NOFEHKNIUHSPLIEHS!

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Von Anatoll Frustwächter gibt es nur dieses Bild und kein anderes. Als Umriss aus dem verfallenden Mauerwerk Venedigs herausgelöst, wo er nun als Begleiter Pantalones (oder dessen Doppelgänger?) sein unbeschwertes und scheinhaftes Dasein fristet. Mit wahrhaftigen Flunkereien aus der Lagunenstadt und lobenden wie kritischen Urteilen über dieses und jenes.

In diesen Wochen ist er unterwegs, um die Kunst auf sich wirken zu lassen, der man während der Biennale auf Schritt und Tritt begegnet, so dass man ihr kaum ausweichen kann. Seine jahrelange Erfahrung vor Ort und die Lektüre von Kuratoren-Statements haben ihn bewogen, es bei radikal subjektiven Urteilen und Vorurteilen zu belassen. Ganz nach dem Motto: Alle Kunst ist nur so gut wie das, was mir als Betrachter dazu einfällt.Nur manchmal ist sie auch besser.

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Verstörte Besucher und Performer als Ausreißer (Fotos R.W.)

Trennende Transparenz im deutschen Pavillon

In einer hochgradig von Medialität gekennzeichneten Zeit bilden Bilder unsere Realität nicht nur ab, sondern stellen sie her.

Das ist nicht von dir?

Behüte. Das ist Text zur Performance im deutschen Pavillon, der in diesem Jahr den goldenen Löwen der Biennale in Venedig erhielt.

Da kann man uns doch nur beglückwünschen.

Dabei werden wir auf eine harte Probe gestellt, wenn wir zum Beispiel der Performance bis zum Ende beiwohnen wollen, wo sich Darsteller  und Besucher in verlegener Sprachlosigkeit auf einem durchgehend verglasten Boden begegnen, bis die Performance im Untergeschoss fortgesetzt wird. Zwischendurch werden Musik und Gesänge eingespielt.

Und der Text, den du eben zitiert hast?

Den gibt es nur als Lesestoff, nicht während der Performance. Selbst den Hunden, die da in einem Zwinger vor dem Pavillon herumlungern, hat man das Bellen ausgetrieben, scheint es.

Irgendeine Erklärung, eine Deutung waren die Veranstalter den ratlosen Besuchern doch wohl schuldig.

Eben. Und so erfand man einen neuen Faust, der uns ja seit der Renaissance nicht mehr losläßt.

Die Performance hat also den Titel FAUST?

Genau. Und diesen Faust muss sich Mephisto ausgedacht haben.

Mephisto? Heißt die Künstlerin nicht Imhof und ist sie nicht auf eine katholische Schule gegangen, wo man ihr doch wohl beigebracht hat, sich nicht mit dem Teufel einzulassen?

Das ist ja auch nur meine ganz und gar subjektive Deutung dessen, was ich da in dem  verglasten Pavillon vorgeführt bekam, wo die Performer sich von den Besuchern kaum unterscheiden, nur dass sie sich da vier Stunden lang aufhalten müssen und währen dieser Zeit wie Marionetten diverse Handlungen und Bewegungen nach einem detaillierten Skript ausführen , wohingegen ich als Besucher nach Belieben die Stätte verlassen kann. Seit Goethe sollen wir uns das Faustdrama als Menschheitsdrama vorstellen. Darunter machen wir es nicht. Da ist das Streben nach Selbstverwirklichung eine zentrale Aufgabe, mit der wir uns ein ganzes Leben lang beschäftigen dürfen.

Verstanden.

Und nun kommt da diese Anne Imhof und läßt eine Gruppe von jüngeren Leuten auftreten, die uns diese Selbstverwirklichung als eine vom Kapitalismus angetriebene Konsumorgie und als Selbstvermarktung vorspielen. Das ist Mephisto pur, der sein teuflisches Vergnügen haben dürfte, wie die Selbsttäuschung inzwischen so perfekt funktioniert.

Aber dabei beläßt unsere Künstlerin es doch nicht?

