Archiv der Kategorie: Von Tag zu Tag

Perlentaucher? Eher nicht

Ein schwimmender Müllsammler

Die Lagunenstadt Venedig besteht aus einer Ansammlung von 124 mehr oder weniger großen Inseln, die von mehr oder weniger breiten Kanälen umspült und voneinander getrennt werden.
Rechnet man die Oberfläche all dieser Kanäle in der Stadt zusammen, ergibt sich eine Fläche von einem Quadratkilometer. Auf diesem Quadratkilometer spielt sich der Hauptverkehr innerhalb der Lagunenstadt ab. Weiterlesen

La Fenice und Beethoven

Hier ist kein Platz für Zuschauer (Fotos R.W.)

Das Virus, das unsere späteren Erinnerungen an das Jahr 2020 in vieler Hinsicht bestimmen wird, hat auch vor längst Verstorbenen nicht Halt gemacht, wie es scheint. So hat es zum Beispiel die vielen Vorhaben im Zusammenhang mit dem Gedenkjahr für Ludwig van Beethoven durcheinandergebracht.

Das bekamen auch wir in diesen Tagen bei einem Konzert für den vor 250 Jahren geborenen Komponisten akustisch wie visuell vorgeführt. Es gab für ein Konzert mit Werken von Beethoven in Theater La Fenice noch Karten. Dabei war schon beim Kartenverkauf das Abstandsgebot zu berücksichtigen. Statt der offiziell verfgbaren 1000 Plätze durften nur 300 besetzt werden.

Entsprechend gering war unsere Chance, überhaupt noch ein Ticket zu ergattert. Zu unserer Überraschung hatten wir Glück und bekammen zwie Tickets zum Schnäppchenpreis von 25 Euro. Dazu  wurden wir freundlich  instruiert, was alles zu beachten war, wenn wir die Veranstaltung besuchten.

Wir waren also rechtzeitig (schon gut eine halbe Stunde vor Konzertbeginn) mit unseren Tickets in der Warteschlange (auch da unter Wahrung der Abstandsregeln mit anschließender Temperaturmessung). Durch einen Seiteneingang wurden wir in eine der Logen begleitet, wo ebenfalls einige Plätze frei bleiben mußten (alles sehr ungewohnt). Wir fühlten uns sehr privilegiert, da uns beim Kartenverkauf schon vermittelt worden war, dass diese Logenplätze unter normalen Bedingungen deutlich teurer verkauft worden wären (aber was ist in diesen Zeiten schon normal).

Das Parkett und die Logenränge waren gut beleuchtet, so dass wir die Bewegungen in den diversen Logen beobachten konnten, die sich langsam füllten. Nur der Anblick des Parketts war gewöhnungsbedürftig. Da gab es keine Stuhlreihen und keine gepolstersten Sitzgelegenheiten. Stattdessen Notenständer und Stühle, die ganz sicher nicht für Zuhörer gedacht waren. Unser Blick in Richtung Bühne musste mit einer weiteren Überraschung fertig werden. Keine Spur von Vorhang und nichts, was an einen Orchestergraben erinnerte, stattdessen einige locker verteilten Stuhlreihen, in denen schon einige Besucher Platz genommen hatten. Da dämmerte uns, dass hier die Rollen und Plätze für Darsteller und Zuhörer getauscht worden waren. Die Musiker im Parkett kamen den Zuhörern in dem unteren Logenring plötzlich sehr nahe, während die Gäste, die sonst wohl im Parkett ihren Platz gehabt hätten, nun von der Bühne aus das Geschehen verfolgen durften.

