Dunkle Materie? Schon eher dunkle Geschäfte

Dies ist keine Fälschung (Foto R.W.)

Wer echtes Murano-Glas sucht, findet es wo? Bei den Vetrerien auf der Insel Murano. Da hat der Interessent die Auswahl unter gut hundert Anbietern (alle auf Google gelistet), da kann er sicher sein, dass man ihm nicht irgendeine Fälschung aus Fernost andrehen wird. Und spätestens beim Bezahlen sollte ihm klar sein, worauf es bei der Unterscheidung von echtem Kunsthandwerk und der Produktion von billigen Kopien ankommt. Da er mit Karte bezahlt und nicht mit dem Pfennig rechnen muss, gibt es keine Probleme. Und es interessiert ihn auch nicht sonderlich, wo der demnächst von seinem Konto abgebuchte Betrag schließlich landen wird: auf dem POS-Terminal einer Wechselstube am Markusplatz in Venedig. Wie das?

Diese Frage interessierte dagegen umso mehr die Finanzpolizei Venedigs. Wie regionale Medien jetzt berichten, ist die Finanzpolizei einer Gruppe von Betrügern auf die Schliche gekommen. In der ehrbaren Zunft der hundert auf Google gelisteten Vetrerien machten sich zehn schwarze Schafe den Umstand zunutze, dass Käufer aus dem Ausland in der Regel nicht in bar bezahlten, sondern über ihre Kreditkarte. Diese Beträge wurden allerdings nicht den Betrieben gutgeschrieben, sondern landete in der besagten Wechselstube, wo der am Betrug beteiligte Geldwechsler die eingegangen Beträge in Euro umrechnete und regelmäßig an die Betrüger-Gruppe verteilte, nicht ohne jeweils fünf Prozent als Provision für sich zu behalten.

Dieses seit fünf Jahren florierende Geschäft ist nun aufgeflogen. Die Finanzpolizei hat vorsorglich bei den in das Geschäft verwickelten Betrieben und Personen Beträge in Höhe von sieben Millionen Euro beschlagnahmt, um dem Fiskus die entgangene Steuer zu sichern. Insgesamt handelt es sich um 30 Millionen Euro, die während des besagten Zeitraums in den schwarzen Kassen der schwarzen Schafe gelandet sind statt in den Büchern der Betriebe.

Für den ahnungslosen Käufer gibt es keinen Grund zur Aufregung, solange er sicher sein kann, dass er echtes Murano-Glas erworben hat, welches er nun voller Stolz vorzeigen und genießen kann. Oder doch? Gegen sieben Betriebe laufen die Ermittlungen weiter. Sind die anderen über jeden Verdacht erhaben und damit schon aus der Schusslinie? Da wir es bei diesen Vorgängen nicht mit dunkler Materie zu tun haben, die immer unsichtbar bleibt, sondern um dunkle Geschäfte, sollten alle froh und dankbar sein, wenn sie ans Licht kommen.