Warten auf Mosee…

Die Fahrrinne für Kreuzfahrtschiffe vor Lido (Foto R.W.)

Die Fahrrinne für Kreuzfahrtschiffe von der  Seeseite aus gesehen (Foto R.W.)

Der Sommer geht still zu Ende. Die Zufahrt für die Kreuzfahrtschiffe schimmert blau. Zur Zeit sind keine unterwegs. Ist wohl nicht ihr Tag. Im Hintergrund ahnt man die Baustelle für das Flutwehrsystem Mose, auf der inzwischen seit fast 30 Jahren gearbeitet wird. Mal mehr, mal weniger. Es kommt auf die Launen der Politik an und die verschlungenen Wege, die das Geld genommen hat, das bisher für das Projekt bewilligt worden ist. Inzwischen ist von einer Summe in der Größenordnung von fünf Milliarden Euro die Rede. Der Termin für die Fertigstellung musste immer wieder verschoben werden. So werden die Venezianer auch in diesem Jahr wieder damit leben müssen, dass im Herbst das Hochwasser je nach Wetterlage den Markusplatz und große Teile der Stadt überschwemmt.

Mal wieder nichts mit Mose. Dabei fing alles so vielversprechend an, und der Name war so suggestiv. Hatte Mose nicht mit einer Handbewegung (und Gottes Hilfe) das Meer geteilt, damit das Volk Israel trockenen Fußes den Ägyptern entkam, und kurz darauf mit dem gleichen Trick die Verfolger ersaufen lassen? Langlang ist´s her, 3000 Jahre und mehr. Das Wunder will sich nicht wiederholen, obwohl doch schon mancher die Hand aufgehalten hat. Wenn man genau hinschaut, haben die Erfinder des Projekts sich von Anfang an ein Schlupfloch offen gehalten. Mose ist ein Akronym für etwas ganz anderes: Modulo Sperimentale Elettromeccanico. Da wird kein Wunder versprochen, sondern nur experimentiert. Das einzig Zuverlässige sind immer noch die Gummistiefel, die die Venezainer demnächst wieder hervorholen werden, ganz wie es der einstige Bürgermeister Cacciari empfahl.