richtung Venedig widersetzt hatten, mit der Ehrenbezeichnung Brigata Marina San Marco ausgezeichnet. Das Zeremoniell dazu fand am 17. März 1919 statt. Grund genug, nach hundert Jahren daran zu erinnern? Wie man´s nimmt. Der Heilige blieb wohl ungerührt.