Beim Lieblingsmetzger

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Unsere Lieblingsmetzger (Foto R.W.)

Auf der Via Garibaldi gibt es nichts, was es nicht gibt. Brot, Gemüse, Fleisch, Putzzeug, Briefmarken, Schrauben, Schuhe, Dessous, Buntstifte, Zigaretten, Lesestoff und vieles mehr. Bei den Lebensmitteln hat man die Auswahl zwischen mehreren Geschäften. Nach einigem Hin und Her haben wir auch unseren Lieblingsmetzger gefunden. Das heißt zwei. Beide verstehen ihr Handwerk. Es ist eine Freude, ihnen beim Hantieren mit den scharfen Messern zuzusehen. Wir richten es nach Möglichkeit so ein, dass uns der mit den wenigen Haaren bedient.

Wie man hier die Beziehung zu seinem Lieblingsmetzger pflegen kann, haben wir erlebt, als wir unsere Bestellung für Ostern besprachen, natürlich bei dem Metzger mit den wenigen Haaren. Wir waren die einzigen Kunden. Da drängte sich eine ältere Dame entschlossen an uns vorbei, zwei Tassen dampfenden Espresso auf einem Tablett vor sich her tragend. Der Metzger, der uns bediente, entschuldigte sich und rief seinen Kollegen, der wohl im Kühlraum beschäftigt war. Beide schlürften genussvoll den gespendeten Kaffee, bevor sie wieder zu ihren Messern griffen. Das Ganze lief ab wie ein eingespieltes Ritual. Keiner von beiden brauchte sich bevorzugt oder zurückgesetzt  zu fühlen.

Kann man sich eine vergleichbare Situation in Deutschland vorstellen? Der Kunde bringt seiner bevorzugten Fachverkäuferin an der Fleischtheke einen frisch gebrühten Kaffee mit und wartet, bis sie ihn getrunken hat, bevor er seine Bestellung aufgibt? Nicht ums Verr…