Archiv der Kategorie: Von Tag zu Tag

Wieder barrierefrei

Imprägniert und frisch gestrichen (Foto R.W.)

Ein Provisorium wird repariert (Foto RW)

Anatoll Frustwächter und Pantalone freuen sich, dass die Accademia-Brücke wieder begehbar ist.

Wie lang ist es her, dass die Brücke wegen Renovierungsarbeiten nur mit Mühe passierbar war?

Gut sechs Monate. So lange war die Brücke verhüllt.

Das war ja auch ein schönes Bild.

Doch eine recht beschwerliche Angelegenheit, wenn man von einer Seite des Kanals auf die andere wollte.

Dank der großzügigen Spende des Brillenkonzerns Luxottica ist das gute Stück nun wieder in einem Zustand, in dem Anblick und Funktion miteinander harmonieren.

Dabei war es nicht die erste Renovierung seit Errichtung der provisorischen Holzkonstruktion im Jahr 1933.

Für ein Provisorium hat sich die Brücke ja wacker behauptet. Selbst die tausend eisernen Treueschwüre, mit denen Liebespärchen die Geländer behängten, hat sie über sich ergehen lassen.

Das Holz sieht ja recht frisch aus. Aber es wird wohl nicht in alle Ewigkeit der Witterung und der Abnutzung durch die Fußgänger trotzen.

Eins ist wenigstens sicher. Die Pärchen, die hier ihre Liebesweise hinterlassen wollen, werden es schwer haben, ihre Vorhängeschlösser anzubringen.

Na, das ist ja schon mal was.

Die Sorgen mit der Müllentsorgung

Der komplette Müll-Entsorgungs-Atlas von Venedig

Wo lassen die Venezianer ihren Müll? Sie deponieren ihn vor der Haustür, wo ihn täglich ein Müllmann abholt (nur nicht an Sonn- und Feiertagen). Kennen wir noch eine Stadt, die sich diesen Luxus leistet? Täte sie es nicht, wären die Gassen und Plätze in kürzester Zeit unpassierbare Müllhalden. Einen Vorgeschmack davon kann man erleben, wenn die Müllmänner einmal streiken, was bisher aber nur sehr selten geschehen ist, soweit wir uns erinnern. Dabei wird das Unternehmen, dem die heikle Aufgabe der Müllsammlung und Müllverwertung übertragen wurde, in letzter Zeit mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Da ist auf der einen Seite die zunehmende Müllproduktion der B&B-Gäste und auf der anderen Seite das Verhalten der Möwen, die in jedem Müllbeutel nach Küchenabfällen und Speiseresten suchen. Fischreste sind besonders beliebt. Weiterlesen

Es gibt ja nicht nur Steine in Venedig

Ach du lieber Ruskin, warum hast du nur Steine in Venedig gesehen? (Foto R.W.)

Venedig ist auf Sand gebaut. Nur merkt man das nicht, wenn man hier zu Fuß unterwegs ist. Unter unseren Füßen spüren wir überall nur behauene Steinbrocken, die von weither herangeschafft worden sind und nun auf Gassen und Plätzen für eine perfekte Versiegelung des Bodens sorgen.

Doch wenn man sich bis zur ehemaligen Residenz des Patriarchen auf der Insel S. Pietro vorgearbeitet hat, kann man erleben, wie es sich anfühlt, auf einem begrünten Stück Erde zu stehen. Man kann da auch herumlaufen, ganz ohne Rücksicht auf Verbotsschilder, die es hier nicht gibt. Hier ist Rasen-Betreten erlaubt.

Von dieser Möglichkeit machen die Bewohner der umliegenden Häuser regen Gebrauch. Man trifft sich zum Plausch, läßt Kinder und Hunde herumtollen und macht sein Boot flott oder fest, das man direkt vor der Haustür auf dem Canale San Pietro liegen hat. Wer hier wohnt, hat also nicht nur wohltuendes Grün vor Augen, sondern auch einen Parkplatz fürs Boot vor der Tür. So bequem haben es nur wenige Venezianer. Und wenn man Glück hat, erlebt man, wie der Fischer Alberto, der schon bei Alexander Kluge aufgetreten ist, für seine Nachbarn eine Arie schmettert.

Im Sommer müssen die Anwohner diesen friedlichen Platz mit vielen Besuchern teilen, die sich hier während der Festa di San Piero de Casteo zu Tausenden einfinden, um zu trinken, zu schmausen, Musik zu hören und allerlei Unterhaltsames zu erleben. Es gibt dann Festzelte, Kaltes und Warmes zu essen, Bühnen für Musikgruppen, Tombola-Verlockungen, Flohmärkte, Ausstellungen und das Erlebnis einer ansteckenden Fröhlichkeit. Das alles dauert knapp eine Woche, während der auch die umliegenden Häuser mitbekommen, welche Band da gerade welche Schlager zum besten gibt und wann sich die feuchtfröhliche Gesellschaft schließlich zerstreut.

Nach dem Fest ist zu besichtigen, wie sich der Rasen gehalten hat nach dieser Beanspruchung. Er kann sich sehen lassen und wird auch mit den Sommermonaten irgendwie fertig. Die Anwohner kehren zu ihren Gewohnheiten zurück, die Oma macht mit Rollator ihre Runden, Mama schiebt ihren Kinderwagen in den Schatten eines Baumes, Hunde beschnüffeln sich, hin und wieder kommt ein Tourist vorbei und fotografiert die Stille. Weit und breit keine Bar, kein Andenkenladen, kein Take-Away-Street-Food-Shop. Und das soll Venedig sein?

