Das Atelier Venezia fördert Nachwuchskünstler

Ezio Rizzello (1917-1997): Burcer, 1953 , Öl auf Leinwand, 100 x 150 cm

In den Räumen der Stiftung Bevilacqua La Masa am Markusplatz wurde eine Ausstellung eingerichtet, in der wir 41 mehr oder weniger bekannten Künstlern begegnen. Diese Künstler haben bei aller Unterschiedlichkeit in der Wahl der Motive und der Maltechniken eines gemeinsam: Sie waren Stipendiaten der Stiftung Bevilacqua La Masa, die im Jahre 1901 ins Leben gerufen wurde mit dem Ziel, bedürftigen jungen Künstlern in Venedig Arbeits-, Entwicklungs- und Ausstellungsmöglichkeiten zu bieten. Den Stipendiaten wurden Ateliers zur Vefügung gestellt, und sie konnten damit rechnen, dass ihre Arbeiten in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurden. Es gab inzwischen die Möglichkeit, sie während einer Biennale in Venedig zu präsentieren, die seit der Premiere im Jahr 1895 bestrebt war, ihrer Rolle als internationle Plattform der modernen Kunstströmungen gerecht zu werden, wobei die Beteiligung der venezainischen Kunstszene nicht zu kurz kommen sollte. Zudem entstand unter Federführung der Stiftung ein spezielles Museum für moderne Kunst, das mit Ankäufen und Ausstellungen die Bekanntheit und Anerkennung ihrer Stipendiaten beförderte.

Das 120jährige Bestehen der Stiftung hat man zum Anlass genommen, um daran zu erinnern, wer in den Jahren 1901 bis 1965 zu den Stipendiaten gehörte und was aus ihnen geworden ist. Der Palazzo Ca´Pesaro am Canal Grande, den die Herzogin Felicita 1898 der Stadt übereignete mit der Verfügung, dass dieser Ort für angehende Künstler genutzt werden sollte, spielt seitdem eine wichtige Rolle im Kunstbiotop Venedigs. Für die meisten der 41 vorgestellten Künstler ist es eine postume Ehrung. Sie wurden während der letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts geboren. Sie sollen, wie es in dem Begleittext zur Ausstellung heißt, Beispiel und Ansporn für die Stipendiaten sein, die heute wie damals vor der Frage stehen, ob die Beschäftigung mit der Kunst sich zu einem auskömmlichen Beruf entwickeln lässt. Nicht zwangsläufig, wie man aus den Biografien der hier vertretenen Künstler herauslesen kann.

Aber ja, einige haben es geschafft und sind auf dem internationalen Kunstmarkt präsent. Arbeiten von Emilio Vedova zum Beispiel erzielen Preise in der Größenordnung von einigen hunderttausend Euro, desgleichen Tancredi Parmeggiano. Bei anderen erfährt man, dass Erben oder Sammler versuchen, aus dem Nachlass Geld zu machen, indem sie Bilder über Online-Auktionen wie eBay verkaufen. Die Mehrheit der Künstler hat wohl mit einer gewissen Genugtuung erlebt, dass einige ihrer Werke in den Sammlungen der Stiftung und des Museums für moderne Kunst Ca´Pesaro zu finden sind. Da der Lebensraum von vielen dieser Künstler entweder die Stadt Venedig war oder die mehr oder weniger ausgedehnte Umgebung, darf man sich nicht wundern, dass in ihren Arbeiten die unerschöpflichen Motive der Lagunenstadt in immer neuen Abwandlungen vorkommen. Das gilt vor allem für Werke, die vor dem 2. Weltkrieg entstanden sind.

Danach präsentieren sich die Künstler vermehrt mit Arbeiten, die eine Auseinandersetzung mit neuen Kunstrichtungen und Techniken zeigen, wie zum Beispiel Emilio Vedova, der als Stipendiat der Stiftung (von 1940 bis 1946) und zugleich als Partisan den 2. Weltkrieg überlebte. Aber das Denkmal zur Erinnerung an die Partisanenkämpfe, das 1957 in den Giardini aufgestellt wurde, ist nicht von ihm, sondern von Leoncillo Leonardi. Jedenfalls war es für die Faschisten so provozierend, dass ihnen nichts Besseres einfiel, als die Statue in die Luft zu sprengen. Soviel zum Thema provozierende Kunst, die in Venedig nicht nur politisch, sondern auch kulturell ihre Spuren hinterlassen hat.

Der Katalog zur Ausstellung zeigt nicht nur die Bilder, er enthält auch ausführliche Schilderungen über das Leben der geförderten Künstler und ihre Versuche, mit der Welt „da draußen“ in Kontakt zu treten. Nicht alles, was während der Jahrzehnte seit der Gründung der Stiftung unternommen wurde, hat den Erwartungen sowohl der Künstler wie auch der Stiftung entsprochen. Mit Beginn des neuen Jahrhunderts wurden neue Regelungen für die Vergabe der Studienplätze festgelegt. Die Ateliers werden nur noch für ein Jahr vergeben, es können auch Bewerber berücksichtigt werden, die nicht unbedingt als Maler daherkommen. Der Künstlergruppe steht während des Jahres ein Mentor als Berater und Motivator zur Seite.

Es sieht ganz danach aus, als wollte die Stiftung den Erfolg ihrer Stipendiaten nicht nur einem glücklichen Zufall überlassen. Seit 2007 wird in jährlichen Rechenschaftsberichten dokumentiert, ob die Ziele erreicht worden sind, die man als Institution gemeinsam mit den Stipendiaten erreichen wollte.

Die Ausstellung ist vom 4. März bis zum 29. April geöffnet. Der Katalag kostet 25 €