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Orakelt wie gerakelt

Tiziano Vecellio: l´ Annunciazione  (Fotos R.W.)

Gerhard Richter: Verkündigung nach Tizian

 

Gerhard Richter, inzwischen weltbekannter Maler in der Kunstwelt zu Beginn des dritten Jahrtausends nach Christus, hatte im zurückliegenden Jahrhundert, genauer 1973 eine Begegnung mit dem seinerzeit ebenso berühmten Renaissance-Maler Tizianao Vecellio. Nicht persönlich und nicht direkt, sondern vermittels eines Bildes, das wohl 1522 entstanden war und nun in der Scuola Grande di San Rocco in Venedig aufbewahrt wird. Auf diesem Bild ist dargestellt, wie der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria verkündet, dass sie in wenigen Monaten Gottes Sohn zur Welt bringen werde. Dieses Motiv der Verkündigung war in der christlichen Malerei sehr beliebt, und es gibt wohl kaum einen unter den gefragten Malern jener Zeit, der nicht wenigstens ein Bild zu diesem Thema zurückgelassen hat. Das Bild in der Scuola di San Rocco fand Richter so eindrucksvoll, dass er es am liebsten mitgenommen hätte. Da das aber ausgeschlossen war, beschloss der Maler, die Verkündigung Tizians nachzumalen. So entstanden mehrere Bilder, die in Richters Werkverzeichnis als Verkündigung nach Tizian bezeichnet werden. Weiterlesen

Aufhören? Kommt für Gunter Demnig nicht in Frage!

Gunter Demnig im Auditorium Santa Margherita (Foto R.W.)

Gunter Demnig im Auditorium Santa Margherita  vor Studenten der Universität Ca Foscari in Venedig(Fotos R.W.)

Gunter Demnig ist ein außergewöhnlicher Künstler. Seine Kunst besteht darin, an Menschen zu erinnern, die während des Naziregimes in Vernichtungslagern umgekommen sind. Er hat dafür sogenannte Stolpersteine erfunden, auf denen die Namen und die Geburts- und Sterbedaten der Nazi-Opfer zu lesen sind. Diese pflastersteingroßen Gedenktafeln mauert er ein, wo die Menschen gelebt haben – in der Straße, vor dem Haus, wo ihnen die Freiheit und das Leben genommen wurde. An diesem Montag (22.1.18), der in der ganzen Welt als Holocaust-Gedenktag begangen wird, ist Gunter Demnig in Venedig. Das fünfte Mal schon; immer unter Mitwirkung des Deutschen Studienzentrums in Venedig.  Im Auditorium Santa Margherita der Universität Ca` Foscari erwarten ihn überwiegend junge Menschen, die selbst keine eigene Erinnerungen an die Verfolgung und Vernichtung von Juden, Sinti und Roma oder geistig behinderten Menschen haben. Sie sind gekommen, weil er heute für Olga Blumenthal einen Stolperstein ins Pflaster einmauern wird. Olga Blumenthal war bis zum 30. Oktober Dozentin an der Universität Ca Foscari. Auf ihrem Stein ist zu lesen: Weiterlesen

Ein Schulschiff auf weltweiter Friedensmission

Die Amerigo Vespucci an der Riva di Biasio

Die Amerigo Vespucci an der Riva di Biasio

Das Schulschiff Amerigo Vespucci der italienischen Marine liegt in diesen Tagen im Bacino von Venedig vor Anker. Eine der vielen Haltestellen, die das prächtige Segelschiff auf einer monatelangen Reise entlang der amerikanischen Atlantikküste anlief, bis es schließlich Anfang September wieder das Mittelmeer erreichte und hier während einer Rundreise rund um Italiens Küsten unter anderem in Livorno, Civitavecchia, Chioggia und jetzt auch Venedig besucht und hier zahlreiche Besucher anlockt. In diesem Jahr kommt hinzu, dass in Venedig zur gleichen Zeit ein Symposium der Seestreitkräfte des Mittelmeers und des Schwarzen Meers stattfindet. Ob die Teilnehmer dieser Veranstaltung in Nostalgie schwelgen werden angesichts des Dreimasters, der gar nicht so martialisch daherkommt? Die Schiffe, die der US-Präsident im Indischen Ozean vor Koreas Küste in Position bringt, sehen irgendwie bedrohlicher aus. Da bleiben wir doch lieber im Mittelmeer.

