Archiv der Kategorie: Kunst und Kultur

Ein Korallenriff am Canal Grande

Das Biotop, das ohne einen Tropfen Wasser auskommt (Foto R.W.)

Nein, das ist kein Beifang von einem Fischkutter. Auch nichts, was man achtlos ins Meer gekippt hatte und nun wieder mühevoll einsammeln musste. Was wir hier zu sehen bekommen, hat noch keinen Konsumprozess durchlaufen. Es ist vielmehr Plastikmaterial, das sozusagen ganz jungfräulich in die Hände eines Künstlers geriet, bevor es den üblichen Weg vom Hersteller über den Handel an den Verbraucher und von dort weiter bis zum Mülleimer durchlaufen hatte. Dieser Künstler hatte wohl im Sinn, ein Kunstprodukt herzustellen, das den Plastikprodukten eine völlig neue Rolle zuweist. Wie man unschwer erkennen kann, handelt es sich um eine Inszenierung, die den Betrachter an die Vielfalt des Lebens im Meer erinnern soll. Weiterlesen

Eine Entstehungsgeschichte des Lebens

Die lebenden Steine in Australien (Fotos R.W.)

Wir sind es gewohnt, die Geschichte der Menschheit nach Jahrtausenden zu berechnen. Dabei ist das Leben des einzelnen Menschen deutlich kürzer. Wenn es hoch kommt, sind es 80 Jahre, wie man schon im Buch der Bücher lesen kann. Daran hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn man sich gern vorstellt, es irgendwann in den Bereich der dreistellige Ziffer zu schaffen (koste es was es wolle). Doch nicht nur das unsere, alles Leben auf dem Planeten Erde ist endlich. Das ewige Leben muss sich in anderen Sphären abspielen, wenn überhaupt. Weiterlesen

Die Wahrheit über Leonardos Unterseeboot

In der Galleria der Accademia delle Belle Arti ist der Homo Vitruvianus zu sehen (Foto R.W.)

Zum 500. Todestag von Leonardo da Vinci hat man die nur selten gebotene Gelegenheit, die Federzeichnung des Homo Vitruvianus im Original zu sehen. Sie wird im Archiv der Accademia delle Belle Arti aufbewahrt und kann dort noch bis zum 14. Juli 2019 zusammen mit einigen Dutzend anderen Autografen Leonardos bewundert werden. Doch die Vorlage für ein U-Boot, mit dessen Hilfe die Serenissima Anfang des 16. Jahrhunderts im Krieg mit den Türken die osmanische Flotte hätte abwehren oder gar vernichten können, ist wohl nicht dabei. Weiterlesen

Gut gemeint – aber auch gut genug?

Hier sind wir auf der richtigen Seite der Mauer (Fotos R.W.)

Nicht alle von uns sind dazu ausersehen, Flüchtlingen, die im Mittelmeer zu ertrinken drohen, das Leben zu retten, und das oft unter Einsatz des eigenen Lebens. Helene Duldung wird uns das nachsehen. Doch irgendeine Einstellung zu den globalen Herausforderungen unserer Zeit wird uns abverlangt. Die Flucht von Millionen Menschen kann uns nicht gleichgültig sein, weil dabei auch Auswirkungen auf unser eigenes Leben unvermeidlich sind. Weiterlesen

Zweiter Versuch mit Jakobsleiter auf San Giorgio

Diesmal stimmt die Richtung: Vom Himmel hoch (Foto R.W.)

Es ist schon acht Jahre her, da hat der international erfolgreiche Künstler Anish Kapoor sich in Venedig mit einer seiner spektakulären Installationen in himmlische Gefilde gewagt. Während der Kunst-Biennale im Jahr 2011 sollten Besucher des von Palladio entworfenen Doms auf der Insel San Giorgio in den Genuss einer Himmelfahrt kommen. Ascension, so nannte sich Kapoors Veranstaltung. Nicht gerade so eine, wie man sie in der Frari-Kirche in dem Altarbild von Tizian vorgeführt bekommt, aber vielversprechend genug. Schließlich ragten Elemente der Installation bis unters Kirchendach und darüber hinaus ins Freie. Also durfte man gespannt sein, was es mit dieser Himmelfahrt auf sich hatte. Weiterlesen

Die Grenzen der Kunst

Erst Fischkutter, dann Flüchtlingschiff und jetzt Barca Nostra (Foto R.W.)

