Von Verrückten keine Spur

Auf die Haltung kommt es an  (Foto R.W.)

Auf die Haltung kommt es an (Foto R.W.)

Unter den Augen des Königs Viktor Emanuel, der vor dem Hotel Danieli seinem Pferd die Sporen gibt, kann man das Vaporetto der Linie 20 besteigen und ist zehn Minuten später in einer anderen Welt. Die Insel San Servolo, wo mehr als 200 Jahre lang Geisteskranke festgehalten und behandelt wurden, ist jetzt ein Ort, den man jederzeit besuchen und wieder verlassen kann. Und wenn man sich das Touristengewimmel von dort aus ansieht, kann man leicht den Eindruck gewinnen, dass sich die Verhältnisse umgekehrt haben. Nicht auf San Servolo sind die Verrückten, sonden auf der anderen Seite des Bacino, wo sich die Massen vor dem Dogenpalast drängen.

Natur und Kunst vermählt (Foto R.W.)

Natur und Kunst vermählt (Foto R.W.)

Auf San Servolo, der Insel, die so grün und gepflegt ist, wie kaum ein anderes Stück Land auf der Lagune, geht man auf gepflasterten Wegen spazieren, bewundert die alten hochgewachsenen Bäume und die jungen, die jetzt voller Oliven, Kakipflaumen und Granatäpfel hängen. Eingestreut in das gepflegte Grün sind allerlei Kunstobjekte, die teilweise der aktuellen Biennale geschuldet sind und teilweise mit einer längeren Verweildauer rechnen können. In der Bar bekommt man einen guten Espresso, und wenn Gäste einer Konferenz noch da sind, geht es hier recht lebhaft zu. Sonst aber ist es hier sehr ruhig und beschaulich. Man hört und sieht den Vögeln zu, die sich in den Bäumen und an den Früchten zu schaffen machen, bewundert den Silberreiher, der stoisch auf einem Holzsteg meditiert, und man hält Meditation für eine akzeptable Lebensform. Entspannt wartet man auf das Vaporetto, das uns alle 30 Minuten wieder dahin bringt, wo das andere Leben ist, das Gedränge und Geschiebe von Tausenden, die wohl keinen Blick für das grüne Kleinod haben, das jenseits der stark frequentierten Fahrrinnen in der Lagune ein ganz anderes Venedig-Erlebnis bieten kann.

Das Werk der Buchsbaumzünzler  (Foto R.W.)  Ein Paradies ist auch diese Insel nicht. Die Buchsbaumzünzler haben es auch nach Venedig geschafft. Die gefräßigen Raupen des aus Asien eingeschleppten Schmetterlings haben ganze Arbeit geleistet.

Das Werk der Buchsbaumzünzler (Foto R.W.)
Ein Paradies ist auch diese Insel nicht. Die Buchsbaumzünzler haben es auch nach Venedig geschafft. Die gefräßigen Raupen des aus Asien eingeschleppten Schmetterlings haben ganze Arbeit geleistet.