Kategorie-Archiv: Geschichte und Geschichten

Eine kleine Geschichte von Geld- und Schuldscheinen

Diese Automaten werden gegen neue ausgetauscht ( Foto RW)

Fahrschein gefällig (Foto R.W.)

Man muss schon recht gut zu Fuß sein, um Venedig genießen zu können. Zum Glück gibt es die öffentlichen Verkehrsmittel, die hier Vaporetti heißen, obwohl sie mit Vapore schon lange nichts mehr zu tun haben, sondern auf den Treibstoff Diesel angewiesen sind. Inzwischen ist sogar ein Hybridfahrzeug auf dem Canal Grande mit Strom unterwegs und wird außerhalb des Stadtgebietes auf dem Weg zum Flughafen auf Dieselbetrieb umgestellt. So sieht hier der Fortschritt aus. Weiterlesen

Was hat Schopenhauer in Venedig getrieben?

Dichterlesung im Studienzentrum (Foto R.W.)

Dichterlesung im Studienzentrum (Foto R.W.)

Der „Atlante Storico di Venezia“ ist ein sehr dickes Buch. In diesem Buch, das zur Geschichte Venedigs von den Anfängen bis heute immer etwas Bemerkenswertes zu erzählen weiß, findet man so gut wie alle deutschen Dichter und Denker erwähnt, die sich in dieser Stadt aufgehalten haben. Nur Arthur Schopenhauer kommt darin nicht vor, obwohl er Venedig im Jahre 1818 besuchte und sogar ein Empfehlungsschreiben Goethes an Lord Byron bei sich hatte, der zu dieser Zeit so etwas wie ein Star der venezianischen Gesellschaft war. Für Schopenhauer offensichtlich ein Grund mehr, von dem Empfehlungsschreiben keinen Gebrauch zu machen. Weiterlesen

Ganz schön ausgekocht

Der Küchenchef aus Eisenhüttenstadt erklärt seinen Gästen, was ihnen da vorgesetzt wird (Foto Petra Schaefer, dszv.it)

Der Küchenchef aus Eisenhüttenstadt erklärt seinen Gästen, was ihnen da vorgesetzt wird (Foto P Schaefer, dszv.it)

Die Einladung des Deutschen Studienzentrums in Venedig hatte es in sich und lockte ungewöhnlich viele Besucher in den Vortragssaal am Canal Grande. Dabei war es wohl weniger das Thema des Vortrags, das für einen vollen Saal sorgte, sondern auch der Nachsatz in der Einladung, in der „venezianische und brandenburgische Cichetti“ angekündigt wurden. Die Gäste kammen in doppelter Hinsicht auf ihre Kosten. In dem Vortrag, den der Direktor des Studienzentrums, Romedio Schmitz-Esser, in italienischer Sprache hielt, ging es unter anderem darum, dass der Kaiser Barbarossa, der während des dritten Kreuzzugs unterwegs nach Jerusalem ums Leben kam, würdig bestattet werden sollte und zu diesem Zweck vom seinem Koch zerlegt und gekocht wurde, so dass schließlich nur die Gebeine für eine ehrenvolle Bestattung übrig blieben. Weiterlesen

500 Jahre Ghetto? Kein Grund zum Feiern!

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Bei der Erinnerung an das Ghetto, das vor 500 Jahren in Venedig eingerichtet wurde, gibt es nichts zu feiern, sondern nur auf eine Tragödie hinzuweisen. So äußerte sich der Präsident der Jüdischen Gemeinde Italiens, Renzo Gattegna, in Rom in Anwesenheit des Bürgermeisters von Venedig und des Präsidenten der Region Veneto während der offiziellen Vorstellung des Veranstaltungsprogramms zur Erinnerung an das historische Datum. Weiterlesen

Ein (H)ort für Wissbegierige

Palazzo Barbarigo am Canal Grande (Foto R.W.)

Palazzo Barbarigo am Canal Grande (Foto R.W.)

Das Deutsche Studienzentrum in Venedig beherbergt nicht nur Stipendiaten, die sich mit der Geschichte und Kultur Venedigs befassen, sie versammelt gelegentlich auch Historiker aus aller Welt, die sich über das immaterielle Erbe der Lagunenstadt gebeugt und alte Dokumente studiert haben, um uns Nachgeborenen ein facettenreiches Bild vom Leben und Treiben der damaligen Großstadt und Republik Venedig zu vermitteln. So geschehen Anfang März während einer dreitägigen Konferenz im Palazzo Barbarigo am Canal Grande. Weiterlesen

Von Steinen und Stolpersteinen

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Was ist schon Großes von Venedigs Pflastersteinen zu berichten. Keiner hat ihr Gesamtgewicht berechnet. Dabei ist im Laufe der Jahrhunderte einiges zusammengekommen, was man aus Istrien herbeigeschafft hat, um die Gassen und Plätze Venedigs begehbar zu gestalten. Seitdem haben die Steine Millionen von Schuhsohlen über sich ergehen lassen. Sie sind nicht kleinzukriegen, wie man sieht.

 

Nun gibt es auch den einen oder anderen Stein, um den sich eine Geschichte rankt. Auf einen solchen hat uns jetzt ein neuer Reiseführer aufmerksam gemacht, der unseren Blick für das VERBORGENE VENEDIG schärfen will. Wenn man sich, den S.-Peter-Kanal überquerend, der gleichnamigen Kathedrale nähert, die einst die Amtskirche des Patriarchen von Venedig war, ist da ein gepflasterter Weg, der direkt zur Kirche führt. Da entdeck der aufmerksame Besucher inmitten der grauen Pflastersteine auch einen weißen. Einen einzigen.

