Archiv der Kategorie: Besuch in Venedig

Auf der Suche nach dem Anfang einer Geschichte

 

Hier geht´s nach oben zur Kunstausstellung  (Foto R.W,)

Hier geht´s nach oben zur Kunstausstellung (Foto R.W,)

 

 

Das Luxuslabel Louis Vuitton leistet sich in Venedig den Luxus einer großzügigen Ausstellungsfläche für die Kunst. Auftragskunst, versteht sich. Gelungene Symbiose von Kunst und Kommerz, zu besichtigen in der dritten Etage über den Geschäftsräumen gleich hinter dem Markusplatz. Der Eingang zu den Räumen in der Calle del Ridotto 1353 (ein paar Schritte weiter ist die Hauptverwaltung der Biennale zu Hause) ist mit einem eher unauffälligen Schild gekennzeichnet: Espace Louis Vuitton Venezia.

 

Zur Zeit kann man da zwei Künstler bewundern, deren Biographien unterschiedlicher nicht sein können. Der eine, Mariano Fortuny, hat der Stadt ein ganzes Museum hinterlassen, den Palazzo Fortuny mit einer reichen Kunstsammlung, darunter ein Archiv mit über 1500 Schwarzweiß-Negativen mit Venedig-Motiven. Eine Auswahl wird nun als Bildsequenz gezeigt und vermittelt die Sicht des Künstlers auf die Stadt zu seiner Zeit. Fortuny starb 1949. Der andere, ein bekannter Manga-Künstler aus Japan, kam in die Stadt auf der Suche nach seiner Vergangenheit. Ob es gleichzeitig auch eine Auftragsarbeit der genannten Luxusfirma war, lassen wir offen.

Jiro Taniguchi (geboren 1957) zeigt uns als Comic-Sequenz in leichten Aquarell-Farben ein Venedig, das wir alle zu kennen glauben. Der Held in den Bildern, der sich in schmalen Gassen, auf Brücken und Treppen verläuft, erinnert an eine andere Comic-Figur, die sich schon vor ihm in allen Winkeln Venedigs herumtrieb: Corto Maltese, 1967 von dem italienischen Comic-Zeichner Hugo Pratt ins Leben gerufen, machte sich einen Namen als kenntnisreicher Venedig-Reiseführer.

 

Das anspielungsreiche Motto der Ausstellung „Sguardi incrociati a Venezia“ weist auf die unterschiedlichen Sichtweisen der Künstler hin. Fortuny betrachtete Venedig als Bühne und inszenierte seine Bilder entsprechend. Bei Taniguchi erleben wir Venedig leicht und schwebend zwischen Himmel und Wasser und seinen Helden mittendrin. Er scheint nicht zu wissen, dass in Venedig eine Geschichte immer und überall beginnen kann. Auch seine.

 

Espace Louis Vuitton Venice, Calle del Ridotto 1353

Mariano Fortuny und Jiro Taniguchi

Sguardi Incrociati a Venezia

noch bis 18.11.2014 zu sehen

Öffnungszeiten montags bis samstags 10.00 – 19.30 Uhr, sonntags 10.30 – 19.30 Uhr

Eintritt frei

 

Die lange Tradition der Abstraktion in Japan

Die Abstraktion eines Teehauses (Fotos R.W.)

Die Abstraktion eines Teehauses (Fotos R.W.)

Die künstlerischen Fotoarbeiten von Hiroshi Sugimoto (66) werden auf internationalen Ausstellungen gezeigt und sind bei Sammlern begehrt. Aber ist der japanische Fotograf mit Ateliers in Tokio und London auch Architekt? Bisher war er es nicht. Nun aber hat er in spielerischer Auseinandersetzung mit der traditionellen japanischen Teezeremonie für die Fondazione Cini ein gläsernes Teehaus entworfen, das man seit der Eröffnung der Architekturbiennale auf der Insel San Giorgio besuchen kann. Gegenüber den Stanze del Vetro, wo es wechselnde Ausstellunge zur venezianischen Glasbläserkunst zu bewundern gibt, findet man den etwas verstecken Eingang zum Gläsernen Teehaus Mondrian, an dem japanische Traditionalisten wohl einiges auszusetzen haben dürften. Weiterlesen

Katamaran PlanetSolar auf den Weltmeeren unterwegs

In Deutschland produziert, unter Schweizer Flagge (Foto R.W.)

In Deutschland produziert, unter Schweizer Flagge unterwegs (Foto R.W.)

In Venedig ist in diesen Tagen ein Schiff vor Anker gegangen, das nicht nur den Gegnern der Kreuzfahrtschiffe gefallen wird. Es ist in jeder Hinsicht eine Ausnahmerscheinung. Der futuristisch anmutende 35 Meter lange Katamaran PlanetSolar, ohne Mast und ohne Segel, dafür mit über 500 Quadratmetern Sonnenkollektoren auf dem Dach, hat seit seiner Jungfernfahrt vor anderthalb Jahren schon 60 000 Kilometer auf den Meeren unseres Planeten hinter sich gebracht und in 28 Ländern für Aufsehen gesorgt – unter den Augen der Freiheitsstatue von New York oder in Reichweite der Londoner Tower Bridge. Und das alles, ohne einen Liter Diesel verheizt zu haben. Weiterlesen

An der Liebe schwer zu tragen

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Zentnerschwer ist die Fracht der eisernen Liebesbeweise unter den Geländern der Accademia-Brücke, zurückgelassen von Pärchen aus allen Regionen der Welt. In Venedig ist man besorgt, ob die als sanierungsbedürftig definierte Holzbrücke das zunehmende Gewicht der Vorhängeschlösser noch lange ertragen kann.  Als unerträglich jedenfalls empfinden viele Venezianer diese Sitte/Unsitte, die ja nicht nur in Venedig vorkommt. Auch der Eiserne Steg in Frankfurt hat in dieser Beziehung schwer zu tragen, nur ist er von einem Zusammenbruch noch weit entfernt.

