Was heißt schon cool

Und das soll schwarz sein? (Foto R.W.)

Und das soll schwarz sein? (Foto R.W.)

Es gibt heutzutage Künstler, die rühren keinen Pinsel mehr an und quetschen auch keine Farbtuben aus. Soll man sie da noch Maler nennen? Immerhin ist einer von ihnen auf der Biennale mit großflächigen Bildern vertreten. Dieser eine, gebürtiger Amerikaner und von der Trinität des Kunstmarktes geschätzt, also von Kuratoren, Galeristen und Auktionatoren, hat es mit Druckern. Keine Sorge, sein Name fällt dann noch.

Es sind nicht die üblichen Drucker fürs Home Office, sondern sehr leistungsfähige Systeme mit allen technischen Raffinessen, die bis zu acht Farben miteinander mischen und zu Papier bringen können. Doch für das, was dieser Künstler – Wade Guyton – uns als Druckergebnis präsentiert, würde Otto Normalkonsument noch nicht mal einen Rahmen kaufen geschweige denn sechsstellige Dollarbeträge ausgeben. Dabei haben wir als Kunstkonsumenten noch in bester Erinnerung, wie wir gestaunt haben angesichts eines digital erzeugten Bildes von ungefähr sechs mal zehn Metern, das einst das Refektorium des Klosters auf San Giorgio schmückte und nun wieder an der Stelle hängt, wo Napoleon es entfernen und als Beutekunst nach Frankreich bringen ließ. Das Bild ist eine Kopie und vom Original, das immer noch im Louvre hängt, nicht zu unterscheiden.

Am Drucker kann es also nicht liegen, wenn Guyton uns mit Resultaten konfrontiert, die himmelweit entfernt sind von dem, was auf San Giorgio unsere Bewunderung verdient. Was ist da los? Sind Drucker auch nur Menschen, die so schlecht arbeiten, wie sie behandelt werden? Guyton ist ein cooler, ja extracooler Künster – vergessen wir nicht, was cool im amerikanischen Slang bedeutet: frech, unverfroren – , der uns als Clown an der Nase herumführt. Dabei hat er sich geschickt getarnt, kommt ohne rote Nase und ohne grell geschminkte Lippen daher, und auch die Schuhe sind keine Nummer zu groß. Doch auch das befreiende Gelächter , mit dem wir sonst die Performance eines Clowns belohnen, der sich nur zum Schein dumm angestellt hat, kann man sich sparen; denn bei den Preisen, die seine „mißlungenen“ Drucke auf dem Kunstmarkt erzielen, hat er alleine gut lachen. Cool, gell?

Wie nützlich wäre es, wenn wir ähnlich wie bei den diversen Gütesiegeln für Lebensmittel und alle möglichen Konsumartikel auch für die Kunst unserer Zeit ein Zeichen in Umlauf brächten:

XXC

extracool

Dann wüßten wir als Betrachter doch gleich: Hier haben wir es mit einem Werk der gegenstandslosen Kunst zu tun, denn bei dem Preis, den es erzielt hat, werden alle Fragen nach einem tieferen Sinn gegenstandslos. Vielleicht stelle ich bis zum Ende der Biennale eine Liste der Werke zur Diskussion, die dieses Coolness-Siegel verdienten. Möge die Schutzpatronin des Kunstmarktes Santa Pecunia für diese schwierige Aufgabe meinen Blick schärfen.