Gespräch über Bäume

IMG_3587IMG_3601

Auf dem Weg zu den Giardini (Fotos R.W.)

Das hatte sich der leicht verwilderte Garten mit Blick auf die Promenade, die in Erinnerung an die hingerichteten Partisanen des 2. Weltkriegs den Namen Riva Dei Sette Martiri trägt, wohl nicht geträumt. Aufgeräumt und herausgeputzt, mit einem Rasen, in dem kein anderes Kräutlein geduldet wird als kurzgeschorenes grasgrünes Gras. Auch die Pinien und Silberpappeln können sich nicht beklagen. Sauber abgezirkelte Baumscheiben, mit frischr Erde angefüllt, markieren den Ort ihrer Verwurzelung.

Wozu das alles? Sie haben Besuch bekommen. Aus dem Yorkshire Sculpture Park sind sechs baumartige Skulpturen angereist und haben sich unter die Bäume gemischt – zur stummen Zwiesprache sozusagen. Einige von ihnen können sich als ferne Verwandte betrachten. Sie sind zusammengesetzt aus Zedernholzelementen, andere sind aus Bronze oder Harz gegossen.

Nun stehen sie also da, die heimischen Pinien und die Besucher aus der Fremde, die sich den Anschein geben, als wären auch sie Bäume, die den vorbeikommenden Besuchern der 56. Kunstbiennale in Venedig etwas zu denken geben sollen.

Was man sich dabei denkt, bleibt jedem selbst überlassen. So kann man zum Beispiel an Bertolt Brecht denken, der 1934 im Exil das Gedicht An die Nachgeborenen geschrieben hat, in dem man lesen kann:

Was sind das für Zeiten, wo

ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist,

weil es das Schweigen über so viele Untaten einschließt.

Hier – aber auch anderswo – begegnet uns die diesjährige Kunstbiennale dezidiert politisch, selbst da, wo sie unpolitisch daherkommt. Der aufgeräumte und gepflegte Skulpturengarten bietet sich an als ein Ort, im dem man seine Gedanken sammeln und ordnen kann; auch solche, die uns quälen und beunruhigen, wie es denn nun weitergehen soll mit unserer schönen grausamen Welt.

Einige hundert Meter weiter sind die Nachgeborenen keineswegs schweigsam. Junge Künstler aus der Ukraine lassen uns wissen, wie hoffnungslos verfahren ihnen die Situation in ihrem Land vorkommt. Trotzdem haben sie ihren gläsernen Kubus „HOPE!“ getauft.

Glaspavillon „HOPE!“ am Anfang der Riva Dei Sette Martiri

Skulpturengarten mit Werken von Ursula von Rydingsvard im Giardino della Marinaressa

Yorkshire Sculpture Park (www.ysp.co.uk/ursulapress)