Kategorie-Archiv: Leben in Venedig

Kein blaues Feigenblatt

Vor großen Schiffen wird gewarnt (Foto R.W.)

Vor großen Schiffen wird gewarnt (Foto R.W.)

Im April 2015 haben die Reedereien, deren Kreuzfahrtschiffe in Venedig vor Anker gehen, feierlich gelobt, dass ihre Schiffe beim Passieren der Zufahrt in die Lagune nur noch „sauberen“ Diesel verbrennen, und das Abkommen „Venice Blue Flag“ unterzeichnet. Damit sollte wenigstens eine der Forderungen des Aktionsbündnisses No Grandi Navi berücksichtigt werden, das unter anderem auf die Umweltbelastung hinweist, die bei der Verbrennung von „schmutzigem“ Diesel entsteht. Sauberer Diesel enthält nur 0,1 % Schwefel, während der „schmutzige“ Diesel, der auf hoher See als Treibstoff verbrannt wird, bis zu 3,5 % Schwefel enthält.

Einen Monat später wurde die „Neoclassica“ der Costa Crociere „erwischt“ , wie sie unverdrossen mit „schmutzigem“ Diesel zur Anlegestelle im Hafen unterwegs war. Das Bußgeld, das die Hafenbehörde daraufhin festsetzte, war happig: 30 000 €. Die Reederei verweigerte die Zahlung mit der interessanten Begründung, bei dem Abkommen „Venice Blue Flag“ handle es sich lediglich um eine freiwillige Vereinbarung, an die man sich nicht zu halten brauche. Welchen Wert derartige Vereinbarungen haben, ist damit klargestellt. Die „Neoclassica“ hat innerhalb von sieben Monaten den Hafen von Venedig siebzehn Mal angelaufen.

Nun hat ein Gericht entschieden, dass die Strafe rechtens und zu zahlen ist. Ob die Reederei gegen das Urteil Einspruch einlegen wird, ist nicht bekannt. In jedem Fall kann das Aktionsbündnis No Grandi Navi sich doppelt bestätigt fühlen. Erstens in der Erkenntnis der Wertlosigkeit von Abkommen, die man nicht einzuhalten gedenkt. Zweitens in der Höhe der Strafe, die erkennen läßt, dass die Verbrennung von „schmutzigem“ Diesel eine erhebliche Umweltbelastung darstellt. Ist das eine Genugtuung?

Warten auf Mosee…

Die Fahrrinne für Kreuzfahrtschiffe vor Lido (Foto R.W.)

Die Fahrrinne für Kreuzfahrtschiffe von der  Seeseite aus gesehen (Foto R.W.)

Der Sommer geht still zu Ende. Die Zufahrt für die Kreuzfahrtschiffe schimmert blau. Zur Zeit sind keine unterwegs. Ist wohl nicht ihr Tag. Im Hintergrund ahnt man die Baustelle für das Flutwehrsystem Mose, auf der inzwischen seit fast 30 Jahren gearbeitet wird. Mal mehr, mal weniger. Es kommt auf die Launen der Politik an und die verschlungenen Wege, die das Geld genommen hat, das bisher für das Projekt bewilligt worden ist. Inzwischen ist von einer Summe in der Größenordnung von fünf Milliarden Euro die Rede. Der Termin für die Fertigstellung musste immer wieder verschoben werden. So werden die Venezianer auch in diesem Jahr wieder damit leben müssen, dass im Herbst das Hochwasser je nach Wetterlage den Markusplatz und große Teile der Stadt überschwemmt. Weiterlesen

So tief, so seicht sind Venedigs Wasserwege

Auch heur ist für Nachwuchs gesorgt (Foto R.W.)

Auch heuer ist für Nachwuchs gesorgt (Foto R.W.)

Auf den Stadtplänen Venedigs erkennt man unschwer die Hauptverkehrsstraßen, über die Waren und Menschen an ihr Ziel gebracht werden: den Canal Grande, der sich durch die Stadtteile schlängelt, und den Giudecca Kanal, der so tief ausgebaggert wurde, dass er auch für Kreuzfahrtschiffe passierbar ist. Weiterlesen

Von großen und kleineren Vögeln

Die Start- und Landebahnen des Flughafens Marco Polo verlaufen parallel zum Ufer der Lagune von Venedig, wo sich neben Kleinvögeln auch Möwen und Seeschwalben tummeln und den Flugzeugen beim Landeanflug in die Quere kommen können. Um das zu verhindern, sind auf dem Flughafengelände seit 16 Jahren Falkner im Einsatz. Gessica di Leonardo aus Udine ist die einzige professionelle Falknerin, die das Handwerk bei ihrem Vater gelernt hat, der seine abgerichteten Greifvögel auch in Treviso und anderen Flughäfen einsetzt, die in Minutenschnelle für mehr Sicherheit im Luftraum sorgen. Schraubt sich einer der Greifvögel in die Luft, nehmen die anderen Vögel im Umkreis von einigen Quadratkilometern Reißaus. Damit ist dieses Verfahren wirkungsvoller als mechanische oder akustische Einrichtungen.

