Archiv der Kategorie: Leben in Venedig

Perlentaucher? Eher nicht

Ein schwimmender Müllsammler

Die Lagunenstadt Venedig besteht aus einer Ansammlung von 124 mehr oder weniger großen Inseln, die von mehr oder weniger breiten Kanälen umspült und voneinander getrennt werden.
Rechnet man die Oberfläche all dieser Kanäle in der Stadt zusammen, ergibt sich eine Fläche von einem Quadratkilometer. Auf diesem Quadratkilometer spielt sich der Hauptverkehr innerhalb der Lagunenstadt ab. Weiterlesen

Schaulaufen

Das ist doch wohl nicht eine Wahlurne? (Foto R.W.)

In Venedig stellen sich im September die Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters zur Wahl und werben für sich. Gerne auch schriftlich. Nicht immer mit dem erwünschen Ergebnis, wie man sieht. Hier hat sich ein Wähler wohl schon entschieden. Der amtierende Bürgermeisters, der sich erneut zur Wahl stellt, ist im Papierkorb gelandet. Doch am Ende kommt es auf die Auszählung der Stimmzettel in der Wahlurne an. Warten wir´s ab.

Im Osten Venedigs leuchtet es rot

Ganz im Einklang mit den Abstandsregeln (Foto R.W.)

 

Man kann es mit den Abstandsregeln auch zu gut meinen. Andrerseits schadet es ja nicht. Denn unter den Pinien, Platanen und Ginkgobäumen ist genug Platz für diesen Luxus, den man sich im östlichsten Wohnbezirk Venedigs leistet. Mehr als hundert frisch gestrichene Bänke sind rings um das Wohngebiet und auf den Plätzen zwischen den Wohnblocks von S. Elena verteilt. Damit ist S. Elena trotz der großzügigen Abstände zwischen den leuchtend roten Bänken der Bezirk mit der größten Bank-Dichte Venedigs. Weiterlesen

Noch so ein Wunder

Keep your distance. Das gilt auch für Meerjungfrauen und  Blue Moon (Foto R.W.)

Haben wir schon mal einen blauen Mond gesehen? Am Himmel nicht. Doch auf der Insel Lido gibt es einen Ort, der sich seit Jahrzehnten so nennt. Genau genommen seit der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Da hat man die von der deutschen Wehrmacht gegen Ende des Krieges in die Luft gesprengte Bade-Einrichtung bald wieder aufgebaut und sie „Blue Moon“ genannt. Schließlich hatte man hier im 19. Jahrhundert den Badespaß auf Lido sozusagen erfunden, und Häuser wie das Grand Hotel Des Baines gegenüber zehrten auch von dieser Erinnerung an die Badefreuden in besseren Zeiten. Weiterlesen

Nicht nur auf Lido ist Saison

Hier sind die Venezianer unter sich (Foto R.W.)

Wie kann es anders sein bei einer Stadt, die sich gern über Superlative definiert. So ist auch das Strandleben auf Lido keine Überraschung. Die langgestreckte Düneninsel, die die Lagune Venedigs nach Osten hin vom Mittelmeer trennt, bietet auf zwölf Kilometern eine durchorganisierte und bewirtschaftete Einnahmequelle, und das seit gut hundert Jahren, wie man als belesener Kenner Venedigs weiß. Nur ist es diesmal nicht mehr das Hotel Des Baines, das den Vogel an Exklusivität abschießt. Das Hotel selbst ist seit Jahren eine dahinsiechende Baustelle, doch der Strand auf der Seeseite wird weiter bewirtschaftet. Wer hier eine Capanna für die gesamte Saison mietet, muss mit über 8000 Euro rechnen. Dafür gibt es eine verschließbare Hütte mit Liege, einige Stühle und drei Sonnenschirme. Einige hundert Meter weiter südlich ist das Hotel Excelsior, wo eine Einrichtung mit ähnlicher Ausstattung noch 1000 Euro mehr kostet. Wer sich nicht während der ganzen Saison am Strand lümmeln will und schon nach einem Tag genug hat, ist mit 453 Euro dabei. Weiterlesen

Kann es sein, dass es in Venedig so viele Schild-Bürger gibt?

Solche Schilder prangen jetzt an vielen Eingangstüren (Foto R.W.)

Kann es sein, dass jeder fünfte Venezianer ein Schild-Bürger ist? In einem ausführlichen Beitrag der New York Times lesen wir, wie man sich die Zeit nach der Pandemie in Venedig vorstellen darf. Es wird vielleicht weniger Tagestouristen geben, denn man hat wohl gelernt, dass Tourismus als Monokultur nicht die Lösung ist. Aber mit den Besuchern, die entweder in Hotels logieren werden oder ihre Bleibe in privat vermieteten Wohnungen finden, rechnet man auch in Zukunft. In ihren besten Zeiten hat die Hotelbranche im Jahr über 10 Millionen Gäste beherbergt, nicht zu vergessen die knapp 10 000 Ferienwohnungen, die man über diverse Online-Portale vermittelt bekommt. Damit hat Venedig den Spitzenplatz im Verhältnis von angebotenen Ferienunterkünften zur Einwohnerzahl, auf den sie kaum stolz sein dürfte. Weiterlesen

Blumenpracht in den Giardini Reali hinterm Markusplatz

Agapanthus und Hortensien locken zweibeinige wie flugfähige Besucher an (Foto: R.W.)

Im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wurde hinter den Prokuratien am Markusplatz ein Stück Land planiert, auf dem eine Gartenanlage entstehen sollte. Damals war Venedig noch Teil des österreichischen Kaiserreichs. Seitdem sind zweihundert Jahre ins Land gegangen, und in den Giardini Reali können sich seit Dezember 2019 ganz normale Menschen ergehen, ohne dass sie der Kaiserin Sissi oder anderen Royals in die Quere kommen. Weiterlesen

Ein Macher will´s noch einmal wissen

Eine verpasste Gelegenheit für den Sindaco

Als Luigi Brugnaro, erfolgreicher Geschäftsmann im Veneto, dem unter anderem der erfolgreiche Basketball-Verein Reyer gehört, seine politischen Ambitionen entdeckte und sich als Parteiloser um die Position des Bürgermeisters von Venedig bewarb, waren die Verhältnisse für die Stadtverwaltung mehr als desaströs. Der amtierende Bürgermeister Girogio Orsoni, dessen Amtszeit in Ca`Farsetti offiziell im Jahr 2015 geendet hätte, musste ein Jahr früher zurücktreten, weil gegen ihn wegen illegaler Spendengelder im Zusammenhang mit seinem Wahlkampf ermittelt wurde. Die Restzeit der Amtsperiode absolvierte Vittorio Zappalorto kommissarisch, bis sein gewählter Nachfolger Brugnaro das Amt übernehmen konnte. Ganz ohne Schwarzgeld. Weiterlesen