Das Kreuz mit den sakralen Baustellen

 

San Moise

Wo gibt es mitten in Venedig ein Bauwerk mit so vielen Etagen? Lassen wir uns nicht täuschen. Hinter diesem Baugerüst hausen keine Mieter. Bestenfalls die Geister der Patrizier-Familie Fini , die sich hier im 17. Jahrhundert spendabel zeigte und für eine der üppigsten Barockfassaden sorgte, die man an der Kirche San Moise im Stadtteil San Marco in Venedig bewundern kann. Nun bleibt der großzügige Stifter Vincenzo Fini mit seiner Büste über dem Hauptportal bis auf weiteres unsichtbar.

Das ist nicht die einzige Baustelle, für die man in der Diözese dringend Geld benötigt. Wie der Superintendent erklärt, sind mindestens 50 Kirchen reparaturbedürftig. Doch die Patrizier-Familien von einst sind nicht in Sicht. Das schlechte Gewissen als Druckmittel funktioniert nicht mehr so wie in alten Zeiten, als man noch glaubte, sich mit gutem Geld auch einen guten Platz im Himmel sichern zu können.

Die Investoren von heute ziehen es vor, ihr Geld im Diesseits anzulegen und nicht auf das Jenseits zu spekulieren. Was tun? Man tut das, was man als Marktteilnehmer immer macht. Man wirbt für den guten Zweck und hofft, mit einer Plakataktion die Spendenbereitschaft der Kirchgänger zu fördern. Aber auch das ist nicht gerade vielversprechend angesichts von Meldungen, dass Pastoren schon mal ihre Kirchen geschlossen haben, weil die letzten Mitglieder ihrer Gemeinde darauf verzichteten, die Dienste der Kirche in Anspruch zu nehmen. Sie kamen nicht mehr zur Beichte, nicht mehr zum Abendmahl. Entsprechend bescheiden sind nun auch die Erwartungen, die man mit der geplanten Plakataktion verbindet. Im Lauf von drei Jahren rechnet man mit Einnahmen von 800 000 Euro. Man darf gespannt sein, wie sich das auf 50 Baustellen auswirken wird.