Spaniens doppelter Pavillon

Die Biennale steckt voller Geschichten und Merkwürdigkeiten. Hier ist eine, zu der noch der Schlüssel fehlt.

So kennen wir den spanischen Pavillon (Foto R.W.)

So kennen wir den spanischen Pavillon (Foto R.W.)

Den einen Pavillon kennt man. Am Eingang der Giardini vorne links. Den anderen findet man im Inneren des ersten. Unfertig. Granuliertes Baumaterial, aufgeschüttet zu Haufen unterschiedlicher Höhe, die wie Pyramiden zur Decke ragen. Ziemlich genau die Menge, die man seinerzeit für den Bau benötigte.

Das soll uns zu denken geben. Aber was? Das Ganze ist mehr als die Summe der Teile? Geschenkt. Ein bißchen Stärke, einige Spurenelemente und reichlich Wasser ergeben eine Kartoffel. Eine Leinwand auf Keilrahmen gespannt, einige Tuben Farben, Palette und Pinsel machen noch keinen Bellini.

Die Künstlerin Lara Almarcegui geht hier den umgekehrten Weg. Die Rückabwicklung eines existierenden Bauwerks. Das heißt, sie begnügt sich mit der Vorstellung. Das ursprüngliche Bauwerk bleibt unangetastet. Bis auf weiteres jedenfalls. Die Mahnung „Memento mori“, wird sie hier auch für Bauwerke in Erinnerung gerufen? Ist ja schon tausendfach vorgeführt worden. Ganze Städte in Trümmern, Monumente menschlicher Hybris wie bescheidene Behausungen, ohne Ansehen der Stile und Nutzungsmöglchkeiten.

Baustoff für einen neuen Pavillon (Foto R.W.)

Baustoff für einen neuen Pavillon (Foto R.W.)

Aber was soll der Film? Da sehen wir, wie aus den Abfällen, die bei der Arbeit der Glasbläser in Murano anfallen, nach und nach eine Insel geworden ist. Auf dem Schutt und den geschmolzenen Glasresten wachsen allerlei Pionierpflanzen. Es ist nicht zu befürchten, dass die Grundstoffe für den zweiten Pavillon am Ende der Ausstellung auf dieser Insel entsorgt werden. Dafür ist das Material zu sortenrein. Wertstoff im besten Sinne.