Abgesehen von dieser Rochade war alles wie sonst. Die Musiker mit ihren Masken  kamen aus irgendwelchen Tiefen auf das Parkett, nahmen ihre Plätze ein und warteten auf den Dirigenten. Als dieser auch sein Podest erreicht und sich bei Gästen und Musikern verbeugt hatte, wurden die Lichter ringsum gedämpft und das Parkett erleuchtet. Also alles wie gehabt, nur umgekehrt. Ob das Arrangement als Reaktion auf das Virus zu deuten ist, wer weiß…

Das Orcheter des Theaters, sehr übersichtlich im Parkett verteilt, durfte nach langer Zeit endlich wieder vor Publikum spielen und tat dies mit Hingabe. Man wollte schließlich in Übung bleiben. Gespielt wurden zwei Sinfonien. Zuerst die vierte und nach einer kurzen Pause die achte. Beide Werke werden wohl nicht so häufig gespielt, wie etwa die fünfte oder die neunte Sinfonie, und wir waren darauf vorbereitet, etwas Neues zu Gehör zu bekommen. Doch nach wenigen Takten regten sich Erinnerungen. Nicht dass wir sagen können, die Stücke wären uns vertraut. Aber sie waren uns nicht ganz fremd. Die ungewohnte Anordnung, bei der wir, statt auf Zuhörer zu blicken, den Musikern zusehen durften, und die veränderte Akustik, die sich unmittelbar miteilte, das alles tat ein Übriges, um diesen Abend als schöne Erinnerung für die Zeit nach Corona mitzunehmen.

Schaulaufen

Das ist doch wohl nicht eine Wahlurne? (Foto R.W.)

In Venedig stellen sich im September die Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters zur Wahl und werben für sich. Gerne auch schriftlich. Nicht immer mit dem erwünschen Ergebnis, wie man sieht. Hier hat sich ein Wähler wohl schon entschieden. Der amtierende Bürgermeisters, der sich erneut zur Wahl stellt, ist im Papierkorb gelandet. Doch am Ende kommt es auf die Auszählung der Stimmzettel in der Wahlurne an. Warten wir´s ab.

Im Osten Venedigs leuchtet es rot

Ganz im Einklang mit den Abstandsregeln (Foto R.W.)

 

Man kann es mit den Abstandsregeln auch zu gut meinen. Andrerseits schadet es ja nicht. Denn unter den Pinien, Platanen und Ginkgobäumen ist genug Platz für diesen Luxus, den man sich im östlichsten Wohnbezirk Venedigs leistet. Mehr als hundert frisch gestrichene Bänke sind rings um das Wohngebiet und auf den Plätzen zwischen den Wohnblocks von S. Elena verteilt. Damit ist S. Elena trotz der großzügigen Abstände zwischen den leuchtend roten Bänken der Bezirk mit der größten Bank-Dichte Venedigs. Weiterlesen

Nicht nur auf Lido ist Saison

Hier sind die Venezianer unter sich (Foto R.W.)

Wie kann es anders sein bei einer Stadt, die sich gern über Superlative definiert. So ist auch das Strandleben auf Lido keine Überraschung. Die langgestreckte Düneninsel, die die Lagune Venedigs nach Osten hin vom Mittelmeer trennt, bietet auf zwölf Kilometern eine durchorganisierte und bewirtschaftete Einnahmequelle, und das seit gut hundert Jahren, wie man als belesener Kenner Venedigs weiß. Nur ist es diesmal nicht mehr das Hotel Des Baines, das den Vogel an Exklusivität abschießt. Das Hotel selbst ist seit Jahren eine dahinsiechende Baustelle, doch der Strand auf der Seeseite wird weiter bewirtschaftet. Wer hier eine Capanna für die gesamte Saison mietet, muss mit über 8000 Euro rechnen. Dafür gibt es eine verschließbare Hütte mit Liege, einige Stühle und drei Sonnenschirme. Einige hundert Meter weiter südlich ist das Hotel Excelsior, wo eine Einrichtung mit ähnlicher Ausstattung noch 1000 Euro mehr kostet. Wer sich nicht während der ganzen Saison am Strand lümmeln will und schon nach einem Tag genug hat, ist mit 453 Euro dabei. Weiterlesen

In Venedig ist doch immer was los

Werden wir diesen Anblick in Zukunft vermissen? Wohl kaum (Foto R.W.)