Nein, es gibt Ausreißversuche. Wenn zum Beispiel einer aus der Gruppe nicht mehr mit den anderen, von uns Betrachtern durch den Glasboden getrennt, im Untergeschoss über den Boden kriecht, sondern auf halber Höhe auf einem gläsernen Vorsprung in der gläsernen Wand hockt. Dabei sind seine Utensilien, das Händi, die Wasserflasche, die Matratze und alles andere da unten, wo man nur kriechend vorankommt. Wenigsten braucht er nicht mehr zu Kreuze zu kriechen, wie die Christen an Karfreitag, weil für ihn das ewige Leben keine Bedeutung mehr hat, sondern die Selbstvermarktung im Hier und Jetzt, wie in einer Endlosschleife.

Gelingen solche Ausreißversuche?

Das ist die entscheidende Frage. Jedenfalls sind sie in dem Begleittext formuliert, sozusagen als Teufelsaustreibung. Da heißt es: Allein im Zusammneschluß als Gruppe von Körpern und in der Besetzung von Raum kann sich Widerstand formieren. Auf den Balustraden und Zäunen, im Untergrund und auf dem Dach erobern und besetzen die Performer den Raum, das Haus, den Pavillon, die Institution, den Staat.

Toll! Hast du eine Ahnung, wo diese Art von Widerstand noch zu erleben ist außer im deutschen Pavillon, wenn die Performer mal wieder einen Auftritt haben?

Bitte mehr Zuversicht. Vielleicht mausert sich unsere von Selfies überflutete Medienwelt ja noch und wir bekommen als Lebensperformer die eine oder andere Chance, etwas Sinnvolleres anzustreben als unsere Selbstdarstellung und Selbstvermarktung.

Pulse of Europe zum Beispiel.

Ein vielversprechendes Beispiel. Die Menschen, die für Pulse of Europe in den Städten auf die Straßen gegangen sind und sich auf Plätzen versammelten, waren keine Performer, sondern Menschen wie du und ich.

Eben

 

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Der Nicht-Ort für Alberto Giacometti

P: Im Schweizer Pavillon geht es hauptsächlich um Giacometti.

AF: Wieder der? Hat er sich zu seinen Lebzeiten nicht erfolgreich dagegen gewehrt, von den Schweizern vereinnahmt zu werden? Selbst sein Bruder Bruno, der als Architekt den Schweizer Pavillon in den Giardini sozusagen für den in Paris lebenden Künstler gestaltet hatte, konnte ihn nicht erweichen.

P: So hat er seine Femmes de Venise lieber im französischen Pavillon ausgestellt. Das war 1956, zehn Jahre vor seinem Tod.

AF: Nun haben sie ihn also doch in den Schweizer Pavillon gelockt?

P: Ja, mit Hilfe eines Tricks. Wir sehen dort einen Film, das heißt zwei und die auch noch gleichzeitig. Da geht es um eine Liebesaffäre, die in den zwanziger Jahren in Paris beginnt und vor Ausbruch des 2. Weltkriegs beendet ist. Schöne „verstaubte“ Schwarzweiß-Szenen wie in einem Stummfilm, die uns die Zeit damals und die Beziehung der beiden jungen Künstler Flora Mayo und Alberto Giacometti näherbringen sollen. Auf der Rückseite der Leinwand läuft zur gleichen Zeit  eine Farbversion von heute, in der ein inzwischen über 80jähriger Amerikaner die Erinnerungsstücke seiner Mutter in Händen hält und mit bewegter Stimme erklärt, auf welch verschlungenen Wegen er erfahren hat, dass seine alleinerziehende Mutter, die sich mit schlecht bezahlten Jobs durchs Leben schlagen mußte, vor langer Zeit als vielversprechenden Künstlerin in Paris gelebt hatte und nach einer Liebesaffäre mit dem Schweizer Bildhauer Giacometti wieder in die USA zurückgekehrt war – mit einem „Abschiedesgeschenk“, dem Sohn David, von dem der inzwischen weltberühmte Künster nie erfahren hat. Das Erstaunliche an diesem Doppelfilm: die von David gesprochenen Worte passen zu beiden Filmversionen.

AF: Vater und Sohn sind sich also nie begegnet und auch  von den Arbeiten der vielversprechenden Künstlerin ist wohl nichts zurückgeblieben?