Wer hätte das gedacht: Ein ganz neues Narrativ für Finnland!

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Das ist Geb, einer der Schöpfer Finnlands (Foto R.W.)

Pantalone und Anatoll Frustwächter haben ihren Rundgang auf der Kunstbiennale fortgesetzt und sind fast eine Stunde im Finnischen Pavillon geblieben. Hier ist zu lesen, was sie sich anschließend erzählten.
Die Geschichte Finnlands erscheint während der diesjährigen Kunstbiennale in einem ganz anderen Licht.

Wie darf man das verstehen?

Historisch oder besser noch prähistorisch.

Das versteht man ja noch weniger. Weiterlesen

In Castello tut sich was

Toilette mit Wickelraum (Foto R.W.)

Toilette mit Wickelraum (Foto R.W.)

Vor einigen Tagen ist mir ein Zettel in die Hände gefallen, in dem die Bürger von Castello zu einer Versammlung eingeladen hatten, in der sie ihre Unzufriedenheit über den mangelnden Service der Stadt zum Ausdruck bringen wollten. Die Veranstaltung liegt einige Monate zurück. Wir wollten einmal miterleben, wie hier Bürgerbeteiligung funktioniert, und spielten Mäuschen. Mein Tagebucheintrag vom 19. Mai: Weiterlesen

Frühling ist den ganzen Winter

Schmeckt roh und gekocht (Foto R.W.)

Schmeckt roh und gekocht (Foto R.W.)

Die Marktstände sind ergrünt, als wäre schon Frühling. Es gibt allerlei Krautiges zum Kochen, für Salate, als Zutat für eine Pasta. Auffallend viele der grünen Angebote stammen von einer Wildpflanze ab, die auch in Deutschland verbreitet ist und gerne an Wegrändern wächst. Daher ihr Name Wegwarte. In Italien kommt sie als Kulturpflanze vor: als Radicchio, Catalogna (Blattzichorie) oder Puntarella. Letztere ist ein Gewächs, das sich von Latium bis in das Veneto vorgearbeitet hat. Dabei war es schon mal in ganz Europa bekannt und beliebt. Hildegard von Bingen wußte seine gesundheitliche Wirkung zu loben, bei den Griechen der vorchristlichen Zeit war es auch für Zaubertränke gut.
Nun also bereichert die Puntarella den Speisezettel auch in Venedig, und die Hausfrauen an den Ständen tauschen ihre Erfahrungen aus mit dem buschigen Gewächs. Kann man die Außenblätter verwenden oder nur die Rosette im Inneren? Wie schmeckt die Puntarella als Salat, wie kocht man sie? Ja, wenn man in Rom lebte, braucht man sich diese Fragen nicht zu stellen. Da kommt sie, wie die Blattzichorie, ganz selbstverständlich in die Töpfe und auf den Tisch.

Giudecca als Hort der Künste

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Ulrich Tukur hat hier viele Fans (Fotos R.W.)

Giudecca ist in Venedig ein besonderer Stadtteil. Dabei kommt er – als siebenter Stadtteil – in der Aufzählung der Sestiere gar nicht vor. Doch tut man dort einiges, um nicht übersehen und vergessen zu werden. Mitte September fand in diesem Jahr zum dritten Mal die bunte Schau „LiberArti“ statt., und man gewann dafür auch Menschen, die nicht in diesem Stadtteil groß geworden sind, aber als Zugereiste gern hier leben. Da hatte man drei Tage lang Gelegenheit, das ganze Spektrum der künstlerischen Aktivitäten dieses Stadtteils zu erleben. Als Besucher hatte man den Eindruck eines großen Familienfestes. Weiterlesen

Museo della Gondola

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Die Gondelwerft von San Trovaso  soll Museo della Gondola werden (Foto R.W.)

Gibt es in Venedig zu wenig Museen? Ganz abgesehen davon, dass manche behaupten, die Stadt selbst sei ja Museum genug, hat man in der Stadtverwaltung über diese Frage wohl schon länger nachgedacht und ist schließlich – blitzartig! – darauf gekommen, dass da wohl noch ein Gondelmuseum fehlt. Rasche Abhilfe ist nun beschlossen. Für die Einrichtung eines Gondelmuseums werden 400 000 € locker gemacht, weitere 200 000 € sollen von Sponsoren hinzukommen. Das reicht für den Anfang. Weiterlesen