Muscheln satt!

Genießbar oder nicht? (Foto R.W.)

Genießbar oder nicht? (Foto R.W.)

Es gibt in Venedig kaum einen besseren Ort für das Schauspiel, wie Touristen so angst- wie lustvoll auf schwankenden Gondeln beim Be- und Entsteigen das Gleichgewicht zu verlieren drohen: die Anlege- und Umschlagstelle für Gondoliere neben dem Restaurant Monaco Grand Canal. In diesem Restaurant mit Aussicht auf die Dogana auf der anderen Seite des Kanals, wo seit einigen Jahren der französische Großindustrielle Pinault sein Privatmuseum unterhält, trifft man sich aber weniger, um das geschäftige Treiben der Gondolieri zu beobachten, schon eher, um sich erlesene Speisen servieren zu lassen.

Wie wär´s mit Muscheln und Meeresfrüchten, erntefrisch aus der Lagune? Der Küchenchef hätte es nicht weit, denn direkt unter der Terrasse seines Resaturants gibt es Muscheln satt, die sich im Laufe der Zeit an den ins trübe Wasser gerammten Pfählen angesiedelt haben. Immer wenn die im Wechselbad von Flut und Ebbe strapazierten Pfähle gegen neue ausgetauscht werden müssen, kommt die ganze Pracht des Unterwasser-Lebens ans Licht. Aber der Koch wird sich hüten, von diesem leckeren Angebot vor der Haustür Gebrauch zu machen. Er hat, zum Glück für die Gäste, noch andere Lieferanten. So werden sie nie erfahren, was ihnen hier erspart geblieben ist.