Satire darf alles. Das hat uns Kurt Tucholsky schon vor hundert Jahren eingeschärft. Inzwischen gibt es immer mehr Kunstschaffende, die diesen Anspruch auch für ihre Kunst geltend machen wollen. Also gut – die Kunst darf alles. Aber kann sie auch alles, was sie darf? Das ist die Frage, die man sich angesichts des Kutters stellen muss, der zu Beginn der Biennale auf einem Floß durch Venedig transportiert wurde. Weiterlesen

Zu spät, du rettest den Ruf nicht mehr…

Zu spät, du rettest den Ruf nicht mehr, um mit Schiller zu sprechen

Ach, dieser Bürgermeister von Venedig. Da lässt er zu, dass seine Ordnungskräfte den weltbekannten und öffentlichkeitsscheuen Künstler von der Uferpromenade vertreiben, wo seit undenklichen Zeiten viele venezianische Künstler mit ihren Staffeleien herumstehen und ihre Werke feilbieten, unter die sich auch dieser unbekannte Künstler gemischt hat, um einige seiner Werke zu präsentieren. Was geschieht? I vigili lo cacciano. Doch kaum haben die Ordnungskräfte ihre Pflicht erfüllt und Banksy fortgeschickt, da fällt dem Bürgermeister ein, ihn nach Venedig einzuladen. Zu spät. Weiterlesen

Ein gesunkener Fischkutter als Provokation

Als Vorgeschmack auf die Biennale bekamen Leser des Corriere della Sera diesen Fischkutter serviert (Bild Corriere)

In diesen aufregenden Tagen vor der Eröffnung der 58. Kunstbiennale in Venedig bekamen die Venezianer vor den historischen Kulissen ihrer Stadt ein Spektakel geliefert, das die meisten Zuschauer verwundert haben dürfte (und einige wohl auch befremdet oder sogar schockiert, selbst wenn sie noch nicht einmal als Zeugen des Spektakels dabei gewesen waren). Schließlich geht es um einen Beitrag zur Kunst, der als Provokation verstanden werden soll, aber auch als Aufforderung, unsere Vorstellungen von Mitmenschlichkeit einem Reality-Test zu unterziehen. Weiterlesen

Verspätungsalarm bei den Königlichen Gärten

Dauerbaustelle hinter den Prokuratien (Foto R.W.)

Es war im März 2018. Da haben wir aus der gleichen Perspektive ein Bild von der Baustelle aufgenommen, die sich Giardini Reali nennt. Siehe den Beitrag Countdown für die neuen Giardini Reali. Bei einem Vergleich mit dem Bild von heute stellt man fest: 1. Die Anlage ist für das Publikum noch immer nicht geöffnet. 2. Es sind mehr Baugeräte und Baumaterialien zu sehen als vor einem Jahr. Wir nehmen das als positives Zeichen, dass aus dem Projekt noch was werden kann.

Die Venice Garden Foundation, die sich um die Realisierung kümmert, hat auf ihrer Homepage noch immer das Jahr 2018 als Eröffnungsdatum  stehen. Wenigstens das könnte man wohl aktualisieren. Oder ist das zu viel verlangt?

Frag nach bei Yöti

Die Eröffnung der diesjährigen Kunstbiennale in Venedig lässt noch auf sich warten. Da kommt ein Vorspiel gerade recht, um die Zeit bis zum Mai zu überbrücken. Im Angebot ist eine Ausstellung im Arsenale mit einer Auswahl von Beispielen der Gegenwartskunst in diversen Disziplinen von Malerei bis Landart. Die Auswahl verdanken wir den Initiatoren eines internationalen Künstlerwettbewerbs, der in den dreizehn Jahren seines Bestehens viel Zuspruch gefunden hat. In der aktuellen Ausstellung sind 120 Künstler aus den verschiedenen Weltregionen vertreten, mehrheitlich aus Europa. Der Eintritt ist frei inklusive Veranstaltungen für Kinder und Gesprächsrunden mit eingeladenen Gastrednern zu ausgewählten Themen des Kunstmarktes. Weiterlesen