Nur noch wenige Tage, dann schreiben wir das Jahr 2020, zumindest in unserer Zeitrechnung. Und wenn es bei dieser Zeitrechnung bleibt, erleben wir einige Monate später so etwas wie das Wunder von Venedig: Die Kreuzfahrtschiffe werden im April nächsten Jahres nicht mehr durch den Giudecca-Kanal kommen. So darf man die amtierende Ministerin für Transport und Infrastruktur von der amtierenden Regierung in Rom verstehen. Signora De Micheli, wir werden Sie beim Wort nehmen, es sei denn, die amtierende Regierung löst sich vor diesem Datum auf. Damit ist fast eher zu rechnen als mit der Einlösung des Versprechens. Soweit die Nachricht, die man je nach Einstellung als gut oder als weniger gut verstehen wird. Wer seine Hoffnung noch nicht ganz verloren hat, darf sich über ein Zeitfenster von vier Monaten freuen.

Anders sieht es in der Umgebung der Prokuratien aus, wo die Arbeiten in den Giardini Reali nach fünfjähriger Dauer zu einem Ende gekommen sind. Eine mehr als 5000 Quadratmeter große Gartenanlage ist endlich wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Da kann man sich nun fühlen wie einst die Monarchen aus Wien. Die Anlage verdankt ihre Entstehung dem österreichischen Kaiser Franz Josef. Heute sind es normal Sterbliche wie du und ich, die sich hier aufhalten und die gelungene Wiederherstellung der historischen Anlage bewundern können.

Und wenn wir schon bei den guten Nachrichten sind: Von den 22 Anlegestellen für die Wasserbusse, die bei dem Extrem-Hochwasser im November zu Schaden kamen, sollen 20 zum Jahresende wieder so hergerichtet sein, dass die Fahrgäste dort wie gewohnt ein- und aussteigen können. Nur bei der Haltestelle direkt vor dem Dogenpalast wird es noch etwas dauern. Bis dahin müssen die Fahrgäste in Richtung Arsenale die Behelfseinrichtung benutzen.

Einige Monate weiter zurück liegt das Ereignis, bei dem eine Kaimauer am Giudecca-Kanal und ein dort liegender Flusskreuzer zu Schaden kamen. Das Kreuzfahrtschiff MSC OPERA spielte bei der Ausfahrt aus dem Hafenbecken verrückt und rammte Kaimauer und Flusskreuzer. Das Ereignis vom 2. Juni 2019 geht nun in die Annalen als Havarie ein und kostet die Reederei eine Menge Geld. Die Hafenbehörde hat für den angerichteten Schaden eine Rechnung über 2,3 Millionen Euro präsentiert, für die Wiederherstellung des Flusskreuzers will der Betreiber 3 Millionen Euro. Fehlt nur noch, dass nun auch alle Kreuzfahrtschiffe, die nach diesem 2. Juni mit drei Lotsenbooten durch den Giudecca-Kanal geleitet werden müssen, auf die Idee kommen, von den Betreibern der MSC Opera die Erstattung der Mehrkosten (für das dritte Lotsenboot) zu verlangen.

Sieht so eine Windjammer aus?

Die größte Segelyacht besucht Venedig (Fotos R.W.)

Während Greta Thunberg mit der Segelyacht Malizia II auf dem Atlantik in Richtung New York unterwegs war, machte die Sailing Yacht A in europäischen Gewässern und Häfen von sich reden. Unterschiedlicher können die Dimensionen und Ansprüche der beiden Yachten nicht sein, wenn man unberücksichtigt lässt, dass beide auf Windkraft angewiesen sind. Die Malizida II ist 18 Meter lang, 6 Meter breit und so minimalistisich ausgestattet, dass selbst der Begriff „spartanisch“ wie Prahlerei klingt.

Und die Sailing Yacht A? Sie ist mit 143 Metern Länge, 25 Metern Breite und 8 Decks die bisher größte Segelyacht auf unseren Meeren. Und mit drei Masten von je 90 Metern Länge, die bei Bedarf Segel von der Größe eines halben Fußball-Spielfelds in die Luft halten können, schafft sie Geschwindigkeiten bis 21Knoten und kann so fast mit der Malizia II mithalten, die als Rennboot konzipiert ist und auf 25 Knoten (ca. 50 km/h) kommt.

