Is this the way to Benettown?

Der Fondaca dei Tedeschi wird zur Zeit umgebaut (Foto R.W.)

Der Fontego dei Tedeschi wird zur Zeit umgebaut (Foto R.W.)

Verlässt man die Anlegestelle San Marco, läuft man auf Harry’s Bar zu. Sein Besitzer hat es geschafft, das Etablissement als Kulturerbe einzutragen und so eine Umnutzung zu verhindern. Gegenüber das Restaurant Monaco & Gran Canal und die komplette Häuserzeile dahinter,  der sogenannte Ridotto, wo sich Venezianer einst beim Glücksspiel und später beim Kinobesuch vergnügen konnten, haben es auf dIe Liste der schützenswerten Kulturgüter nicht geschafft. Sie gehören vom Canal Grande bis zur Salizzada S. Moise zum Immobilienbesitz der Benettons. So zu lesen in einem Oktavheft der Reihe „Occhi aperti su Venezia“, das die Aktivitäten der Benetton-Gruppe kritisch darstellt und dafür den vielsagenden Titel „Benettown“ gewählt hat. Das Areal in unmittelbarer Nachbarschaft des Markusplatzes umfasst 12000 Quadratmeter und wurde während der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts zusammengekauft.

Doch es geht weiter. 2003 ging ein Hotel auf der Insel S. Clemente , 2008 der Fontego dei Tedeschi  an der Rialtobrücke in den Besitz der Benettons, nicht zu vergessen der Megastore bei S. Bartolomeo, wo man wie früher Pullover in allen Farben kaufen kann. Mit dem Areal rund um den Bahnhof S. Lucia ist es etwas komplizierter. Das Gebäude, in dem ursprünglich die Bahndirektion residierte, ging 1999 an die Società Grandi Stazioni, eine Gruppe von Unternehmen, die schon 13 Liegenschaften großer italienischer BahnHöfe bewirtschaftet. Mit 9000 Quadratmetern Grundfläche ist das neue Centro Commerciale S. Lucia das bislang  größte, das die Gruppe betreibt. Das Gebäude selbst wurde 2005 an die Regionalverwaltung Veneto verkauft, die dort bereits 2001 als Mieter eingezogen war. Die Società Grandi Stazioni, an der auch Benetton beteiligt ist, hatte es vor der Euro-Einführung für 70 Milliarden Lire erworben und bekam zehn Jahre später 70 Millionen Euro zurück.

Ein gutes Geschäft, nur für wen? Die Autorin Paola Somma sieht es so: „Je mehr Geld in die Stadt kommt, desto mehr Geld fehlt in den Kassen der Stadtverwaltung.“  Armes Venedig, an dem sich nur die Reichen  bereichern können.