Dies ist eine Erfolgsgeschichte

Jeden Abend Botschaftsdinner (Foto R.W.)

Jeden Abend Botschaftsdinner  mit Gästen (Foto R.W.)

Performing Architecture. Was kann damit gemeint sein? Da hilft die gedankliche Verknüpfung mit der diesjährigen Architektur-Biennale in Venedig, wo es im deutschen Pavillon heißt: Making Heimat. Germany, Arrival Country. Nach Lage der Dinge darf man dies eher als wünschenswerte Utopie verstehen und weniger als Realität. Oder doch nicht?

Hier kommt das Goethe-Institut ins Spiel. Der Beitrag „The Veddel-Embassy: Representing Germany“ , der als Performance die gelebte Wirklichkeit in einem Hamburger Stadtteil zum Thema hat, wo Menschen aus den verschiedensten Weltteilen zusammenleben , ist als Ermutigung zu verstehen, dass die Integration von Migranten keine unlösbare Aufgabe ist.

Das Besondere an diesem Projekt: Auf Einladung des Goethe-Instituts waren 50 Männer, Frauen und Kinder aus ihrem Stadteil Veddel nach Venedig gekommen und spielten wie auf einer großen Bühne vor, wie sie es mit Hilfe von Künstlern und wohlgesinnten Organisationen, aber auch aus eigenem Antrieb geschafft hatten, einen etwas problematischen Stadtteil Hamburgs zu einem lebenswerten Ort umzugestalten, in dem man sich gegenseitig respektiert und hilft, wie in einer Dorfgemeinschaft. Heute ist Veddel so etwas wie ein Vorzeigebeispiel für gelungene Migranten-Integration, an dem auch die Organisatoren der Performance, Björn Bicker, Michael Graessner und Malte Jelden nicht ganz unschuldig sind, da sie in den vergangenen Jahren mit anderen Institutionen den Menschen sozusagen spielerisch beigebracht haben, sich miteinander und mit ihrer Umgebung auseinanderzusetzten und sich zu behaupten. Merkwürdig nur, dass in dem Stadtteil fast 5000 Menschen aus 25 Nationen zusammenleben, aber kaum noch Menschen deutscher Herkunft zu finden sind.

Man war als Besucher in der Chiesa della Misericordia, die als Bühne und Begegnungort eingerichtet war, willkommen und konnte beobachten und miterleben, was alles zu diesem Gelingen auf der Veddel beigetragen hat und als Beispiel für andere Projekte dienen kann. Sprachkompetenz, Bereitschaft zur Konfliktlösung, Umgang mit unterschiedlichen Kulturen und Religionen, Offenheit und Informationsaustausch mit den Menschen und Organisationen vor Ort, Spielen, gemeinsames Musizieren und Essen. So gab es jeden Abend zur festgelegten Zeit ein Botschaftsdinner für die Akteure und alle Gäste, zubereitet und serviert von den Akteuren, die hier die Rolle perfekter Gastgeber spielten und damit die nachhaltigste Wirkung erzielten, weil das gemeinsame Essen seit jeher als Ausdruck gegenseitiger Achtung verstanden wird.

Im Unterschied zu einem Theaterstück spielten die Akteure hier ihr eigenes Stück und damit sich selbst. Die Bühnenausstattung sorgte dafür, dass die Veddel immer präsent blieb, mit den Menschen und den Orten. Man sah Videos von der Insel und den Interieurs. Und überlebensgroße Fotos von einigen der Botschafter. Die Akteure waren Botschafter und gleichzeitig die Botschaft selbst. Dabei erlebten sie so etwas wie eine Selbst-Vergewisserung ihrer Rolle, die sie gerade auf der Bühne in Venedig spielten, und der Rolle, die sie sich im Norden Deutschlands in ihrer zweiten Heimat erarbeitet und erkämpft hatten. Wenn sie nun wieder den anspruchvollen Titel Botschafter abgelegt haben und der Alltag von Veddel sie eingeholt hat, bleibt ihnen die Erinnerung an das, was sie für sich, die Gemeinschaft im Stadtteil und für ihre neue Heimat erreicht haben und hoffentlich viele Nachahmer finden wird.

Bei der Zubereitung des Botschaftsdinners helfen alle mit (Foto R.W.)

Bei der Zubereitung des Botschaftsdinners helfen alle mit (Foto R.W.)

Teddy war in den 80er Jahren Hausbesetzer in der Hafenstraße und lebt jetzt in Veddel, als einer der wenigen Deutschen (Foto R.W.)

Teddy war in den 80er Jahren Hausbesetzer in der Hafenstraße und lebt jetzt in Veddel, als einer der wenigen Deutschen (Foto R.W.)

... und nach dem Nachtisch app ins Clouditorium (Foto R.W.)

… und nach dem Nachtisch app ins
Clouditorium (Foto R.W.)

 

www.goethe.de/performingarchitecture