Nach vierjähriger Bauzeit in einer Kieler Werft ist die Sailing Yacht A nun rund um Europa unterwegs und lässt sich unter anderem auch in italienischen Häfen bestaunen. Da darf Venedig nicht fehlen. Das prachtvolle Ungetüm mit den in den Himmel ragenden Masten, denen man ihre Hightech-Innereien nicht ansieht, wurde wieder von dem Star-Designer Philippe Starck für den russischen Oligarchen Andrej Melnitschenko entworfen. In seiner glänzenden Haut spiegeln sich die Häuser, die am Ufer der Sieben Märtyrer aufgereiht sind, und die Menschen, die ihre Smartphones in den Himmel halten. Warum wieder? Philippe Starck hat für den Herrn auch schon eine Motor-Yacht entworfen, die mit 119 Metern Länge nicht gerade klein ausfiel und sich ebenfalls mit dem Namen Motoryacht A schmückt. Also immer ganz vorne im Alphabet, diesmal mit einer besseren Ökobilanz. Immerhin.

Die Häuserzeile der Uferpromenade spiegelt sich im Schiffsrumpf

 

Zur Nachahmung empfohlen

Einige Gemüsehändler machen es vor (Foto R.W.)

So sieht es aus, wenn man von einem Einkauf auf dem Gemüsemarkt an der Rialtobrücke heimkommt. Von Plastik keine Spur. Ein ganz anderes Bild ergibt sich, wenn man in Castello auf der Via Garibaldi mit dem Einkaufszettel unterwegs ist. Die Gemüsestände scheinen von Papiertüten wohl noch nichts gehört zu haben. Dafür sind stapelweise Plastiktüten in greifbarer Nähe. In den Supermärkten wird damit sogar ein Geschäft gemacht. Dort wir für jeden Artikel, den man aus der Gemüseabteilung an die Kasse bringt, eine Plastiktüte in Rechnung gestellt, auch wenn man sie gar nicht gebraucht hat. Bei Ananas zum Beispiel.

 

 

 

Il popolo di Greta sbarca al Lido *)

Klima-Aktivisten auf Lido (Foto R.W.)

Während auf Lido Filmstars und Fotografen sich ein Stelldichein gaben und gespannt darauf warteten, wer diesmal die Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig nach Hause tragen durfte, hatten sich einige hundert Meter weiter südlich junge Menschen aus verschiedenen Ländern Europas in einem sogenannten Venice Climate Camp versammelt, um die Mitmenschen daran zu erinnern, dass sie der Erderhitzung nicht tatenlos zusehen wollen. Die Filmschaffenden logierten in Luxushotels, die Klimaaktivisten in provisorischen Zelten, aber beide Gruppen hatten an diesem Wochenende das gleiche Ziel: den roten Teppich vor dem Palazzo del Cinema.

Kein Wunder, dass die Ordnungsbehörden nervös reagierten und mit einen großen Polizeiaufgebot präsent waren. Doch es blieb alles friedlich und geordnet. Die Aktivisten mit unterschiedlichen Schwerpunkten, angefangen bei der Organisation No Grandi Navi bis hin zur Gruppe Ende Gelände aus Deutschland oder Extinction Rebellion, No TAV, Reclaim the Power, versammelten sich mit ihren Fahnen und Transparenten auf der Lagunenseite von Lido und trafen sich mit den Aktivisten, die schon einige Tage vorher aus verschiedenen Ländern angereist waren, und siehe da, es gab keine Zwischenfälle, sondern Zustimmung auf Seiten von Schauspielern und Filmschaffenden, die den roten Teppich gern mit ihnen teilen wollten. So symbiotisch kann es zugehen auf den Filmfestspielen, die als die ältesten der Filmbranche gelten.

*) So titelte der Corriere della Sera in der Lokalausgabe vom 7. September und nannte die Zahl von dreitausend Aktivisten

Ein Pfingstwunder? Eher nicht

Der lange Marsch  zum Markusplatz (Foto R.W.)