P: Nein. Sie hat alles vernichtet, bevor sie wieder in die USA zurückkehrte. Es gibt lediglich eine Fotografie aus jenen Tagen. Da sieht man die jungen Künstler Flora und Alberto, wie sie eine von Flora gestaltete Büste bewundern, die den geliebten Alberto darstellt. Dieses Foto diente jetzt als Vorlage für eine Bronzefigur.

AF: Und die…

P: Genau. Die kann man jetzt im Schweizer Pavillon bewundern.

AF: Was mich noch mehr wundert, ob es in der Schweiz nicht noch andere Künstler gibt, lebende zum Beispiel.

P: Schon, aber kaum einen, der auf dem Kunstmarkt so hohe Preise erzielt wie Giacometti.

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Kafka läßt grüßen

AF: Der Kunstbeitrag Taiwans kann im Palazzo delle Prigioni (hinter dem Dogenpalast) besichtigt werden. Da wird ein Künstler gefeiert, der vor mehr als dreißig Jahren in New York einige Jahre seines Lebens mit sogenannten Performances zugbracht hat, die wohl zu den verstörendsten gehören, die man unter diesem Begriff subsumiert. Auf jeden Fall zu den zeitlich ausgedehntesten.

P: Das hört sich ja spannend an.

AF: Da gibt es also den jungen Tehching Hsieh aus Taiwan, der sein Heimatland und seine Familie verläßt, um als illegal Eingereister in New York sein Glück als Künstler zu versuchen, wobei ihn die ferne Familie finanziell nicht im Stich läßt.

P: Und jetzt?

AF: Jetzt erlebt er, dass einige seiner Arbeiten aus seiner produktivsten Periode in New York dem kunstinteressierten Publikum der Biennale in Venedig als offizieller Beitrag Hongkongs besichtigt werden können.

P: Spät, aber nicht zu spät.

AF: Hsieh lebt heute mit offizieller Aufenthaltserlaubnis weiterhin in New York und hat der Kunst abgeschworen. „I no longer feel creative. I don´t want to do what the art world expects me to do. This is my exit. This is my freedom.“

P: Meint er das ernst?

AF: Das ist anzunehmen, weil es ihm bei allem, was er tut, sehr ernst ist. Er betrachtet sich als zum Leben verurteilt und hat dieses Urteil auch angenommen, aber auf seine Weise. Er unterzieht sich und damit dem Leben einigen harten Proben, die man sich als normaler Mensch kaum ausdenken, geschweige denn aushalten würde. Daraus entstehen dann die verstörenden Performances, von denen wir nun zwei in Venedig präsentiert bekommen. Dabei kommen sie ganz undramatisch und harmlos daher.

P: Wie soll man das verstehen? Ist der Künstler in Venedig bei seiner Arbeit zu beobachten?

AF: Das könnte man keinem Besucher zumuten. Die beiden Arbeiten, die hier vorgestellt werden, haben zwei Lebensjahre verbraucht. In dem einen Fall (Time Clock Piece) unterwarf sich Hsieh einer Stechuhr, mit der er ein ganzes Jahr lang seinen Alltag strukturierte, im anderen lebte er ein ganzes Jahr lang auf den Straßen und Plätzen von New York, ohne je einen überdachten Ort aufzusuchen (Outdoor Piece).

P: Was gibt es da für die Besucher zu sehen?

AF: Es gibt einen großen Raum, in dem uns vermittelt wird, wie die Zeit unter dem Diktat einer Stechuhr verlief. Der Künstler hatte gelobt, diese Uhr zu jeder vollen Stunde eines Tages, also 24 Mal zu betätigen, und das ein ganzes Jahr lang. Das Ergebnis dieser Zerstückelung von Lebenszeit können wir besichtigen. Es gibt die zu jeder vollen Stunde aufgenommenen Schwarzweiß-Aufnahmen von Hsieh neben der Stechuhr und die täglich erzeugten Stempelkarten mit den gesammelten Ausstanzungen, sehr dekorativ als Tapete an den Wänden. Keine der Aufnahmen strahlt Fröhlichkeit aus. Es sollte nicht den geringsten Zweifel an der Echtheit der Performance geben. Von den insgesamt 8760 möglichen Betätigungen der Stechuhr hat er 133 verschlafen oder sonstwie versäumt. Das ist alles dokumentiert und mit Unterschriften von Dritten bestätigt.

