Archiv der Kategorie: Leben in Venedig

War das etwa Christo?

Ein Provisorium wird repariert (Foto RW)

Ein Provisorium wird repariert (Foto RW)

Die Accademia-Brücke, eine von insgesamt vier Brücken, die den Canal Grande überspannen, zeigt sich verhüllt. Christo hätte es nicht besser machen können. Doch im Unterschied zum Künstler Christo, der nach so einer Verhüllungsperiode sein Objekt unverändert zurücklässt , soll die Brücke sich nach der Behandlung neuer Stabilität erfreuen. Die Brücke ist eigentlich ein Kuriosum. Sie wurde 1933 als Povisorium erbaut und mussste seitdem wiederholt repariert werden. Kein Wunder angesichts der vielen Millionen Füße, die seitdem schon darüber gelaufen, getrippelt und getrampelt sind, und der Unzahl von Schlössern, mit denen verliebte Pärchen die Geländer beschwert hatten.

Aufhören? Kommt für Gunter Demnig nicht in Frage!

Gunter Demnig im Auditorium Santa Margherita (Foto R.W.)

Gunter Demnig im Auditorium Santa Margherita  vor Studenten der Universität Ca Foscari in Venedig(Fotos R.W.)

Gunter Demnig ist ein außergewöhnlicher Künstler. Seine Kunst besteht darin, an Menschen zu erinnern, die während des Naziregimes in Vernichtungslagern umgekommen sind. Er hat dafür sogenannte Stolpersteine erfunden, auf denen die Namen und die Geburts- und Sterbedaten der Nazi-Opfer zu lesen sind. Diese pflastersteingroßen Gedenktafeln mauert er ein, wo die Menschen gelebt haben – in der Straße, vor dem Haus, wo ihnen die Freiheit und das Leben genommen wurde. An diesem Montag (22.1.18), der in der ganzen Welt als Holocaust-Gedenktag begangen wird, ist Gunter Demnig in Venedig. Das fünfte Mal schon; immer unter Mitwirkung des Deutschen Studienzentrums in Venedig.  Im Auditorium Santa Margherita der Universität Ca` Foscari erwarten ihn überwiegend junge Menschen, die selbst keine eigene Erinnerungen an die Verfolgung und Vernichtung von Juden, Sinti und Roma oder geistig behinderten Menschen haben. Sie sind gekommen, weil er heute für Olga Blumenthal einen Stolperstein ins Pflaster einmauern wird. Olga Blumenthal war bis zum 30. Oktober Dozentin an der Universität Ca Foscari. Auf ihrem Stein ist zu lesen: Weiterlesen

Wer hat Angst vor Schrott-Skulpturen?

Vom Schrottplatz? Nein, aus Venedig! (Foto R.W.)

Vom Schrottplatz? Nein, aus Venedig! (Foto R.W.)

Die fünfte Jahreszeit hat in diesem Monat begonnen. Das gilt zumindest für Deutschland, während man in Venedig oft den Eindruck hat, dass hier der Karneval niemals aufhört. Doch auch in Venedig macht man sich offensichtlich Gedanken über eine angemessene und gleichzeitig auffallende Kostümierung, wenn die Saison ihrem Höhepunkt zusteuert. Professionelle Karnevalisten tragen dann Masken. So ist das hier der Brauch. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch in diesen Markt Bewegung gekommen ist. Die traditionellen Masken haben Konkurrenz bekommen. Weiterlesen

Ein Wochenende im Oktober

Oh, wie so trügerisch... (Foto R.W.)

Oh, wie so trügerisch… (Foto R.W.)

Als Zeitungsleser hat man es nicht leicht, gutgelaunt die Nachrichten über das Geschehen in der Welt zu überstehen. Da liest man von Bienen, die es kaum noch gibt und bald überhaupt nicht mehr (wirklich?); dafür so gut wie gar nichts mehr über die Bewegung Pulse of Europe, die in diesem Sommer so vielversprechend die Städte Europas eroberte, während die Nachrichten aus Berlin, Paris, London und Rom sich zunehmend eintrüben, von Washington ganz zu schweigen. Doch da ein Lichtstrahl, der bis in das Jahr 2019 reicht: die Nachricht, man habe in Rom endlich die Lösung für das Problem mit den Kreuzfahrtschiffen gefunden, die als Aufreger Nummer 1 seit Jahren in Venedig und über Venedig hinaus negative Schlagzeilen machen. Weiterlesen

Anatoll Frustwächter auf Pistolettos Spuren

IMG_8563Pistoletto gibt auch mit über 80 Jahren keine Ruhe.

Wie? Hat er schon wieder Spiegel zerschlagen?