War das etwa Christo?

Ein Provisorium wird repariert (Foto RW)

Ein Provisorium wird repariert (Foto RW)

Die Accademia-Brücke, eine von insgesamt vier Brücken, die den Canal Grande überspannen, zeigt sich verhüllt. Christo hätte es nicht besser machen können. Doch im Unterschied zum Künstler Christo, der nach so einer Verhüllungsperiode sein Objekt unverändert zurücklässt , soll die Brücke sich nach der Behandlung neuer Stabilität erfreuen. Die Brücke ist eigentlich ein Kuriosum. Sie wurde 1933 als Povisorium erbaut und mussste seitdem wiederholt repariert werden. Kein Wunder angesichts der vielen Millionen Füße, die seitdem schon darüber gelaufen, getrippelt und getrampelt sind, und der Unzahl von Schlössern, mit denen verliebte Pärchen die Geländer beschwert hatten.

Ein Wochenende im Oktober

Oh, wie so trügerisch... (Foto R.W.)

Oh, wie so trügerisch… (Foto R.W.)

Als Zeitungsleser hat man es nicht leicht, gutgelaunt die Nachrichten über das Geschehen in der Welt zu überstehen. Da liest man von Bienen, die es kaum noch gibt und bald überhaupt nicht mehr (wirklich?); dafür so gut wie gar nichts mehr über die Bewegung Pulse of Europe, die in diesem Sommer so vielversprechend die Städte Europas eroberte, während die Nachrichten aus Berlin, Paris, London und Rom sich zunehmend eintrüben, von Washington ganz zu schweigen. Doch da ein Lichtstrahl, der bis in das Jahr 2019 reicht: die Nachricht, man habe in Rom endlich die Lösung für das Problem mit den Kreuzfahrtschiffen gefunden, die als Aufreger Nummer 1 seit Jahren in Venedig und über Venedig hinaus negative Schlagzeilen machen. Weiterlesen

Wohin mit dem Gepäck? Es gibt eine Lösung. Hier und jetzt.

Ja, ich bin pink und vaise (Foto R.W.)

Ja, ich bin pink und vaise (Foto R.W.)

Touristen, die sich auf ihrer Reise durch die angesagten Städte dieser Welt auch einen Zwischenstopp in Venedig gönnen, sie können jetzt erleichtert aufatmen, denn siehe, es gibt hier einen Ort, wo sie ihr Gepäck sicher aufbewahren und anschließend unbeschwert mit Smartphone oder Tablet auf Motivjagd durch die Gassen streunen können, bevor sie in die nächste Stadt enteilen. Weiterlesen

Warten auf Mosee…

Die Fahrrinne für Kreuzfahrtschiffe vor Lido (Foto R.W.)

Die Fahrrinne für Kreuzfahrtschiffe von der  Seeseite aus gesehen (Foto R.W.)

Der Sommer geht still zu Ende. Die Zufahrt für die Kreuzfahrtschiffe schimmert blau. Zur Zeit sind keine unterwegs. Ist wohl nicht ihr Tag. Im Hintergrund ahnt man die Baustelle für das Flutwehrsystem Mose, auf der inzwischen seit fast 30 Jahren gearbeitet wird. Mal mehr, mal weniger. Es kommt auf die Launen der Politik an und die verschlungenen Wege, die das Geld genommen hat, das bisher für das Projekt bewilligt worden ist. Inzwischen ist von einer Summe in der Größenordnung von fünf Milliarden Euro die Rede. Der Termin für die Fertigstellung musste immer wieder verschoben werden. So werden die Venezianer auch in diesem Jahr wieder damit leben müssen, dass im Herbst das Hochwasser je nach Wetterlage den Markusplatz und große Teile der Stadt überschwemmt. Weiterlesen

Morgens um sieben

 

 

Wie einst die Impressionisten (Foto R.W.)

Wie einst die Impressionisten (Foto R.W.)

Da sitzen zwei Besucher aus Fernost auf dem Ponton der Haltestelle San Marco/Vallaresso und genießen den Ausblick über den Canal Grande zur Kirche Santa Maria della Salute, ungestört von den Pendlern, die erst später zu erwarten sind. Sie sind da, ganz ohne Selfie-Einrichtung und ohne Spiegelreflex- oder Digital-Camera. Stattdessen haben sie kleine Staffeleien, allerlei Farbtuben und Pinsel vor sich ausgebreitet.

Sie sind dabei, mit Pinsel und Farbe diesen Augenblick und diesen Anblick in Venedig für sich festzuhalten, ohne dass er für den Transport in die digitalen Wolken zugerichtet wird. Müssen wir angesichts dieses Bildes unser Vorurteil revidieren? Sind Touristen gar nicht so, dass sie nur in der Welt herumreisen, um möglichst viele Bilder zu „schießen“, aber ihre „Beute“ erst in Augenschein nehmen, wenn sie wieder zu Hause sind, wenn überhaupt? Betrachten wir das Pärchen als Ausnahme von der Regel.

 

 

 

 

Eine Frage der Distanz…

Unweit vom Markusplatz... (Foto R.W.)

Unweit vom Markusplatz… (Foto R.W.)

Wie meint dieser Herbst es doch gut mit den Venezianern und den vielen Besuchern, die in diesen Tagen noch in fast sommerlicher Kleidung durch die Stadt ziehen. Gestern waren es besonders viele Leichtbekleidete, die als Marathonläufer bei strahlendem Wetter über die Gassen und Rampen trabten, bis sie endlich in den Giardini von Castello ihr Ziel erreicht hatten. Weiterlesen