Kamikaze ist keine Option

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Den Corriere della Sera kennt man als seriöses Blatt. Wenn dort zu lesen ist, dass an die 5000 junge Menschen aus Europa, darunter mindestens 50 aus Italien in der Terrororganisation des sogenannen Islamischen Staates ihr Lebens- und Sterbensglück zu finden hoffen, indem sie sich als Märtyrer ein Ticket für das Paradies sichern, so ist das gewiss ein Grund zur Beunruhigung für die europäischen Sicherheitsorgane und zur Betroffenheit für alle Mitmenschen. So weit, so schlimm.

Dann stößt man beim Weiterblättern auf den Lokalteil von Venedig und Umgebung und wird noch einmal mit der Nachricht konfrontiert. Diesmal ausführlich und personalisiert. Unter der Überschrift „Meriem pronta a fare la kamikaze“ und dem Bild eines schüchtern lächelnden Mädchens mit Halskettchen bekommen wir geschildert, wie dieses Mädchen sich radikalisierte und nun nichts sehnlicher wünscht, als Ungläubige hinzurichten. In dem Beitrag wird zudem suggeriert, es sei nun jederzeit damit zu rechnen, dass die inzwischen 20jährige nach Padua zurückkommt, um ihren Schwur einzulösen. Die vorauseilende Reaktion der Sicherheitskräfte: ein Haftbefehl für den Fall der Einreise.

Das alles wird dargestellt, wie man wohl auch über Jugendliche berichten könnte, die sich auf bestimmten Gebieten durch besondere Leistungen hervortun, zum Beispiel im Sport oder der Musik. Nur haben wir es hier nicht mit einer solchen Option zu tun, sondern der monströsen Verwandlung eines jungen Menschen in einen fanatisierten Feind unserer abendländischen Kultur und wissen nichts Besseres, als eine reißerische Story daraus zu machen, die im schlimmsten Fall Nachahmer finden könnte. Dabei wäre es doch auch vorstellbar und wünschenswert, solche Stories zu verhindern, indem man in der Familie und im Umfeld der Heranwachenden hellhörig bleibt und rechtzeitig gegensteuert.