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Basilica San Marco schamverhüllt

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Ein Rundblick auf dem Markusplatz (Fotos R.W.)

Ist das noch Venedigs gute Stube, wie wir sie kennen und bewundern? Wohin man blickt, verhüllte Fassaden. Die Basilika des heiligen Markus verbirgt sich hinter einem Baugerüst, das Museo Correr gegenüber täuscht eine Filmleinwand vor. Aber da ist gar kein Freilichtkino. Verhüllt auch die beiden berühmten Cafés Florian und Quadri. Immerhin verkünden angeheftete Zettel am Baugerüst, dass im Florian drinnen weiter bedient wird. So trotzt man den Widrigkeiten der Zeit. Weiterlesen

Aria fritta

Fast will es einem scheinen, als verginge kein Tag, an dem nicht irgendwo ein neues Buch über Venedig vorgestellt wird. Im ehrwürdigen Vortragssaal des Ateneo Veneto geschah dies in kurzer Folge schon zum zweiten Mal. Der Titel des zweiten Buches, das hier vorgestellt wurde, läßt schon ahnen, woher der Wind weht: “Quando c´erano i Veneziani” (Als es noch Venezianer gab). Und man wird nicht enttäuscht. Es geht um die Erinnerungen von einem Dutzend prominenten Venezianern reinsten Wassers (DOC, wie man hier gerne sagt), die mit ihrer Sorge um das Venedig von heute der Zustimmung aller Anwesenden – in der Mehrzahl ebenfalls Venezianer DOC in vorgerücktem Alter – sicher sein können. Weiterlesen

Teurer Obolus

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Die letzte Fahrt zur Friedhofsinsel wird teuer (Foto R.W.)

Mit dem Obolus, den man einem Verstorbenen für die Überfahrt in den Hades mitgab, käme man in Venedig nicht weit. Abgesehen davon, dass die Entfernung von den bewohnten Hauptinseln zur Friedhofsinsel S. Michele sicher größer ist als die zwischen den Ufern des Styx, lassen sich die Charonten von heute – das heißt die Bestattungsunternehmen Venedigs – mit kleiner Münze nicht abspeisen. Weiterlesen

Spessart-Connection

Auf der S-Bahn-Station im Frankfurter Flughafen stehen zwei Leute etwas ratlos vor dem Ticket-Automaten. Haben wir die nicht schon auf dem Flughafen in Venedig gesehen? Das sind wohl Italiener aus dem Veneto, die Hilfe brauchen. In unserem besten Italienisch fragen wir, wohin sie wollen, und bekommen zur Antwort: Nach Schöllkrippen. Abends um zehn. Diesen Ort kennt der Automat nicht. Ist ja auch schon in Bayern. Aber Hanau ist auf der Liste. Für Hanau gibt es sogar eine eigene Taste. Also zückt der junge Mann mit Augenbrauen-Piercing und einem (!) enzianblau lackierten Fingernagel einen Zehn-Euro-Schein, dann gleich noch einen für die Begleiterin. Die S-Bahn nach Hanau kommt in wenigen Minuten.Von dort kann man ja im Taxi weiter. Weiterlesen

Murano oder China?

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Auch wenn Murano drauf steht, kann man nicht sicher sein (Foto R.W.)

Als hätten wir das nicht schon längst gewußt: Nicht alles, wo Murano draufsteht, verdankt seine Entstehung und Gestalt den geschickten Händen und dem ausdauernden Atem eines professionellen Glasbläsers der berühmten Insel. Touristen, die sich in den Souvenirshops die bunten Glasfiguren für ein oder zwei Euro das Stück einpacken lassen, werden kaum aus allen Wolken fallen, wenn man ihnen sagt, dass sie Produkte made in China erstanden haben. Weiterlesen

Radeln auf Lido

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Schrotträder mutieren zu Skulpturen, wenn sie den richtigen Platz gefunden haben (Fotos R.W.)

Ein bequemes Fortbewegungsmittel auf Lido ist das Fahrrad. Von der Nordspitze der Insel bis zur Fähre im Süden und wieder zurück kann man sich einige Dutzend Kilometer weit abstrampeln. Wem das nicht genügt, setzt die Radelei auf Pellestrina fort. Weiterlesen

Standing forward

voga-longa1gondoliere-allein-im-bootzwei-ruderergondel-sturmisch Fotos: R.W.

