Archiv der Kategorie: Essen und Trinken

Aria fritta

Fast will es einem scheinen, als verginge kein Tag, an dem nicht irgendwo ein neues Buch über Venedig vorgestellt wird. Im ehrwürdigen Vortragssaal des Ateneo Veneto geschah dies in kurzer Folge schon zum zweiten Mal. Der Titel des zweiten Buches, das hier vorgestellt wurde, läßt schon ahnen, woher der Wind weht: “Quando c´erano i Veneziani” (Als es noch Venezianer gab). Und man wird nicht enttäuscht. Es geht um die Erinnerungen von einem Dutzend prominenten Venezianern reinsten Wassers (DOC, wie man hier gerne sagt), die mit ihrer Sorge um das Venedig von heute der Zustimmung aller Anwesenden – in der Mehrzahl ebenfalls Venezianer DOC in vorgerücktem Alter – sicher sein können. Weiterlesen

Bärwurz


Da bestellt man in einer Bar auf der Hauptstraße von Lido einen Espresso und sieht sich ganz beiläufig auch das Getränkesortiment im Regal an. Da ist etwas, das einen stört. Eine Steingutflasche mit einem Namen drauf, der hier exotisch wirkt. Bärwurz. In Frakturschrift.  Bärwurz hier? Der gehört doch in den Bayerischen Wald! Weiterlesen

Florian feiert auf San Marco

Florian feiert Geburtstag und hat dazu 500 Gäste auf den Markusplatz eingeladen. Florian? Ist das nicht der, wo der Espresso so unverschämt teuer ist? Ja der, oder besser das Caffè Florian, so genannt nach dem Gründer Florian Francesconi, der am 29. Dezember 1720 eine Bottega für den Ausschank des Türkentranks eröffnet, der die Geister wachhält und der in Venedig schon seit 1687 bekannt ist. So ist Francesconi auch keineswegs der Erste, der die Venezianer mit dem belebenden Heißgetränk erfreut. Um 1750 werden zwischen San Marco und Rialto knapp hundert Caffès gezählt. Das Florian hat überlebt, das Quadri gegenüber auch. Weiterlesen

Ausnahmezustand

005-2

Einmal im Jahr: Baden im Kanal (Foto R.W.)

Sechstausend Feuerwerkskörper erleuchten um Mitternacht den Bacino von San Marco. Das Wetterleuchten zwei Stunden vorher war nichts dagegen. Wie in jedem Jahr ist es der Höhepunkt des Erlöserfestes, das seit gut vierhundert Jahren immer wieder am dritten Juliwochenende Venedig in einen Ausnahmezustand versetzt. Da strömen die Leute in großen und kleinen Booten aus allen Richtungen herbei. In diesem Jahr sind es über hunderttausend, wie die Kommune berichtet. Weiterlesen

Sag mir, was du trinkst…

Im Sommer 2008 hatte der Bürgermeister von Venedig, Massimo Cacciari, einen Fototermin. Für eine Kampagne der kommunalen Versorgungsbetriebe ließ er sich beim Einschenken von Leitungswasser aus einer Karaffe ablichten. Das Foto prangte anschließend mehrere Monate an Ausstellungsflächen und Bauzäunen. Mit der Kampagne sollten die Venezianer von der Qualität des Wassers überzeugt werden, das in ihren Häusern und auf öffentlichen Plätzen aus den Wasserhähnen floß. Weiterlesen

Cicchetti in der Cantine del Vino

bottegon-vini1

Treffpunkt der Genießer in Dorsoduro (Fotos R.W.)

Die Cantine del Vino unweit der Gondelwerft in Dorsoduro gehört zu den meistbesuchten Weinprobierstuben Venedigs. Hier drängen sich während der Öffnungszeiten Einheimische und Touristen am Tresen. In den Regalen an der Wand wird ein sehr reichhaltiges Sortiment präsentiert, das jedem Seminar zur Geografie der Weinregionen Italiens Ehre machen würde. Zechweine und Spitzengewächse stehen da einträchtig nebeneinander, und der Ombra, der hier ausgeschenkt wird, ist niemals eine Enttäuschung. Weiterlesen

Gemüse ist ja nicht Gemüse

s-erasmo

Venedigs Gemüseinsel (Foto R.W.)

Schon Tucholsky hat sich darüber gewundert, worauf man in Europa alles stolz sein kann. Deutscher zu sein, Franzose zu sein, Engländer zu sein, nicht Deutscher zu sein usw. Aber die Italiener wollen sich in ihrem Stolz wohl von keinem überbieten lassen. Sie sind ja soo o-r-g-o-g-l-i-o-s-i. Auf ihre Kultur, auf ihre Musik, selbst auf ihren Staat (zumindest bei offiziellen Anlässen) und natürlich auf ihr Gemüse. Weiterlesen

Eine Wüste auf der Zunge

In einer Stadt wie Venedig wundert man sich nicht über mehrsprachige Speisekarten. Dabei muß in der Regel neben Italienisch das Englische herhalten, um hungrigen Touristen Appetit zu machen. Wenn die dann aber lesen, dass sie sich nach einem Dreigängemenu für 30 Euro auch noch für ein delicious desert erwärmen sollen, beginnen die Verdauungsschwierigkeiten, bevor man sich zu Tisch gesetzt hat. Köstliche Wüste? Da kommt einem die Scherzfrage aus dem Englischunterricht zupaß: Why can´t  you starve in the desert? Because of sandwiches there.

Bleibt nur zu hoffen, dass da die Kochkünste überzeugender sind als die Sprachkenntnisse.

Selbstbedienung

006

In diesem Zeichen wirst du satt  (Foto R.W.)

In Venedig ist das Einkaufen immer auch ein Austausch von Informationen. Aber die Läden, in denen man noch Zeit für ein Schwätzchen hat, werden seltener. Auch hier konnte man sich der Zunahme von Selbstbedienungsläden nicht verschließen. One-Stop-Shopping ist in vielen Stadtteilen möglich und erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Für Touristen haben Lebensmittel-Supermärkte zudem den Vorteil, dass man hier alles bekommt, ohne die Landessprache zu bemühen. Weiterlesen