Im Osten Venedigs leuchtet es rot

Ganz im Einklang mit den Abstandsregeln (Foto R.W.)

 

Man kann es mit den Abstandsregeln auch zu gut meinen. Andrerseits schadet es ja nicht. Denn unter den Pinien, Platanen und Ginkgobäumen ist genug Platz für diesen Luxus, den man sich im östlichsten Wohnbezirk Venedigs leistet. Mehr als hundert frisch gestrichene Bänke sind rings um das Wohngebiet und auf den Plätzen zwischen den Wohnblocks von S. Elena verteilt. Damit ist S. Elena trotz der großzügigen Abstände zwischen den leuchtend roten Bänken der Bezirk mit der größten Bank-Dichte Venedigs. Weiterlesen

Noch so ein Wunder

Keep your distance. Das gilt auch für Meerjungfrauen und  Blue Moon (Foto R.W.)

Haben wir schon mal einen blauen Mond gesehen? Am Himmel nicht. Doch auf der Insel Lido gibt es einen Ort, der sich seit Jahrzehnten so nennt. Genau genommen seit der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Da hat man die von der deutschen Wehrmacht gegen Ende des Krieges in die Luft gesprengte Bade-Einrichtung bald wieder aufgebaut und sie „Blue Moon“ genannt. Schließlich hatte man hier im 19. Jahrhundert den Badespaß auf Lido sozusagen erfunden, und Häuser wie das Grand Hotel Des Baines gegenüber zehrten auch von dieser Erinnerung an die Badefreuden in besseren Zeiten. Weiterlesen

Nicht nur auf Lido ist Saison

Hier sind die Venezianer unter sich (Foto R.W.)

Wie kann es anders sein bei einer Stadt, die sich gern über Superlative definiert. So ist auch das Strandleben auf Lido keine Überraschung. Die langgestreckte Düneninsel, die die Lagune Venedigs nach Osten hin vom Mittelmeer trennt, bietet auf zwölf Kilometern eine durchorganisierte und bewirtschaftete Einnahmequelle, und das seit gut hundert Jahren, wie man als belesener Kenner Venedigs weiß. Nur ist es diesmal nicht mehr das Hotel Des Baines, das den Vogel an Exklusivität abschießt. Das Hotel selbst ist seit Jahren eine dahinsiechende Baustelle, doch der Strand auf der Seeseite wird weiter bewirtschaftet. Wer hier eine Capanna für die gesamte Saison mietet, muss mit über 8000 Euro rechnen. Dafür gibt es eine verschließbare Hütte mit Liege, einige Stühle und drei Sonnenschirme. Einige hundert Meter weiter südlich ist das Hotel Excelsior, wo eine Einrichtung mit ähnlicher Ausstattung noch 1000 Euro mehr kostet. Wer sich nicht während der ganzen Saison am Strand lümmeln will und schon nach einem Tag genug hat, ist mit 453 Euro dabei. Weiterlesen

Kann es sein, dass es in Venedig so viele Schild-Bürger gibt?

Solche Schilder prangen jetzt an vielen Eingangstüren (Foto R.W.)

Kann es sein, dass jeder fünfte Venezianer ein Schild-Bürger ist? In einem ausführlichen Beitrag der New York Times lesen wir, wie man sich die Zeit nach der Pandemie in Venedig vorstellen darf. Es wird vielleicht weniger Tagestouristen geben, denn man hat wohl gelernt, dass Tourismus als Monokultur nicht die Lösung ist. Aber mit den Besuchern, die entweder in Hotels logieren werden oder ihre Bleibe in privat vermieteten Wohnungen finden, rechnet man auch in Zukunft. In ihren besten Zeiten hat die Hotelbranche im Jahr über 10 Millionen Gäste beherbergt, nicht zu vergessen die knapp 10 000 Ferienwohnungen, die man über diverse Online-Portale vermittelt bekommt. Damit hat Venedig den Spitzenplatz im Verhältnis von angebotenen Ferienunterkünften zur Einwohnerzahl, auf den sie kaum stolz sein dürfte. Weiterlesen

Blumenpracht in den Giardini Reali hinterm Markusplatz

Agapanthus und Hortensien locken zweibeinige wie flugfähige Besucher an (Foto: R.W.)

