Wo gibt es einen guten Cappuccino?

Wenn ein Italiener Cappuccino bestellt, dann zum Frühstück, und das am liebsten mit einem frischen Croissant. Wenn dieser Italiener oder ein beliebiger Besucher Venedigs nach der besten Bar sucht, in der man zum Frühstück einen anständigen Cappuccino mit einem genießbaren Stück aus der Pasticceria serviert bekommt, kann er sich bei einem Blogger schlau machen, der seit einigen Monaten Venedig durchstreift, als anonymer Vorkoster sozusagen.

breakfastinvenice.wordpress.com

Dieser Blogger hat schon einige Dutzend Bars quer durch die Stadtteile Venedigs besucht und bewertet. Mit kritschen bis vernichtenden Urteilen zur Einrichtung und zur Qualität der Produkte, die ihm dort vorgesetzt wurden. Immer mit Bild der besagten Bar, dem Kassenzettel und einer Beschreibung des Erlebten. Zweisprachig. Auch das abschließende Verdikt, das in einem einzigen Wort zusammengefaßt wird, auf Englisch und Italienisch. Die dem Verdikt zugrundeliegenden Kriterien erschließen sich dem Leser nicht ohne weiteres. Was darf man sich unter einer schizophrenen Bar vorstellen, einer surrealen oder okkulten? Da kann man sich unter „terrible, pessimo“ schon mehr vorstellen. Ob schließlich bei einem Besuch des Etablissements die Erleuchtung kommt, sei dahingestellt. Jedenfalls sind die Anschriften ausführlich genug, dass man das angesteuerte Ziel nicht verfehlen kann.

Einige der genannten Bars – oder sollte man sagen der bloßgestellten? – haben wir im Laufe der Jahre auch schon selbst angesteuert, andere, die wir nach wie vor gern besuchen, fehlen in der Liste des Kritikers. Es ist nicht ersichtlicht, ob er nach einem bestimmten Plan vorgeht und wie lange er sich der Folter der ungenießbaren Croissants und mißlungenen Cappuccinos noch unterziehen wird. Schließlich hat er den Ausgang dieses Selbstversuchs schon vorweggenommen, wenn er den Leser darauf hinweist, dass nur eine kleine Minderheit der Baristen sich auf die Kunst der Zubereitung eines Cappuccinos versteht.