Künstler als Mahner

Jedes Stück Müll hat einen Namen (Foto R.W.)

Jedes Stück Müll hat einen Namen (Foto R.W.)

Mit der Glorifizierung menschlicher und göttlicher Großtaten haben es die Künstler von heute nicht mehr so. Keine gewonnenen Seeschlachten, keine siegreichen Aufmärsche, keine Heroenporträts. Stattdessen betätigen sie sich gern als Mahner und erfinden immer neue visuelle Möglichkeiten der Horrorifizierung. Auf dem Gelände der Universität Ca Foscari wurden wir in diesem Sommer daran erinnert, wie gedankenlos wir tonnenweise unseren Plastikmüll ins Meer kippen, der nun im Pazifischen Ozean schon ganze Inseln bildet und der Meeresfauna dort schwer zu schaffen macht. Die Künstlerin Maria Cristina Finucci hat aus diesem Grund den Garbage Patch State ausgerufen, den Müllstaat, um uns zu mahnen und zu beschämen.

Im Arsenale können wir im italienischen Pavillon auf einer Fläche von 200 Quadratmetern über Backsteine laufen, die aus dem Schlamm geformt sind, der 1951 bei einer der schlimmsten Überschwemmungen im Podelta aufs Land gespült wurde. Insgesamt sind da 10000 Backsteine ausgelegt. Mit der Geschichte dieser Katastrophe befrachtet, sollen die Backsteine zugleich auf das Potenzial einer anderen Katastrophe hinweisen, die in Zukunft außerhalb der Erde droht, wo wir seit den 50er Jahren alle möglichen Satelliten in Umlauf gebracht haben. Wir erinnern uns an Sputnik 1.

In die 10000 Backsteine sind Bezeichnungen eingeprägt, die man zur Identifzierung der Teile verwendet, die nun als kosmischer Müll einige tausend Kilometer außerhalb der Gravitationszone über unseren Kopfen kreisen. Im Jahre 2006 wurden über 800 aktive Satelliten gezählt, die allerdings nicht allein ihre Runden um die Erde machen. Es gibt außer ihnen noch mehr als 20000 künstliche Objekte, ausgediente Satelliten, Trümmer und Schrott, die ihnen in die Quere kommen können. Das ist bisher nur sehr selten geschehen. Bemerkenswert ist die Kollision des russischen Satelliten Kosmos 2251, der schon außer Betrieb war,  mit dem Satelliten Iridium 33 aus den USA im Februar 2009.

Nun mag man sich fragen: Wozu die Aufregung? Das Gefahrenpotential scheint sehr gering zu sein,  Mensch und Tier sind nicht betroffen. Auf der Erde haben wir ja noch andere Probleme, die uns näher liegen. Doch wir sollten nicht unterschätzen, wie sehr wir schon von den Diensten der Satelliten und ihrer Funktionsfähigkeit profitieren; oder sollten wir sagen, abhängig sind? Wenn wir telefonieren, fernsehen, navigieren, die Wetterprognosen konsultieren, immer sind Satelliten beteiligt, ganz zu schweigen von den militärischen Aufgaben, über die man uns keine Einzelheiten verrät.

So bewährt sich auch hier wieder die Biennale als Lieferant von Geschichten. Diese haben wir Elisabetta Benassi und ihrer Installation The Dry Salvages zu verdanken.

 

http://viceversa2013.org/it/artisti-opere/elisabetta-benassi.php