Im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wurde hinter den Prokuratien am Markusplatz ein Stück Land planiert, auf dem eine Gartenanlage entstehen sollte. Damals war Venedig noch Teil des österreichischen Kaiserreichs. Seitdem sind zweihundert Jahre ins Land gegangen, und in den Giardini Reali können sich seit Dezember 2019 ganz normale Menschen ergehen, ohne dass sie der Kaiserin Sissi oder anderen Royals in die Quere kommen. Weiterlesen

Ein Macher will´s noch einmal wissen

Eine verpasste Gelegenheit für den Sindaco

Als Luigi Brugnaro, erfolgreicher Geschäftsmann im Veneto, dem unter anderem der erfolgreiche Basketball-Verein Reyer gehört, seine politischen Ambitionen entdeckte und sich als Parteiloser um die Position des Bürgermeisters von Venedig bewarb, waren die Verhältnisse für die Stadtverwaltung mehr als desaströs. Der amtierende Bürgermeister Girogio Orsoni, dessen Amtszeit in Ca`Farsetti offiziell im Jahr 2015 geendet hätte, musste ein Jahr früher zurücktreten, weil gegen ihn wegen illegaler Spendengelder im Zusammenhang mit seinem Wahlkampf ermittelt wurde. Die Restzeit der Amtsperiode absolvierte Vittorio Zappalorto kommissarisch, bis sein gewählter Nachfolger Brugnaro das Amt übernehmen konnte. Ganz ohne Schwarzgeld. Weiterlesen

OVOVIA? Ei, weg damit!

Calatravas Brücke zwischen Bahnhof und Piazzale Roma  ohne Raumkapsel (Foto R.W.)

Venedig war in früheren Zeiten nur mit schwimmenden Fahrzeugen zu erreichen. Das ist lange her. Heute kommen die Leute entweder mit der Bahn oder mit Pkw und Bus und sind dann schon an der belebtesten Verkehrsstraße Venedigs, am Canal Grande angekommen. Bahnreisende auf einer Seite des Kanals, Autoreisende auf der anderen. Da war es doch eine gute Idee, den Ankömmlingen eine Brücke zu bauen, damit sie nach Belieben auf beiden Seiten des Kanals zwischen Bahnhof und Piazzale Roma unterwegs sein konnten. Weiterlesen

In Venedig ist doch immer was los

Werden wir diesen Anblick in Zukunft vermissen? Wohl kaum (Foto R.W.)

Nur noch wenige Tage, dann schreiben wir das Jahr 2020, zumindest in unserer Zeitrechnung. Und wenn es bei dieser Zeitrechnung bleibt, erleben wir einige Monate später so etwas wie das Wunder von Venedig: Die Kreuzfahrtschiffe werden im April nächsten Jahres nicht mehr durch den Giudecca-Kanal kommen. So darf man die amtierende Ministerin für Transport und Infrastruktur von der amtierenden Regierung in Rom verstehen. Signora De Micheli, wir werden Sie beim Wort nehmen, es sei denn, die amtierende Regierung löst sich vor diesem Datum auf. Damit ist fast eher zu rechnen als mit der Einlösung des Versprechens. Soweit die Nachricht, die man je nach Einstellung als gut oder als weniger gut verstehen wird. Wer seine Hoffnung noch nicht ganz verloren hat, darf sich über ein Zeitfenster von vier Monaten freuen.

Anders sieht es in der Umgebung der Prokuratien aus, wo die Arbeiten in den Giardini Reali nach fünfjähriger Dauer zu einem Ende gekommen sind. Eine mehr als 5000 Quadratmeter große Gartenanlage ist endlich wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Da kann man sich nun fühlen wie einst die Monarchen aus Wien. Die Anlage verdankt ihre Entstehung dem österreichischen Kaiser Franz Josef. Heute sind es normal Sterbliche wie du und ich, die sich hier aufhalten und die gelungene Wiederherstellung der historischen Anlage bewundern können.

Und wenn wir schon bei den guten Nachrichten sind: Von den 22 Anlegestellen für die Wasserbusse, die bei dem Extrem-Hochwasser im November zu Schaden kamen, sollen 20 zum Jahresende wieder so hergerichtet sein, dass die Fahrgäste dort wie gewohnt ein- und aussteigen können. Nur bei der Haltestelle direkt vor dem Dogenpalast wird es noch etwas dauern. Bis dahin müssen die Fahrgäste in Richtung Arsenale die Behelfseinrichtung benutzen.

Einige Monate weiter zurück liegt das Ereignis, bei dem eine Kaimauer am Giudecca-Kanal und ein dort liegender Flusskreuzer zu Schaden kamen. Das Kreuzfahrtschiff MSC OPERA spielte bei der Ausfahrt aus dem Hafenbecken verrückt und rammte Kaimauer und Flusskreuzer. Das Ereignis vom 2. Juni 2019 geht nun in die Annalen als Havarie ein und kostet die Reederei eine Menge Geld. Die Hafenbehörde hat für den angerichteten Schaden eine Rechnung über 2,3 Millionen Euro präsentiert, für die Wiederherstellung des Flusskreuzers will der Betreiber 3 Millionen Euro. Fehlt nur noch, dass nun auch alle Kreuzfahrtschiffe, die nach diesem 2. Juni mit drei Lotsenbooten durch den Giudecca-Kanal geleitet werden müssen, auf die Idee kommen, von den Betreibern der MSC Opera die Erstattung der Mehrkosten (für das dritte Lotsenboot) zu verlangen.