Das Pfingstwochenende war für die Ordnungskräfte Venedigs eine besondere Herausforderung. Am Samstag versammelten sich einige tausende Menschen , um wieder einmal gegen die Kreuzfahrtschiffe zu demonstrieren. Der besondere Anlass: Eine Woche vorher hatte eines dieser Schiffe die Kaimauer von San Basilio am Giudecca-Kanal gerammt und dabei auch ein dort liegendes Passagierschiff beschädigt. Zur gleichen Zeit wimmelte es in der Stadt von Besuchern aus allen Teilen der Welt, die hergekommen waren, um in kleinen Booten mit Muskelkraft die Umrundung der Inseln Venedigs zu zelebrieren, wie es seit mehr als 40 Jahren im Rahmen der Veranstaltung „Vogalonga“ üblich ist. Also das genaue Gegenteil von dem, was die Kreuzfahrtschiffe nach Venedig führte.

Am Samstagnachmittag konnte man miterleben, wie sich diese beiden Gruppen sehr friedlich mischten. Wer an der Vogalonga teilnehmen wollte, traf sich mit anderen Gleichgesinnten in den verschiedensten Winkeln Venedigs. Für die Aktivisten der Protestbewegung „No Grandi Navi“ ging es darum, in möglichst großer Zahl den Markusplatz zu erreichen, um endlich an diesem symbolträchtigen Ort zum wiederholten Mal die Verbannung der Kreuzfahrtschiffe zu fordern, zumal das Ereignis vom Wochenende davor dieser Forderung noch mehr Nachdruck verlieh.

Eine Woche nach dem Unfall mit der OPERA (so der Name des Schiffes, dem in Zukunft möglicherweise nachgesagt werden kann, es habe die Wende im Umgang mit den Kreuzfahrtschiffen eingeleitet) war die Stimmung besonders aufgeladen. Unter anderem auch deshalb, weil die Behörde Venedigs unter Berufung auf eine alte Regelung eine Kundgebung auf dem Markusplatz untersagt hatte. Davon ließen sich die Organisatoren der Protestbewegung nicht beeindrucken. Am Samstag versammelte sich eine Menschenmasse an dem Ort, wo einige Tage zuvor das Unglück mit der OPERA geschehen war, und verwandelte die Uferpromenade in ein Fahnenmeer. Auf allen Fahnen stand, was den Politikern in Rom und Venedig schon seit Jahren Kopfzerbrechen bereitet: No Grandi Navi.

Die Masse setzte sich am späten Nachmittag in Bewegung und gelangte gegen 18 Uhr in die Nähe des Markusplatzes. Alles ohne besondere Zwischenfälle. Am Ende schafften es rund tausend von den etwa zehntausend Menschen des Protestmarsches doch bis auf den Markusplatz. Die Ordnungskräfte hatten wohl Anweisung, jede Form von Gewalt zu vermeiden.

Damit waren bei dieser Demonstration zwei Ziele erreicht, die unterschiedlicher nicht sein können. Die Behörde schrieb sich zugute, dass alles glimpflich verlaufen war. „Wir haben uns nicht provozieren lassen, den Gummiknüppel zu schwingen. Aber wir behalten uns vor, die Demonstranten zu identifizieren, die sich nicht an die Regeln gehalten haben, und werden gerichtlich gegen sie vorgehen.“ Auch die Demonstranten haben ihre Mission erfüllt. Sie können nun damit rechnen, dass die Bilder und Videos von ihrer Anwesenheit auf dem Markusplatz um die Welt gehen und immer wieder hervorgeholt werden können, um zu beweisen…ja was nur? Eine Wende in der Politik? Kaum anzunehmen. Da wird es auch nicht helfen, dass nach dem Demonstrationszug durch die Gassen auch der Demonstrationszug am Sonntag auf dem Wasser mit den rund 10 000 Teilnehmern der Vogalonga ausdrücklich als Akt der Solidarisierung mit der Protestbewegung gegen Kreuzfahrtschiffe bezeichnet wurde.

Am späten Samstagabend – die Protestanten hatten ihre Fahnen längst eingerollt – hätte man bei besseren Lichtverhältnissen die Rauchfahnen von mehreren Kreuzfahrtschiffen sehen können, die sich von ihren Anlegeplätzen fort durch den Giudeccakanal in Richtung Lido davonstahlen.