Es war für die Menschen ja mühsam genug, sich an den aufrechten Gang zu gewöhnen. Da ist es verständlich, dass man ihn auch auf dem Wasser beibehalten will. Die Venezianer haben nach ihrem Rückzug vom Festland auf die sumpfigen Inseln der Lagune vor gut tausend Jahren eine Variante des aufrechten Gangs entwickelt und zur Perfektion gebracht: das Rudern im Stehen. So kann man sie bis heute noch sehen. Mal lässig, mal mühsam, mal einzeln, mal im Team durchqueren sie stehend die Lagune. Standing forward. Weiterlesen

Januar-Impressionen

Gemächlich auf stillen Kanälen zieht die Gondel (Foto R.W.)

Gemächlich auf stillen Kanälen (Foto R.W.)

Venedig im Januar. Da hat man die Stadt – fast – für sich allein. Da nimmt man alles etwas anders wahr. Die Brücken und Uferpromenaden zum Beispiel. Die waren im Sommer immer zu eng. Jetzt sind sie breit und menschenleer. Ach ja, die Verkaufsstände sind auch spärlicher. Ebenso der Verkehr auf den Kanälen. Hin und wieder eine Gondel, die Vaporetti höchstens halbvoll. Die Menschen tragen Pelz oder wattierte Jacken, zeigen selbstgefällig ihre gebräunten Gesichter, frisch von der Piste zurück. Die Kinder sind eingemummelt, als ginge es zum Nordpol. Weiterlesen

Ein Fall von Haarspalterei

Pantalone und Anatoll Frustwächter treffen sich zu einer Unterhaltung über das Neue Jahr

Pantalone und Anatoll Frustwächter treffen sich zu einer Unterhaltung über das Neue Jahr

Du hast sicherlich auch die Neujahrsansprache des Bürgermeisters von Venedig angesehen?

Wieso angesehen? Hat er denn nichts gesagt?

Das auch. Aber ich habe noch mehr seine Haarpracht bewundert. Volles dunkles Haar umrahmte sein Haupt vom Scheitel bis zum Kinn.

Verstehe. Da kann mancher neidisch werden.

Ja. Zum Beispiel der Ministerpräsident von Italien.

Silvio B.? Den gab es in diesen Tagen ja auch zu sehen. Ohne Pflaster im Gesicht *).

Und man konnte wieder einmal deutlich sehen, wo ihm die Haare fehlen.

Wie hätten ihm nach dem scheußlichen Domwurf neue Haare gewachsen sein können.

Er hat sich in der Vergangenheit mit Haartransplantationen beholfen.

Der Unterschied ist jedenfalls evident und eklatant.

Welcher Unterschied?

Der zwischen dem Bürgermeister und dem Ministerpräsidenten.

An den Haaren herbeigezogen!

Ich gebe hiermit zu Protokoll, dass ich diesen Unterschied zwischen B. und C. erkannt und thematisiert habe.

Haarspalterei!

Das spielt keine Rolle. So subjektiv und marginal meine Feststellung auch sei, sie wird in diesem Augenblick zu einem objektiven Tatbestand.

Aber das kann doch jeder sehen.

Was?

Dass B. eine Stirnglatze hat, während C…

Genau das ist. Ich habe jetzt einen neuen Zusammenhang zwischen beiden hergestellt. Auf der Basis einer Stirnglatze und der Haarpracht unseres Bürgermeisters.

Subjektiv wie objektiv ist jetzt also damit zu rechnen, dass manche Menschen sich damit beschäftigen, wieviele Haare weniger B. und wieviele mehr C. hat, der eine noch Ministerpräsident, der andere bald nicht mehr Bürgermeister?

Ja. Ist das nicht wunderbar?

Was ist daran wunderbar? Welchen Nutzen für die Welt oder für die politische Kultur Italiens hat das?

Da fragste mich was.

*) Mehrere Wochen nach dem Angriff eines geistig Verwirrten (?) auf den italienischen Ministerpräsidenten – der wurde von der Nachbildung des Mailänder Doms im Gesicht getroffen – zeigte sich Silvio B. wieder in der Öffentlichkeit, ohne Verbände und Pflaster im Gesicht.

Code Orange

Die Wasserstände in Venedig werden täglich in dieser Grafik gezeigt (Qelle: Commune di Venezia)

Die Wasserstände in Venedig werden täglich in dieser Grafik gezeigt (Qelle: Commune di Venezia)

Am Morgen des 30. November 2009 konnten die Venezianer nur in Gummistiefeln ihren Arbeitspaltz erreichen. Schon 24 Stunden vorher hatte sie die Nachricht erreicht, daß das Hochwasser über 100 cm erreichen würde, zum fünften Mal in diesem Monat. Es wurden dann auch 131 cm gemessen, der höchste Wert des Monats. Wer rund um den Markusplatz sein Geschäft hat, muß sich in solchen Fällen ranhalten, um die Waren vor den Fluten in Sicherheit zu bringen. Weiterlesen