Kategorie-Archiv: Besuch in Venedig

Wohin mit dem Gepäck? Es gibt eine Lösung. Hier und jetzt.

Ja, ich bin pink und vaise (Foto R.W.)

Ja, ich bin pink und vaise (Foto R.W.)

Touristen, die sich auf ihrer Reise durch die angesagten Städte dieser Welt auch einen Zwischenstopp in Venedig gönnen, sie können jetzt erleichtert aufatmen, denn siehe, es gibt hier einen Ort, wo sie ihr Gepäck sicher aufbewahren und anschließend unbeschwert mit Smartphone oder Tablet auf Motivjagd durch die Gassen streunen können, bevor sie in die nächste Stadt enteilen. Weiterlesen

Vielleicht der verlassenste Ort Venedigs

Gleich hinter der Porta dei Pensieri (Foto R.W.)

Gleich hinter der Porta dei Pensieri (Foto R.W.)

So friedlich ist das Fleckchen Erde hinter den hohen Mauern des Arsenale, wo in Zeiten der Serenissima die stolze Kriegsflotte der Republik Venedig gebaut und zu Wasser gelassen wurde. Die beiden Türme an der Ausfahrt erinnern noch an diese Zeit. Heute kommt man ohne Kontrolle und eher aus Versehen an diesen versteckten Platz, wenn man sich am Ende der Salizada Streta über die Brücke und durch die Porta dei Pensieri getraut hat. Dieser Durchbruch in der Arsenal-Mauer wurde vor einigen Jahren geschaffen, um während der Biennale die Besucherströme nach ihrem ausgedehnten Spaziergang durch die weitläufigen Ausstellungshallen wieder ins Freie zu entlassen. Nun ist er also auch in der umgekehrten Richtung begehbar: als Zugang zu einer gepflegten und baumbestandenen Grünfläche mit gekiesten Wegen, wo man selbtverloren ein Venedig erlebt, das sich da ganz still und ohne Hektik behauptet.

Cane? Dann doch lieber Caine!

 

Der Komponist sitzt am Flügel (Foto R.W.)

Der Komponist sitzt am Flügel (Foto R.W.)

Jan und Uri Caine in Venedig  (Foto R.W.)

Jan und Uri Caine in Venedig (Foto R.W.)

Auf den Konzertkarten war zu lesen „Euroamerica: Uri Cane Urlicht-Primal Light. Zu unserer Erleichterung war es dann doch Uri Caine (!), den wir im Vortragssaal der Stiftung Emilio Vedova mit seinem Ensemble zu sehen und zu hören bekamen. Der gleiche also, den wir das erste Mal im Sommer 2003 während der Musik-Biennale im Arsenale von Venedig erlebt hatten. Er hatte uns damals so beeindruckt, dass wir daraufhin die CD von Winter&Winter mit der Aufnahme von Urlicht kauften, in der Uri Caine mit einem recht großen Orchester und viel technischem Aufwand eine Jazz-Version mit Stücken aus Mahler-Sinfonien präsentierte. Weiterlesen

Von großen und kleineren Vögeln

Die Start- und Landebahnen des Flughafens Marco Polo verlaufen parallel zum Ufer der Lagune von Venedig, wo sich neben Kleinvögeln auch Möwen und Seeschwalben tummeln und den Flugzeugen beim Landeanflug in die Quere kommen können. Um das zu verhindern, sind auf dem Flughafengelände seit 16 Jahren Falkner im Einsatz. Gessica di Leonardo aus Udine ist die einzige professionelle Falknerin, die das Handwerk bei ihrem Vater gelernt hat, der seine abgerichteten Greifvögel auch in Treviso und anderen Flughäfen einsetzt, die in Minutenschnelle für mehr Sicherheit im Luftraum sorgen. Schraubt sich einer der Greifvögel in die Luft, nehmen die anderen Vögel im Umkreis von einigen Quadratkilometern Reißaus. Damit ist dieses Verfahren wirkungsvoller als mechanische oder akustische Einrichtungen.

Für den Einsatz auf Marco Polo halten sich zwölf Greifvögel bereit. Nicht nur Wanderfalken, auch Bussarde und Habichte sind für den Dienst abgerichtet worden. Die Vögel stammen zum großen Teil nicht aus Italien. Man hat in Udine damit begonnen, Nachwuchs aus dem eigenen Bestand aufzuziehen.