P: Das ist Sklaverei, das ist Folter, absurdes Theater.

AF: Aber er hat es freiwillig und bewußt auf sich genommen. Die Umstände seiner Entscheidung kennen wir nicht. Aber als Dreißigjähriger hatte er wohl schon einige Lebenserfahrung, die ihn bewog, sich auf diese extrem absurde Weise mit der Zeit, seiner gelebten Zeit auseinanderzusetzen. Mit dem Material dieser akribisch dokumentierten Arbeit kann man die Performance von damals nun jederzeit und an jedem belieibigen Ort wieder erstehen lassen und die Zuschauer zum Nachdenken animieren.

P: Was ja in den letzten Jahren auch mehrfach geschehen ist. Inzwischen hat Hsieh ja schon so etwas wie einen mythischen Status. Dabei gehen seine  Deuter gern über das hinaus, was Hsieh selbst sagt. Wenn ich es richtig verstehe, handelt es sich bei seinen Arbeiten in erster Linie um ganz persönliche Auseinandersetzungen mit der eigenen Lebenszeit und keine politisch aufgeladenen Botschaften.

AF: Aber es hat  wohl auch mit den Erfahrungen zu tun, die wir alle machen. Seit es Uhren gibt, glauben wir, dass alles um uns herum ihrem Diktat unterworfen werden kann. Dabei richtet sich Leben, auch unseres, nicht unbedingt nach der Uhr.

P: Wie Hsieh mit seiner Performance auf absurde Weise verdeutlicht. Er stellt das Leben auf die Probe, allerdings unter Bedingungen, die nicht natürlich vorkommen und an Absurdität nicht zu überbieten sind.

AF: Wir Menschen haben es mit dem Glauben an das Diktat der Zeit und an ihre unvermeidliche Beschleunigung schon ziemlich weit gebracht, nicht nur mit uns selbst, auch mit der Natur, mit Tieren und Pflanzen.

P: Hsieh hat seinen Ausstieg aus dem Kunstbetrieb erklärt. Sein No-Art-Piece ist wohl das letzte Kunststück, mit dem er uns zum Nachdenken über uns und unser Verständnis von Freiheit bewegen will.

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Ask your body oder lohnt es sich zu fragen?

AF: Ich war nach längerer Zeit mal wieder in einer Kirche. In der Kirche des Heiligen Samuel neben dem Palazzo Grassi.

P: Um zu beten?

AF: Um meinen Kunstsinn auf die Probe zu stellen. Ich habe mir dort Plastiken eines kanadischen Künstlers angesehen. Evan Penny heißt er und wird zugleich mit Carole Feuerman, Ron Mueck und Maurizio Cattelan genannt, wenn man sich bei Google schlau macht. In dieser Kirche waren also menschliche Körperteile zu sehen, hyperrealistisch und übernatürlich groß. Daneben ein Kruzfix, das sich dagegen recht bescheiden ausnahm.

P: Das hört sich gar nicht erbaulich an.

AF: Ask your body. Das ist die Aufforderung der Ausstellung. Also habe ich angesichts dessen, was meine Augen wahrnahmen, meinen Körper gefragt. Aber die Antwort wird nicht allen gefallen.

P: Und dir?

AF: Auch nicht. Mein Body hat reagiert, als hätte ich ihn in eine Fleischfabrik mitgenommen, wo man Rinder- und Schweinehälfen am Fließband zerlegt, damit die karnivoren Konsumenten keinen Mangel leiden müssen.

P: Du willst doch nicht Vegetarier werden?

AF: Dazu gehörte schon mehr als ein Brocken Kunstharz, der wie ein blutleeres Stück Fleisch an einer Kette vor deinen Augen baumelt. Es geht in dieser Ausstellung wohl weniger um Fressen und Gefressenwerden, eher um unsere Leidensfähigkeit. Da steht ja neben dem hängenden Fleischbrocken noch ein Kruzifx aus dem Bestand der Kirche. Aber auch dabei bin ich wohl auf eine falsche Spur geraten. Mir ging durch den Kopf, dass in dem Kunstharz nicht einmal Kleinstlebewesen überleben würden, dann schon eher in dem Kruzifix, das einigen Holzwürmern Nahrung bieten könnte.

