So tief, so seicht sind Venedigs Wasserwege

Auch heur ist für Nachwuchs gesorgt (Foto R.W.)

Auch heuer ist für Nachwuchs gesorgt (Foto R.W.)

Auf den Stadtplänen Venedigs erkennt man unschwer die Hauptverkehrsstraßen, über die Waren und Menschen an ihr Ziel gebracht werden: den Canal Grande, der sich durch die Stadtteile schlängelt, und den Giudecca Kanal, der so tief ausgebaggert wurde, dass er auch für Kreuzfahrtschiffe passierbar ist.

Dann sind da hunderte kleine und kleinere Kanäle, die alle miteinander verbunden sind. Sie alle sind dem Wechsel von Flut und Ebbe ausgesetzt. Mit der Folge, dass sie bei Hochwasser über die Ufer treten und bei Ebbe fast kein Wasser führen. In beiden Fällen ist das Fortkommen für Boote erschwert. Entweder man bleibt unter Brückenbögen hängen oder man liegt fest auf dem verschlammten Grund des Kanals. Das läßt sich besonders gut beobachten an den ganz kleinen Kanälen, die gelegentlich als Diminutiv vorkommen. Sie heißen dann Riello (was auf Deutsch wohl Kanälchen heißen würde) und werden überwiegend für den ruhenden Verkehr genutzt. Das heißt für Boote, die an beiden Seiten des Kanals festgemacht sind und meistens nicht so aussehen, als würden sie noch oft bewegt. Das its besonders gut zu beobachten auf dem Riello in Castello, der als Verbindung zwischen dem Rio di S. Ana und dem Rio delle Vergini entlang der Arsenal-Mauer dient. Durchkommen ist hier eine Herausforderung, der man nur mit Geduld und Geschick gewachsen ist. An den beiden Ufern geht es unaufgeregt zu. Es gibt keine Shops, dafür allerlei Wäscheleinen, die quer über den Riello gespannt sind. Ein Zeichen dafür, dass hier noch gelebt wird. Auf der einzigen Brücke kann es vorkommen, dass die Leute auf den Stufen für einen kurzen Plausch verweilen, wenn sie sich kennen, oder ratlos nach Hinweisen suchen, wie sie von hier weiterkommen nach San Marco oder nach S. Pietro, und sich so als Touristen verraten. Seit Jahren kommen im Frühling auch wieder die Schwalben hierher, die unter dem überdachten Teil des Ufers nisten und ihren Nachwuchs aufziehen.