Für den Einsatz auf Marco Polo halten sich zwölf Greifvögel bereit. Nicht nur Wanderfalken, auch Bussarde und Habichte sind für den Dienst abgerichtet worden. Die Vögel stammen zum großen Teil nicht aus Italien. Man hat in Udine damit begonnen, Nachwuchs aus dem eigenen Bestand aufzuziehen.

Wer sich also in einem der großen Vögel nach Venedig aufmacht, kann sich beim Landeanflug neben der Lagune bequem zurücklehnen. Die hier landenden Maschinen bleiben von Vogelschwärmen unbehelligt. Also entspannt bleiben und geduldig auf das Gepäck warten, wenn man sicher herunter- und angekommen ist.

Sabbat-Vorschrift in neuem Licht

Die Sabbat-Vorschrift gebietet den Juden, an diesem Ruhetag auch wirklich Ruhe zu geben, das heißt keiner Arbeit nachzugehen und keine Gegenstände, ob Handelswaren oder private Dinge, außerhalb der eigenen vier Wände durch die Gegend zu tragen. So war es doch eine gute Idee des venezianischen Oberrabbiners, sich an den Bürgermeister Venedigs zu wenden und mit ihm zu vereinbaren, dass dieser mit einem Dekret das historische Venedig zu einem einzigen großen Haus erklärte. Der „Hausherr“ der historischen Stadt kam diesem Ersuchen gerne nach und erließ ein entsprechendes Dekret für die Dauer von fünf Jahren. Mit Wirkung vom 22. April 2016 dürfen jüdische Bürger und Besucher Venedigs die Stadt als ihr großes Wohnzimmer betrachten und sich darin auch samstags bewegen, ohne gegen die religiöse Vorschrift zu verstoßen. Damit reicht ihr Bewegungsradius von Cannaregio bis Castello. Diese Regelung wurde für den symbolischen Preis von zehn Euro gewährt und mit Brief und Siegel bestätigt.

Wie man sieht, sind auch strenge Vorschriften erträglich, wenn man sie angemessen zu interpretieren weiß. Ein Schelm, der Schlimmes dabei denkt.

500 Jahre Ghetto? Kein Grund zum Feiern!

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Bei der Erinnerung an das Ghetto, das vor 500 Jahren in Venedig eingerichtet wurde, gibt es nichts zu feiern, sondern nur auf eine Tragödie hinzuweisen. So äußerte sich der Präsident der Jüdischen Gemeinde Italiens, Renzo Gattegna, in Rom in Anwesenheit des Bürgermeisters von Venedig und des Präsidenten der Region Veneto während der offiziellen Vorstellung des Veranstaltungsprogramms zur Erinnerung an das historische Datum. Weiterlesen

Wohin mit den Zigaretten-Kippen?

IMG_4824Aschenbecher tragen zur Verschönerung des Stadtbildes bei (Foto R.W.)

Vielleicht gibt es in der Lagune eine Gottheit, die wir als Vaporetto-Passagiere mit Rauch-Opfern bei Laune halten müssen. Dieser Gedanke kommt mir manchmal, wenn ich an den Pontons für die Linien-Boote Menschen beobachte, die sich in aller Eile noch eine Zigarette anzünden ,um sie nach wenigen Zügen ins Wasser zu werfen, weil auf dem Boot selbst nicht geraucht werden darf. Haben diese Menschen ein Rauch-Opfer dargebracht, mit dem sie dazu beitragen wollen, dass Boot und Passagiere wohlbehalten ihr Ziel erreichen? Wer weiß. Soll ich als Nichtraucher ein schlechtes Gewissen haben, dass ich mich an diesem Ritual nicht beteilige? Weiterlesen

Die unmögliche Stadt

Wann ist Venedig menschenleer? (Foto R.W.)

Wann ist Venedig menschenleer? (Foto R.W.)

Da gibt es im Mittelmeer an der nordöstlichen Seite des italienischen Stiefels einen Bereich, der auf den Landkarten als Golf von Venedig bezeichnet wird. Angrenzend an das Festland hat sich dort eine Lagune gebildet . Das Festland dahinter ist eben, die Alpen sind gut hundert Kilometer entfernt. Von dort ergießen sich einige Flüsse in das recht flache Wasser der Lagune und hinterlassen ihre Fracht auf dem Grund. Nach und nach entstehen einige Inseln, die als Nehrungen eine Barriere zum offenen Meer bilden. In der Lagune selbst entstehen ebenfalls kleine Inseln, die sich begrünen und allerlei Tieren Unterschlupf bieten. Von menschlichen Ansiedlungen bis in das 9. Jahrhundert kaum eine Spur. Weiterlesen

Hase und Igel im Luxus-Segment

Das erste Luxuskaufhaus an der Rialto-Brücke bleibt nicht allein

Das erste Luxuskaufhaus an der Rialto-Brücke bleibt nicht mehr lange allein

Das seit mehr als einem Jahr verhüllte Gebäude des Fondaco dei Tedeschi an der Rialto-Brücke beherbergte im Mittelalter Kaufleute aus Deutschland. Es war der Ort, wo sie ihre Geschäfte unter den Augen der Serenissima abwickeln durften. Da wurde über die Preise von Seide und anderen Luxuswaren aus dem fernen Osten verhandelt. Vor gar nicht so langer Zeit diente es noch als zentrales Postamt Vendigs. Das ist Geschichte. Weiterlesen