Mit Sirenen hochgerüstet

Mose 1 transportiert die Schleusenelemente an den Ort ihres Wirkens und positioniert sie zentimetergenau in die Scharniere tief im Wasser (Foto R.W.)

Mose 1 transportiert die Schleusenelemente an den Ort ihres Wirkens und positioniert sie zentimetergenau in die Scharniere tief im Wasser (Foto R.W.)

Auf dem Gelände des Arsenale ist bereits ein vollfunktionsfähiger Wartungsbetrieb für das Flutwehrsystem Mose eingerichtet, der inzwischen damit beschäftigt ist, die angelieferten Schleusen-Elemente zu den drei Zufahrten zwischen Adria und Lagune zu transportieren und sie dort in den vorgesehenen Scharnieren am Boden der Fahrrinnen zu installieren. Am Ende sollen es 78 Schleusen-Elemente sein, die sich vom Grunde der Fahrrinnen nach oben recken werden, um das aus der Adria andrängende Hochwasser daran zu hindern, die Lagune zu überfluten. So der Plan.

Zur Zeit sind von den 78 Elementen, die das Hochwasser auf einer Strecke von 1,6 Kilometern aufhalten sollen, erst 27 installiert. Für diese Aufgabe hat man eine spezielle Fähre konstruiert, die die tonnenschweren Elemente transportieren und vor Ort montieren kann. Mit der gleichen Fähre wird übrigens auch der Austausch der Schleusen-Elemente bewerkstelligt, die in regelmäßigen Abständen gewartet werden müssen, um „gelenkig“ zu bleiben. Nun bleibt die Fähre mit ihrem leuchtend gelben Gestänge bis auf weiteres untätig, weil die aus Rom zugesagten Geldmittel wieder einmal nicht fließen wollen. So wurde der Termin für die offizielle Inbetriebnahme des Flutwehrsystems – wieder einmal – um ein weiteren Jahr verschoben.

Da kann man gut verstehen, dass die für das Monitoring der Wasserstände zuständige Behörde wenigstens das Alarmsystem für extremes Hochwasser auf den neusten Stand der Technik gebracht hat. In der historischen Stadt und auf den umliegenden Inseln sind in Kirchtürmen und öffentlichen Gebäuden 24 Sirenen installiert, die ihr synchrones Geheul anstimmen, sobald der zu erwartende Wasserstand die Marke von 100 cm übersteigen soll. Bei einem langanhaltenden Heulton wissen die Venezianer, das Wasser wird die Marke von 110 cm erreichen, und mit jedem weiteren Anstieg der Tonfrequenz steigt auch das Hochwasser. Bei 140 cm geht den Sirenen die Puste aus. Trockenen Fußes ist dann in ganz Venedig kein Fortkommen mehr. Nur für die, die mit Gummistiefeln handeln, sind die Sirenenklänge Musik in den Ohren.