Giudecca als Hort der Künste

tukur1

Ulrich Tukur hat hier viele Fans (Fotos R.W.)

Giudecca ist in Venedig ein besonderer Stadtteil. Dabei kommt er – als siebenter Stadtteil – in der Aufzählung der Sestiere gar nicht vor. Doch tut man dort einiges, um nicht übersehen und vergessen zu werden. Mitte September fand in diesem Jahr zum dritten Mal die bunte Schau „LiberArti“ statt., und man gewann dafür auch Menschen, die nicht in diesem Stadtteil groß geworden sind, aber als Zugereiste gern hier leben. Da hatte man drei Tage lang Gelegenheit, das ganze Spektrum der künstlerischen Aktivitäten dieses Stadtteils zu erleben. Als Besucher hatte man den Eindruck eines großen Familienfestes.

Auch in der Kantine „Food&Art“, wo werktags Männer im Blaumann zu Mittag essen, tat sich was. Ulrich Tukur war angesagt. Und er kam dann auch mit Schifferklavier, Frau und Hund. Alles ganz locker und unprätentiös. Als er die Szene betrat, wurde er begrüßt wie ein alter Bekannter und wohlgelittener Nachbar. Kein Wunder, lebt er doch mit seiner Frau schon seit mehr als zehn Jahre in Giudecca unweit der Kantine, die an diesem Abend seine Bühne war. Gut gelaunt versprach er, 80 Lieder vorzutragen, vowiegend italienische, bei denen die Anwesenden bitte mitsingen durften, und auch einspringen, sollte ihm der Text entfallen. Und so war es.Tukur intonierte auf dem Akkordeon eine Melodie, und schon begannen alle im Saal mitzusummen. Das heißt, nicht alle, es hatten sich auch einige Deutsche in den Saal verirrt. Gut zwei Stunden lange unterhielt und bezauberte Tukur seine italienischen Zuhörer, spielte, sang, improvisierte, scherzte und genoß den immer wieder gespendeten Beifall der Fans von 18 bis jenseits 80.

Am Ende waren es vielleicht nicht ganz so viele Canzoni, wie versprochen, und auch nicht durchweg italienische. Zwischendurch hatte Tukur auch deutsches Liedgut hineingemogelt. Doch selbst bei diesen Liedern konnten die Anwesenden mitsingen. Nach einem solchen Abend bleibt einem nur der hoffnungsvolle Seufzer, es dürfte ruhig öfter vorkommen, dass sich Menschen unterschiedlicher Sprache und Kultur so locker und einträchtig zusammenfinden und das Trennende – wenigstens vorübergehend – heiter ignorieren. W(H)eiter so!

tukurfanstukurfanswtukurfrau