Lohn der Vergesslichkeit

IMG_2931

Die Verkehrsfläche der Riva degli Schiavoni gehört zu den begehrtesten und teuersten, die man für den Betrieb eines Straßencafés in Venedig mieten kann. Da stimmt alles. Die Lage, der Blick auf das Treiben im Bacino, die Menschenmengen, die auf dem Weg zum Markusplatz vorbeikommen. Alles beste Voraussetzungen für ein gutes Geschäft, auch für das Caffè Internazionale, das sich hier auf 144 Quadratmetern ausgebreitet hat.

Für die Nutzung hat man schon 1992 die Genehmigung der Stadt erhalten. Allerdings gibt es da einen Haken. Eine unbefristete Nutzung wurde nur für 64 Quadratmeter erteilt, eine weitere – befristete – für 80 Quadratmeter lief bereits nach einem Jahr ab. Was tun? Man beantragte eine Verlängerung. Keine Reaktion der Stadtverwaltung. Man wartete und wartete und vergaß schließlich selbst, dass man widerrechtlich eine öffentliche Verkehrsfläche bespielte.

18 Jahre später entdecken Kontrolleure, dass die Betreiber ihr Straßencafé ohne Genehmigung ausgeweitet haben. Der Betrieb wird verboten. Die Betreiber legen Widerspruch ein. Für die bisherige – widerrechtliche – Nutzung des öffentlichen Raums wird eine saftige Rechnung präsentiert, allerdings nicht allzu saftig, weil nur die Jahre ab 2007 berücksichtigt werden können. Die Jahre davor – immerhin 14 – sind verjährt. Auch gegen die Zahlungsaufforderung wird Widerspruch eingelegt. Mit Erfolg. Schließlich einigt man sich auf einen Betrag von zweihunderttausend Euro, etwa die Hälfte der ursprünglichen Forderung. Außerdem stellen die Betreiber den Antrag, das ausgesprochene Nutzungsverbot aufzuheben. Man will schließlich weitermachen wie bisher.

Man kann – wie es der Berichterstatter der Zeitung Venezia Nuova tut – den Kopf schütteln, wie schlecht die öffentliche Verwaltung funktioniert und sich Einnahmen entgehen läßt, man kann aber auch – und das ist eine Mentalitätsfrage – verwundert sein, dass die Betreiber des Cafés in 18 Jahren nicht einmal nachgefragt haben, wo die beantragte Nutzungsgenehmigung bleibt. Das Stillhalten hat sich für sie wohl gelohnt.