P: Wenn das Kruzifix aus Holz ist.

AF: Ja, wenn…

P: Und wenn nicht?

AF: Na wenn schon.

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Eine goldene Dauer-Erektion

AF: Auf dem Campo S. Vio ragt seit der Eröffnung der Biennale eine goldschimmernde Skulptur in den Himmel, und man tut ihr kein Unrecht, wenn man sie als goldene Dauer-Erektion wahrnimmt, die uns bis in die nebligen Novembertage erhalten bleiben soll.

P: Solche Hingucker braucht die Biennale.

AF: Es gibt da noch einen Hingucker, an dem sich die Fotografen und Medien ebenfalls abgearbeitet haben.

P: Ich habe auch nachgelesen, was es mit dem über 20 Meter hohen Turm auf sich hat. Der Schöpfer James Lee Byars hat sich das Werk schon vor über 40 Jahren ausgedacht und ist inzwischen verstorben.

AF: Aber sein kulturelles Erbe für diese Stadt lebt in dem realisierten Kunstwerk weiter. Als Monument to Humanity, wie uns die Kuratoren erklären.

P: Da brechen für die Humanity ja goldene Zeiten an.

AF: Jaja, auch innere Erleuchtung, Weisheit und Spiritualität, Größe und Göttlichkeit sollen durch das Edelmetall, in das die Skulptur gehüllt ist, an den Betrachter vermittelt werden.

P: Ob dieser Funke der Erleuchtung und Weisheit auch auf die Menschen überspringt, die im Vorbeikommen ihr Smartphone zücken und wenigstens das Bild dieses Monuments mitnehmen können?

AF: Sie werden sich ihr Teil dazu denken.

P: Das Verborgene oder das Offensichtliche?

AF: Das sollten wir ihnen überlassen.

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Etwas fürs Poesie-Album

P: Du hast noch einen anderen Hingucker erwähnt.

AF: Es gibt in der Nähe der Rialto-Brücke die helfenden und heilenden Hände des US-Künstlers Lorenzo Quinn, nicht zu verwechseln mit Marc Quinn, der 2012 mit der aufblasbaren Nackten auf der Insel S. Giorgio für Aufsehen gesorgt hat. Man sieht zwei blasse Arme und Hände, die aus den Fluten des Canal Grande auftauchen und einen Palazzo stützen.

P: Ist der Palazzo wirklich bedroht?

AF: Nicht mehr als die anderen Bauwerke am Canal Grande. Es geht dem Künstler ja um mehr.

P: Nämlich?

AF: Es geht ihm um die ganze Welt. Die Mahnung, dass wir es in der Hand haben, auch den Klimawandel zu bändigen.

P: Wenn er das doch seinem Präsidenten in Washington vermittelt hätte.

AF: Er hat auch bei seinen früheren Versuchen, die Menschheit auf den richtigen Weg zu bringen, nicht den gewünschen Erfolg gehabt.

P: Du denkst an den Panzer und die Soldaten, die man 2011 auf einem Ponton vor der Insel S. Servolo arrangiert hatte. Da waren ebenfalls schon Riesenhände im Spiel. Seine Botschaft damals: This is not a game!

AF: Da hat er doch das Beste gewollt, was uns passieren kann: Frieden. Im Unterschied zur Kunst haben große Pläne und Versprechungen in der Politik meinstens unangenehme Folgen, wenn sich die Protagonisten verkalkuliert haben. Als Künstler darf man oder soll man auch das Unmögliche wollen und das Undenkbare denken. Selbst wenn daraus nichts wird, passiert ihm nichts oder kaum was. Der Panzer von S. Servolo wurde fortgeräumt und stand danach noch einige Jahre am Canale Scomenzera auf einem Platz für gewerblichen Müll und wartete auf den Abtransport.

P: Wozu ist Kunst überhaupt gut?

P: Sie muss sich vor allem in acht nehmen, dass sie nicht in die Kitsch-Abteilung abgleitet. Die helfenden Hände, die da aus dem Wasser auftauchen, werden den Klimawandel nicht aufhalten. Aber sie sind gut genug fürs Poesie-Album von  Weltverbesserern.