Kategorie-Archiv: Von Tag zu Tag

Schönwetter-Gedanken

Der Blick vom Lido nach Westen (Foto R.W.)

Der Blick vom Lido nach Westen (Foto R.W.)

An diesen Mittwoch werden die Meteorologen noch lange zurückdenken. Das Datum sollte man sich merken: 22.10.2014. An diesem Mittwoch zeigte sich der Oktober von seiner huldvollen Seite. Nach dem nächtlichen Gewitter war die Luft frisch, der Himmel strahlend blau und die Sicht auf Panorama eingestellt. Das ließ sich am besten vom Lido aus genießen: der Blick hinüber zum Dogenpalast und den Türmen von San Giorgio und San Marco und hinter der Stadt die Bergkette der fernen Dolomiten. Man durfte sich beschenkt fühlen. Weiterlesen

Zwischen Faszination und Ablehnung

2005: Die Carnival ??? gleich hinter der Haltestelle Giardini  (Foto R.W.)

2005: Die Carnival Liberty  gleich hinter der Haltestelle Giardini (Foto R.W.)

Es ist gar nicht so lange her, da waren die Kreuzfahrtschiffe, die an der historischen Kulisse Venedigs vorbeizogen, noch kein Ärgernis. Wir haben die Entwicklung seit zehn Jahren beobachtet. Da war eine Faszination, die auf Gegenseitigkeit beruhte. Die Passagiere, versammelt auf dem Oberdeck, winkten und genossen den Blick über die Dächer von San Marco hinweg bis zu den Alpen (wenn das Wetter mitspielte). Die Venezianer bestaunten die schwimmenden Ungetüme und wurden ganz zutraulich, wenn mal eines von ihnen im Hafenbecken keinen Platz fand und in Castello an der Riva degli Schiavoni vor Anker lag. Und wie stolz waren sie, als eines dieser großen Schiffe von einer Werft in Venedig fertiggestellt und die Schiffstaufe an eben dieser Riva degli Schiavono vollzogen wurde. Es war viel Prominenz gekommen, Sophia Loren durfte die Sektflasche zerschellen lassen. Taucher hatten zuvor auch unterhalb des Wasserspiegels mitgewirkt, dass nichts schiefgehen konnte vor der Jungfernfahrt der MSC Musica (knapp 300 m Länge, über 93000 BRZ, 1275 Kabinen für 3013 Passagiere). Weiterlesen

Neuanpflanzung

S. Elena soll grün und schattig bleiben (Foto R.W.)

S. Elena soll grün und schattig bleiben (Foto R.W.)

Im Sommer 2012 hat eine Windhose die Insel Certosa heimgesucht und anschließend auf der Insel S. Elena mehrere Pinien entwurzelt. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden. Inzwischen sind auf der geräumten Brache einige Dutzend junge Pinien gepflanzt worden. Auch wenn man Venedig nicht als grüne Stadt im Gedächtnis hat, auf das Grün in der Stadt wird besonderer Wert gelegt.Wie man sieht. Das Grünamt in Venedig hat knapp 50 000 Bäume zu pflegen und zu versorgen.

Katamaran PlanetSolar auf den Weltmeeren unterwegs

In Deutschland produziert, unter Schweizer Flagge (Foto R.W.)

In Deutschland produziert, unter Schweizer Flagge unterwegs (Foto R.W.)

In Venedig ist in diesen Tagen ein Schiff vor Anker gegangen, das nicht nur den Gegnern der Kreuzfahrtschiffe gefallen wird. Es ist in jeder Hinsicht eine Ausnahmerscheinung. Der futuristisch anmutende 35 Meter lange Katamaran PlanetSolar, ohne Mast und ohne Segel, dafür mit über 500 Quadratmetern Sonnenkollektoren auf dem Dach, hat seit seiner Jungfernfahrt vor anderthalb Jahren schon 60 000 Kilometer auf den Meeren unseres Planeten hinter sich gebracht und in 28 Ländern für Aufsehen gesorgt – unter den Augen der Freiheitsstatue von New York oder in Reichweite der Londoner Tower Bridge. Und das alles, ohne einen Liter Diesel verheizt zu haben. Weiterlesen

Der Unbewegte

Das letzte Geleit (Foto R.W.)

Wie oft wohl ist er über die Lagune gerudert. Allein. Gemeinsam mit anderen. Immer stehend. Immer in Bewegung. Nun hat er seine letzte Fahrt über das Wasser vor sich. Die Freunde des Ruderclubs haben ihn am Canal Grande erwartet. Er ist in einem glänzenden Wagen vom Festland gekommen. In einem glänzenden Sarg. Auf seiner letzten Fahrt braucht er keinen Finger zu rühren. Dafür legen sich die Freunde in die Riemen und rudern ihn sicher an sein Ziel. San Michele. Die Friedhofsinsel, von der Lagune umspült.

 

 

 

 

Kein großes Unglück

Mit besten Grüßen vom Müllstaat (Foto R.W.)

Mit besten Grüßen vom Müllstaat (Foto R.W.)