Wer sich also in einem der großen Vögel nach Venedig aufmacht, kann sich beim Landeanflug neben der Lagune bequem zurücklehnen. Die hier landenden Maschinen bleiben von Vogelschwärmen unbehelligt. Also entspannt bleiben und geduldig auf das Gepäck warten, wenn man sicher herunter- und angekommen ist.

Abgezockt?

Pantalone und Anatoll Frustwächter im Gespräch

Pantalone und Anatoll Frustwächter im Gespräch

P: Du kommst gerade aus Rom zurück, wo der englische Regisseur Mike Leigh seinen neuen Film Mr. Turner in der Version für das italienische Publikum vorgestellt hat. Warum nicht in Venedig?Schließlich wäre das der angemessene Ort, wenn man bedenkt, wie begeistert Turner von Venedig war.

AF: Der Maler schon, der Regisseur wohl weniger.

P: Verstehst du das?

AF: Der Regisseur hat sich dahingehend geäußert, dass er Venedig meide, weil man da „geschröpft“, „ausgenommen“, „abgezockt“ werde, wenn man eine Bar auf dem Markusplatz besuche.

P: Nur weil ihm der Espresso im Florian oder Quadri zu teuer ist?

AF: So darf man das wohl deuten.

P: Was soll´s . Es kommen ja täglich neue Besucher, die sich nicht abschrecken lassen. Die sitzen da und genießen…

AF: … bis der Ober die Rechnung präsentiert.

P: Kein Genuss ohne Reue.

AF: Du sagst es. Dabei könnten die Bars ihren Ruf aufbessern.

P: Wie?

AF: Ich könnte mir vorstellen, dass sie gelegentlich – einmal am Tag, einmal in der Woche – einen Gast überraschen und auf Rechnung des Hauses bewirten.

P: Ohne Vorankündigung?

AF: Ohne Vorankündigung, ganz aus heiterem Himmel.

P: Das würde sich herumsprechen.

AF: Mit ein bißchen Nachhilfe….

 

Der englische Maler Joseph Mallord William Turner (1775 – 1851) hat mehr als 50 Ölbilder mit Venedig-Motiven geschaffen. In seinem Nachlass fand man 10 Bücher mit Hunderten von Skizzen.

Der Film Mr.Turner erhielt 2014 eine Auszeichnung in Cannes für die beste schauspielerische Leistung und ist zudem für mehrere Oscars 2015 nominiert.

Entwarnung für besorgte Touristen

Venedig-Reisende brauchen ihre Rollenkoffer nicht zu verschrotten. Eine Strafe von 500 € bei widerrechtlicher Nutzung ihres rollenden Gepäcks brauchen sie auch nicht zu fürchten. Dabei konnte man im Spiegel Online (21.11.14) genau das lesen: „Wer mit einem entsprechenden Koffer die Ruhe stört, soll nach dem Willen der städtischen Behörden künftig Bußgeld bis zu 500 € zahlen, wie die Stadtverwaltung erklärte.“ Weiterlesen

Auf der Suche nach dem Anfang einer Geschichte

 

Hier geht´s nach oben zur Kunstausstellung  (Foto R.W,)

Hier geht´s nach oben zur Kunstausstellung (Foto R.W,)

 

 

Das Luxuslabel Louis Vuitton leistet sich in Venedig den Luxus einer großzügigen Ausstellungsfläche für die Kunst. Auftragskunst, versteht sich. Gelungene Symbiose von Kunst und Kommerz, zu besichtigen in der dritten Etage über den Geschäftsräumen gleich hinter dem Markusplatz. Der Eingang zu den Räumen in der Calle del Ridotto 1353 (ein paar Schritte weiter ist die Hauptverwaltung der Biennale zu Hause) ist mit einem eher unauffälligen Schild gekennzeichnet: Espace Louis Vuitton Venezia.

 

Zur Zeit kann man da zwei Künstler bewundern, deren Biographien unterschiedlicher nicht sein können. Der eine, Mariano Fortuny, hat der Stadt ein ganzes Museum hinterlassen, den Palazzo Fortuny mit einer reichen Kunstsammlung, darunter ein Archiv mit über 1500 Schwarzweiß-Negativen mit Venedig-Motiven. Eine Auswahl wird nun als Bildsequenz gezeigt und vermittelt die Sicht des Künstlers auf die Stadt zu seiner Zeit. Fortuny starb 1949. Der andere, ein bekannter Manga-Künstler aus Japan, kam in die Stadt auf der Suche nach seiner Vergangenheit. Ob es gleichzeitig auch eine Auftragsarbeit der genannten Luxusfirma war, lassen wir offen.