Diesmal hat er ein Buch geschrieben. Eine Art Manifest, in dem er bei der Entwicklung der Menschheit den Primat der Kunst vor Religion und Wissenschaft beansprucht.

Ein Weltveränderer also, der die bisherigen Machtverhältnisse auf den Kopf stellen will. Weiterlesen

Ein ungemachtes Bett

Vor der Arsenale-Mauer  (Foto R.W.)

Vor der Arsenale-Mauer (Foto R.W.)

Die Vermietung von Unterkünften in Venedig über Airbnb und andere Online-Vermittlungs-Portale hat in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. Es ist von über 27 000 Betten die Rede, an denen auch die Stadtverwaltung je Übernachtung 2 Euro verdient.Für den Schlafplatz auf der Schwelle zum Arsenale wurde unseres Wissens noch keine Gebühr erhoben.

 

Venezianische Bürger proben den Aufstand

Das sind Venezianer, nicht Touristen (Foto R.W.)

Das sind Venezianer, nicht Touristen (Fotos R.W.)

Mehr als 2000 Menschen unterschiedlichen Alters haben sich an einem heißen Sonntag im Juli vor den Löwen am Haupteingang des Arsenals von Venedig versammelt und sind mit Fahnen und Transparenten bis zum Reiterstandbild in der Nähe des Markusplatzes gezogen, um gegen das unzureichende Wohnraumangebot für Venezianer zu protestieren. Auch wir sind ein gutes Stück in dieser friedlich demonstrierenden Menschenmenge mitgelaufen, obwohl wir keine richtigen Venezianer sind. Weiterlesen

Stadt mit vielfältigem Gefahrenpotential

Die restaurierte Rialto-Brücke, im Hintegrund die Terrasse des neuen Luxuskaufhauses DFS

Die restaurierte Rialto-Brücke, im Hintegrund die Terrasse des neuen Luxuskaufhauses DFS (Foto R.W.)

Die Rialto-Brücke, 1591 als erste und lange Zeit einzige Überquerung über den Canal Grande erbaut, mußte im zurückliegenden Jahr aufwendig restauriert werden und ist nun seit einigen Monaten wieder ungehindert passierbar. Für Venezianer und Millionen Touristen, aber auch für Terroristen, die hier, wie jetzt berichtet, wohl einen Selbstmordanschlag verüben wollten, dem die italienische Polizei aber zuvorgekommen ist. Weiterlesen

Vielleicht der verlassenste Ort Venedigs

Gleich hinter der Porta dei Pensieri (Foto R.W.)

Gleich hinter der Porta dei Pensieri (Foto R.W.)

So friedlich ist das Fleckchen Erde hinter den hohen Mauern des Arsenale, wo in Zeiten der Serenissima die stolze Kriegsflotte der Republik Venedig gebaut und zu Wasser gelassen wurde. Die beiden Türme an der Ausfahrt erinnern noch an diese Zeit. Heute kommt man ohne Kontrolle und eher aus Versehen an diesen versteckten Platz, wenn man sich am Ende der Salizada Streta über die Brücke und durch die Porta dei Pensieri getraut hat. Dieser Durchbruch in der Arsenal-Mauer wurde vor einigen Jahren geschaffen, um während der Biennale die Besucherströme nach ihrem ausgedehnten Spaziergang durch die weitläufigen Ausstellungshallen wieder ins Freie zu entlassen. Nun ist er also auch in der umgekehrten Richtung begehbar: als Zugang zu einer gepflegten und baumbestandenen Grünfläche mit gekiesten Wegen, wo man selbtverloren ein Venedig erlebt, das sich da ganz still und ohne Hektik behauptet.

Viel Zulauf beim Marathonlauf in Venedig

Viel Platz zum Verschnaufen (Foto R.W.)

Viel Platz zum Verschnaufen (Foto R.W.)

Wenn Segler und Ruderer vor den Kulissen von Venedig ihren Spaß haben oder sich ins Zeug legen, um mehr oder weniger bedeutende Trophäen zu ergattern, spielt sich das ganze Geschehen unter den Augen der Venezianer ab. Bei Marathonläufern ist das anders. Die starten weit draußen auf dem Festland und laufen den größten Teil der vorgeschriebenen Strecke fern von Venedig, bis sie endlich die Lagune erreichen, wo sie über allerlei Brücken – wer hat sie gezählt? – und Rampen rumpeln und dabei den kürzesten Abschnitt der Gesamtstrecke vielleicht als den längsten erleben, bis sie schließlich in Castello kurz vor den Giardini ihr Ziel erreichen. Da allerdings werden sie gebührend bejubelt und gefeiert. Weiterlesen