Am 1. Juli 2014 ist auf Lido eine Delegation des  Garbage Patch Staates gestrandet. Es hat weder Tote noch Überlebende gegeben. Weitere Informationen zum Garbage Patch State findet der geneigte Leser im Beitrag vom 7.8.2013 „(Kein) Land in Sicht“

Von Verrückten keine Spur

Auf die Haltung kommt es an  (Foto R.W.)

Auf die Haltung kommt es an (Foto R.W.)

Unter den Augen des Königs Viktor Emanuel, der vor dem Hotel Danieli seinem Pferd die Sporen gibt, kann man das Vaporetto der Linie 20 besteigen und ist zehn Minuten später in einer anderen Welt. Die Insel San Servolo, wo mehr als 200 Jahre lang Geisteskranke festgehalten und behandelt wurden, ist jetzt ein Ort, den man jederzeit besuchen und wieder verlassen kann. Und wenn man sich das Touristengewimmel von dort aus ansieht, kann man leicht den Eindruck gewinnen, dass sich die Verhältnisse umgekehrt haben. Nicht auf San Servolo sind die Verrückten, sonden auf der anderen Seite des Bacino, wo sich die Massen vor dem Dogenpalast drängen.

Natur und Kunst vermählt (Foto R.W.)

Natur und Kunst vermählt (Foto R.W.)

Auf San Servolo, der Insel, die so grün und gepflegt ist, wie kaum ein anderes Stück Land auf der Lagune, geht man auf gepflasterten Wegen spazieren, bewundert die alten hochgewachsenen Bäume und die jungen, die jetzt voller Oliven, Kakipflaumen und Granatäpfel hängen. Eingestreut in das gepflegte Grün sind allerlei Kunstobjekte, die teilweise der aktuellen Biennale geschuldet sind und teilweise mit einer längeren Verweildauer rechnen können. In der Bar bekommt man einen guten Espresso, und wenn Gäste einer Konferenz noch da sind, geht es hier recht lebhaft zu. Sonst aber ist es hier sehr ruhig und beschaulich. Man hört und sieht den Vögeln zu, die sich in den Bäumen und an den Früchten zu schaffen machen, bewundert den Silberreiher, der stoisch auf einem Holzsteg meditiert, und man hält Meditation für eine akzeptable Lebensform. Entspannt wartet man auf das Vaporetto, das uns alle 30 Minuten wieder dahin bringt, wo das andere Leben ist, das Gedränge und Geschiebe von Tausenden, die wohl keinen Blick für das grüne Kleinod haben, das jenseits der stark frequentierten Fahrrinnen in der Lagune ein ganz anderes Venedig-Erlebnis bieten kann.

Das Werk der Buchsbaumzünzler  (Foto R.W.)  Ein Paradies ist auch diese Insel nicht. Die Buchsbaumzünzler haben es auch nach Venedig geschafft. Die gefräßigen Raupen des aus Asien eingeschleppten Schmetterlings haben ganze Arbeit geleistet.

Das Werk der Buchsbaumzünzler (Foto R.W.)
Ein Paradies ist auch diese Insel nicht. Die Buchsbaumzünzler haben es auch nach Venedig geschafft. Die gefräßigen Raupen des aus Asien eingeschleppten Schmetterlings haben ganze Arbeit geleistet.

 

Der Bauzaun auf San Marco ist weg

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„Die Arbeiten am Fundament des Glockenturms (auf dem Markusplatz) gehen in die Endphase.“ Das kann man in meinem Beitrag von 14. April 2009 nachlesen. Und siehe da, keine fünf Jahre später ist der Bauzaun tatsächlich abgeräumt, das Pflaster über der Baustelle geschlossen.

Venezianer sind es gewohnt, mit Dauerbaustellen zu leben. Kaum sind die Baugerüste von den Prokuratien weggeräumt, umstellen sie schon ein anderes Gebäude. Die Basilika und so fort. Die nächste Groß- und Dauerbaustelle wird die Rialto-Brücke. Die Anbieter von Luxusartikeln freut´s . Dann können sie ihre Angebote und Produkte bunt und großartig auf den Vorhängen zur Schau stellen, die die Fortschritte der Renovierung verschleiern. Doch damit soll auch bald Schluß sein. In Rom wurde kürzlich entschieden, dass die reparaturbedürftigen  Gebäude Venedigs künftig nicht mit schnöder Produktwerbung zugehängt werden dürfen. Sondern nur noch mit Nachbildungen der Fassaden, die da hinter den Baugerüsten wieder in alter Schönheit erstrahlen sollen.

Nun also kann man – nach fünf Jahren – wieder ganz nah ran an den Glockenturm, der da steht, ein Fels in der Brandung der Besucher, die tagaus tagein über den Markusplatz wogen.

Nun kommen sie wieder

Grande Navi

Diesen Anblick erlebt man einige hundert Mal im Jahr (Foto R.W.)

Die Kreuzfahrtschiffe laufen jetzt wieder häufiger in Venedig ein. Das ruft auch immer wieder die Protestbewegung NO GRANDE NAVI auf den Plan. Auf beiden Seiten werden regelmäßig die gleichen Argumente über die Schädlichkeit und die Unschädlichkeit der Kreufahrtschiffe vor malericher Kulisse vorgebracht. Ein Ritual, das folgenlos bleibt. Vielleicht nicht ganz.

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