Jiro Taniguchi (geboren 1957) zeigt uns als Comic-Sequenz in leichten Aquarell-Farben ein Venedig, das wir alle zu kennen glauben. Der Held in den Bildern, der sich in schmalen Gassen, auf Brücken und Treppen verläuft, erinnert an eine andere Comic-Figur, die sich schon vor ihm in allen Winkeln Venedigs herumtrieb: Corto Maltese, 1967 von dem italienischen Comic-Zeichner Hugo Pratt ins Leben gerufen, machte sich einen Namen als kenntnisreicher Venedig-Reiseführer.

 

Das anspielungsreiche Motto der Ausstellung „Sguardi incrociati a Venezia“ weist auf die unterschiedlichen Sichtweisen der Künstler hin. Fortuny betrachtete Venedig als Bühne und inszenierte seine Bilder entsprechend. Bei Taniguchi erleben wir Venedig leicht und schwebend zwischen Himmel und Wasser und seinen Helden mittendrin. Er scheint nicht zu wissen, dass in Venedig eine Geschichte immer und überall beginnen kann. Auch seine.

 

Espace Louis Vuitton Venice, Calle del Ridotto 1353

Mariano Fortuny und Jiro Taniguchi

Sguardi Incrociati a Venezia

noch bis 18.11.2014 zu sehen

Öffnungszeiten montags bis samstags 10.00 – 19.30 Uhr, sonntags 10.30 – 19.30 Uhr

Eintritt frei

 

Die lange Tradition der Abstraktion in Japan

Die Abstraktion eines Teehauses (Fotos R.W.)

Die Abstraktion eines Teehauses (Fotos R.W.)

Die künstlerischen Fotoarbeiten von Hiroshi Sugimoto (66) werden auf internationalen Ausstellungen gezeigt und sind bei Sammlern begehrt. Aber ist der japanische Fotograf mit Ateliers in Tokio und London auch Architekt? Bisher war er es nicht. Nun aber hat er in spielerischer Auseinandersetzung mit der traditionellen japanischen Teezeremonie für die Fondazione Cini ein gläsernes Teehaus entworfen, das man seit der Eröffnung der Architekturbiennale auf der Insel San Giorgio besuchen kann. Gegenüber den Stanze del Vetro, wo es wechselnde Ausstellunge zur venezianischen Glasbläserkunst zu bewundern gibt, findet man den etwas verstecken Eingang zum Gläsernen Teehaus Mondrian, an dem japanische Traditionalisten wohl einiges auszusetzen haben dürften. Weiterlesen

Katamaran PlanetSolar auf den Weltmeeren unterwegs

In Deutschland produziert, unter Schweizer Flagge (Foto R.W.)

In Deutschland produziert, unter Schweizer Flagge unterwegs (Foto R.W.)

In Venedig ist in diesen Tagen ein Schiff vor Anker gegangen, das nicht nur den Gegnern der Kreuzfahrtschiffe gefallen wird. Es ist in jeder Hinsicht eine Ausnahmerscheinung. Der futuristisch anmutende 35 Meter lange Katamaran PlanetSolar, ohne Mast und ohne Segel, dafür mit über 500 Quadratmetern Sonnenkollektoren auf dem Dach, hat seit seiner Jungfernfahrt vor anderthalb Jahren schon 60 000 Kilometer auf den Meeren unseres Planeten hinter sich gebracht und in 28 Ländern für Aufsehen gesorgt – unter den Augen der Freiheitsstatue von New York oder in Reichweite der Londoner Tower Bridge. Und das alles, ohne einen Liter Diesel verheizt zu haben. Weiterlesen

An der Liebe schwer zu tragen

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Zentnerschwer ist die Fracht der eisernen Liebesbeweise unter den Geländern der Accademia-Brücke, zurückgelassen von Pärchen aus allen Regionen der Welt. In Venedig ist man besorgt, ob die als sanierungsbedürftig definierte Holzbrücke das zunehmende Gewicht der Vorhängeschlösser noch lange ertragen kann.  Als unerträglich jedenfalls empfinden viele Venezianer diese Sitte/Unsitte, die ja nicht nur in Venedig vorkommt. Auch der Eiserne Steg in Frankfurt hat in dieser Beziehung schwer zu tragen, nur ist er von einem Zusammenbruch noch weit entfernt.

Schlösser auf dem Eisernen Steg in Frankfurt  (Foto R.W.)

Schlösser auf dem Eisernen Steg in Frankfurt (Foto R.W.)

 

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