 

Dieser Stein ist da nicht aus Versehen verlegt worden. Vielmehr markiert er den Punkt, an dem sich zu Zeiten der Serenissima der Doge und der Patriarch trafen, wenn es denn nicht zu vermeiden war, dass die weltliche und die kirchliche Macht etwas zu verhandeln und zu klären hatten. Der Doge hätte es als demütigend empfunden, wenn er bis zur Kirche des Patriarchen hätte gehen müssen, und dem Patriachen blieb es erspart, den Dogen bei seiner Ankunft im Boot begrüßen zu müssen. So wahrten beide ihr Gesicht. Ein Stein genügte, um diplomatische Verwicklungen zu vermeiden und ein Gleichgewicht der Macht zu erhalten. Mit dem Einzug Napoleons in die Lagunenstadt wurde alles anders. Der Doge wurde abgeschafft, der Patriarch in die Kirche des Dogen am Markusplatz versetzt. Da sitzt er bis heute. Der Stein ist von seiner beschwichtigenden Funktion erlöst.

 

Ganz anders verhält es sich mit den neuen Steinen, die gar keine echten Steine sind, aber als Stopersteine auch vor Venedigs Häusern zu finden sind, wo sie an die Deportation und Ermordung von Juden durch das Naziregime erinnern sollen. Die Venezianer und die Besucher werden es leicht veschmerzen können, dass der weiße Stein von S. Pietro in Vergessenheit geriet, während die Stolpersteine von Cannaregio bis S. Servolo uns immer wieder irritieren und in Erinnerungen rufen sollen, dass hier Menschen gelebt, deportiert und ermordet worden sind, nur weil sie Juden waren. Wie an anderen Orten auch sind die bis heute in Venedig verlegten Stolpersteine weit davon entfernt, das ganze Ausmaß der Verbrechen in Zahlen wiederzugeben. Ein als Google-Maps eingerichteter Stadtplan Venedigs weist auf die Orte hin, an denen solche Stolpesteine schon in das Pflaster eingearbeitet sind.

 

Das Deutsche Studienzentrum Venedig hat Anfang des Jahres für den Festakt anläßlich der Verlegung von fünf Stolpersteinen durch den Künstler Gunter Demnig einen würdigen Rahmen für das Ereignis geboten. www.dszv.it/de/events/…/stolpersteine-gunter-dem…

 

Siehe auch venedig-ebb.blogspot.com/…/wo-denn-genau-stol.. In dem Beitrag ist auch ein Hinweis auf google-maps enthalten.

 

Der Reiseführer VERBORGENES VENEDIG ist bei Edizioni Jonglez erschienen.

 

 

Neues Leben auf der Friedhofsinsel San Michele

Im Klostergarten wird wieder Wein gekeltert (Foto R.W.)

Im Klostergarten wird wieder Wein gekeltert (Foto R.W.)

Wer es sich in der Trattoria Corte Sconta im Sestiere von Castello gutgehen läßt, wird sich kaum Gedanken darüber machen, wie alt der Weinstock ist, dessen auslandendes Blätterdach ihm Kühlung spendet. Erst der Verein „Laguna nel bicchiere – le vigne ritrovate“ öffnete den Venezianern die Augen für den Weinanbau, der auf der Lagune eine lange Tradition hatte. Da erfährt man dann, dass der schattenspendende Weinstock schon über hundert Jahre alt ist und bis heute verwertbare Trauben der Sorte Tocai trägt. Weiterlesen

Der Wein, den einst die Dogen tranken

Das Weingut auf Mazzorbo hat Reben und Reben (Foto R.W.)

Das Weingut auf Mazzorbo hat Reben und Reben (Foto R.W.)

In den besten Zeiten der Serenissima labten sich die Dogen mit dem Wein der „goldenen“ Dorona-Trauben. Die auf den Inseln rund um die Stadt kultivierte Rebe geriet irgendwann in Vergessenheit und drohte vollends zu verschwinden. Im Jahr 2002 waren nur noch 80 Weinstöcke aufzutreiben, die den Grundstock für eine mühevolle Neuansiedlung der Dorona-Rebe auf einem Grundstück der Insel Mazzorbo bildeten. Weiterlesen

Alarmisten überall

Protest in der Maske des Pestdoktors (Foto R.W.)

Protest in der Maske des Pestdoktors (Foto R.W.)

Auch in Venedig bewährt sich Facebook als Brutstätte für Gruppen, die unzufrieden sind mit dem, was um sie herum geschieht. Sie organisieren dann Märsche durch die Sestiere, um auf den Verfall der Kultur aufmerksam zu machen, starten Aktionen gegen die Vorhängeschlösser an Brückengeländern, die dort als Liebesbeweise hingehängt wurden, protestieren gegen die Kreuzfahrtschiffe und manches mehr. Nicht alle Aktionen sind so nachhaltig wirksam wie die der Gruppe „No Grandi Navi“, die den Protest gegen die Kreuzfahrtschiffe in Venedig am Kochen hält. Für andere ist es schon ein Erfolg, wenn über sie ein Bericht in den Lokalblättern erscheint. Weiterlesen