Ein (H)ort für Wissbegierige

Palazzo Barbarigo am Canal Grande (Foto R.W.)

Palazzo Barbarigo am Canal Grande (Foto R.W.)

Das Deutsche Studienzentrum in Venedig beherbergt nicht nur Stipendiaten, die sich mit der Geschichte und Kultur Venedigs befassen, sie versammelt gelegentlich auch Historiker aus aller Welt, die sich über das immaterielle Erbe der Lagunenstadt gebeugt und alte Dokumente studiert haben, um uns Nachgeborenen ein facettenreiches Bild vom Leben und Treiben der damaligen Großstadt und Republik Venedig zu vermitteln. So geschehen Anfang März während einer dreitägigen Konferenz im Palazzo Barbarigo am Canal Grande.

Da ging es um die Handelsbeziehungen Venedigs mit Europa und dem Orient, um Produktion und Vertrieb von Luxusgütern, um Patentrechte, Produktqualität und Markenpflege. Drei Tage lang referierten Wissenschaftler aus Italien, Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und England über die Produktions- und Marktbedingungen vom 13. bis zum 16. Jahrhundert. Schon die Abschlußvorlesung am ersten Konferenztag, zu der auch Freunde des Instituts eingeladen waren, ließ erahnen, wie spannend so ein Blick zurück in die Geschichte sein kann. Man erfuhr – unter anderem – , dass Venedig schon 1474 ein Patentgesetz erlassen hatte, mit dem die Erfindungen der Handwerker geschützt werden sollten, und dass die Royals des Osmanischen Reichs auf manche Luxusgüter made in Venice geradezu verrückt waren.

Wer heute etwas desillusioniert in die Schaufenster blickt, in denen Muranoglas gestapelt ist, bekommt ein ganz anderes Bild von der Glasbläserkunst vermittelt, wenn man die verschlungenen und lukrativen Geschäftsbeziehungen jener Jahrhunderte studiert. Da war es wahrscheinlich gar nicht mal hochgestapelt, wenn der Referent des Abends, Luca Molà vom Istituto Universitario Europeo, Venedig als einen Ort der Innovationen schilderte, der den globalen Markt jener Zeit mit immer neuen Kreationen bediente und bezauberte.

Nach diesem Vortrag bekam man eine Ahnung davon, wie die Patrizier Venedigs es schafften, geradezu unermeßlich Reichtümer anzusammeln. Sie entwickelten Qualitätsprodukte mit Prestigewert, die jeder haben wollte, der es sich leisten konnte, angefangen bei Textilien bis zu Lederwaren, Schmuck, Pflegeprodukten, Büchern, Genußmitteln. Sie verbesserten und erfanden Produktionsverfahren, unter anderem so etwas wie die verlängerte Werkbank für Metallwaren in Syrien, und pflegten ihre Kundenbeziehungen. Heute würde man sagen, sie verstanden sich aufs Marketing.

Doch wie das in der Geschichte immer wieder vorkommt: Das stolze und erfolgreiche Venedig der vergangenen Jahrhunderte gibt es nur noch als Erinnerung. Immerhin.