The Eye of the Artist

Tàpies im Palazzo Fortuny (Foto R.W.)

Tàpies im Palazzo Fortuny (Foto R.W.)

The Eye of the Artist. So heißt die Ausstellung, die zeitgleich mit der Biennale im Palazzo Fortuny für den vor einem Jahr verstorbenen spanischen Künstler Antoni Tàpies eingerichtet wurde. In diesem Jahr wäre Tàpies 100 Jahre alt geworden. Er gehört zu den wichtigsten Vertretern der art informel. Der Begriff wurde in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts in Paris geprägt. Viele bekannte Künstler jener Zeit fühlten sich mit diesem Begriff richtig eingeordnet.

Dies ist kein Tàpies (Foto R.W.)

Dies ist kein Tàpies (Foto R.W.)

Tàpies hat in seinem langen Leben nicht nur gemalt, er hat auch gesammelt, was seine Kollegen so schufen: Max Ernst, Pablo Picasso, Joan Miró, Jannis Kounellis und andere. So eröffnet die Werkschau im Palazzo Fortuny auch einen Blick auf die zeitlichen Zusammenhänge und die wechselseitigen Beziehungen der Künstler jener Zeit. Nun hängen die geschaffenen und die gesammelten Werke von Tàpies einträchtig beieinander, großzügig verteilt an den Wänden der drei weitläufigen Etagen des Palazzo, die in ein schummeriges Licht getaucht sind und eine feierliche Ruhe ausstrahlen.

Der gotische Palazzo wurde vor einiger Zeit behutsam restauriert, ohne dass man seine Altersspuren hinter Gipskartonplatten zu verbergen suchte. Im Gegenteil, die Werke sind so geschickt gehängt, dass sie einen Dialog mit ihrer Umgebung eröffnen und überraschende Ähnlichkeiten offenbaren.

Möchte man sich nach der Andacht im Dialog mit den Bildern eine Pause gönnen, findet man bequeme Sitzgelegenheiten, von denen aus man die Tiefe des Raumes, die Anordnung der Werke und die unbehandelten Wände auf sich wirken lassen kann. Von der Hektik und Betriebsamkeit in den offiziellen Ausstellungsräumen der Biennale keine Spur.

Wer sich bis unters Dach vorgearbeitet hat, findet dort einen Bookshop und einen gediegen gestalteten Katalog zur Ausstellung. Einen besseren Tàpies für daheim findet man kaum. Der Internet-Auftritt des Palazzo Fortuny ist demgegenüber sparsam, ja geizig mit Bildern zur Ausstellung. Das will sagen: Hintern hoch und selbst hingehen.

fortuny.visitmuve.it