Schlösser auf dem Eisernen Steg in Frankfurt  (Foto R.W.)

Schlösser auf dem Eisernen Steg in Frankfurt (Foto R.W.)

 

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Wochenende mit Wutbürgern

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Wutbürger auf dem Giudecca-Kanal (Fotos R.W.)

Die Bürgerinitiative NO GRANDI NAVI hatte für das Wochenende (7.- 9. Juni) zu Protesten gegen die Kreuzfahrtschiffe aufgerufen, die in zunehmender Zahl an der malerischen Kulisse Venedigs vorbei zu ihren Anlegestellen im Hafenbecken gelotst werden, und es kamen nicht nur Venezianer, sondern auch Aktivisten aus anderen Ländern. Weiterlesen

Wo gibt es einen guten Cappuccino?

Wenn ein Italiener Cappuccino bestellt, dann zum Frühstück, und das am liebsten mit einem frischen Croissant. Wenn dieser Italiener oder ein beliebiger Besucher Venedigs nach der besten Bar sucht, in der man zum Frühstück einen anständigen Cappuccino mit einem genießbaren Stück aus der Pasticceria serviert bekommt, kann er sich bei einem Blogger schlau machen, der seit einigen Monaten Venedig durchstreift, als anonymer Vorkoster sozusagen. Weiterlesen

Auf Konfettis Spuren

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Das war also der Karneval in Venedig. Farbenfroh sollte er sein. Ganz nach dem Motto „Vivi i colori“. Da ließ sich auch der Gott des Winters herbei und spendete Weiß. Viel Weiß. Nach 12 Stunden war Venedig verschneit. Da wollte sich auch der Gott der Meere nicht lumpen lassen und schickte ein Hochwasser , das sich gewaschen hatte. Beides zusammen hatten die Venezianer noch nicht erlebt. Sagen sie. Weiterlesen

Gritti si! Fondacca no!

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Haben Sie in Ihrem Bekanntenkreis jemanden, der es sich leisten könnte und bereit wäre, für eine Hotelsuite  12000 Euro/Nacht auszugeben? Dann machen Sie ihm bestimmt eine  Freude mit dem Hinweis, dass ab sofort wieder das Gritti Palace Hotel nach 15 Monaten Umbauzeit wieder eröffnet ist. Neben der Luxussuite sind noch weitere 20 Suiten bescheideneren Zuschnitts und 61 Zimmer im Angebot. Weiterlesen

Phänomen Venedig

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Kolossal anstößig (Foto R.W.)

Da wird so mancher Venedig-Liebhaber, der in dieser einmaligen Stad etwas sucht, was er in keiner anderen zu finden hofft, ins Grübeln kommen. Der Ende des Jahres in deutschen Kinos gezeigte Dokumentarfild „DAS VENEDIG PRINZIP“ erweist sich als Zwickmühle für alle, die sich bei dem Besuch unserer Kulturstätten ein gewisses Maß an Respekt bewahrt haben. In diesem Film bekommen einige der noch in Venedig lebenden Einwohner Gelegenheit, ihre Befindlichkeit zum Ausdruck zu bringen, und es ist keine Überraschung, dass sich Venezianer als eine verschwindende Minderheit empfinden, die von einer stetig steigenden Touristenflut bedrängt und schließlich ganz verdrängt werden. Kann man da noch, ungerührt von dieser Befindlichkeit, weitermachen wie bisher und mit Bus oder Bahn, auf dem Wasser oder durch die Luft in diese Stadt als unwillkommener Gast einfallen oder soll man sich weitere Besuche verkneifen? Keine leichte Frage, und der Dokumentarfilm hat sich erfolgreich um eine Antwort gedrückt. Weiterlesen

Biennale-Bilanz

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Im Russischen Pavillon: Zugang nur per QR-Code (Foto R.W.)

Am Sonntag, 25. November, ging in Venedig nach zwölf Wochen die 13. Architektur-Biennale zu Ende. Stolz melden die Organisatoren einen Zuwachs der Besucherzahlen gegenüber 2010 um 4,7%. Insgesamt haben knapp 180 000 Besucher die Ausstellung in den Giardini und im Arsenale gesehen. 55 Länder waren als Aussteller beteiligt, nicht alle – oder sagen wir lieber: nur wenige – folgten der Vorgabe des Ausstellungsdirektors David Chipperfield, sich auf den „Common Ground“ der Zunft zu besinnen. Stattdessen war es für viele Länder eine willkommene Gelegenheit zu demonstrieren, wie fortschrittlich und souverän man mit den neuesten Errungenschaften der Kommunikations- und Präsentationstechnik umzugehen wußte. Ob das auch immer gleichbedeutend ist mit der architektonischen Wirklichkeit daheim? Potemkin läßt grüßen.